Repräsentatives Gebäude

Besondere Bauten in der Region: das Nonnenhaus in Rottenburg

06.10.2021

Imposant sieht es aus: Das Nonnenhaus in Rottenburg-Ehingen, in dem gar keine Nonnen gewohnt haben. Bilder: Erich Sommer

Ausgerechnet eines der „edelsten“ Häuser der Stadt befindet sich genau genommen gar nicht in Rottenburg – und Nonnen haben darin auch keine gewohnt.

Das schöne spätmittelalterliche Fachwerkhaus, das lange als das älteste Haus von Rottenburg gegolten hat, wurde 1439/1440 am Sankt-Moriz-Platz in Ehingen erbaut.

Ehingen ist älter als Rottenburg. Die Siedlung entstand bereits im 6. Jahrhundert nach Christus und lag etwas weiter südlich außerhalb des Überschwemmungsgebiet des Neckars. Bis ins Jahr 1410 wurden Ehingen und Rottenburg als zwei unterschiedliche Orte angesehen.

Bauherr des repräsentativen Gebäudes, dessen Ställe über Stege erreicht werden konnten, damit sich die Bewohner nicht im matschigen Hof die Schuhe und Kleidersäume schmutzig machten, war die Familie von Speth, ein weit verzweigtes Adelsgeschlecht.

Besondere Popularität erlangte Dietrich von Speth aus Zwiefalten, der in württembergischen Diensten stand und 1495 im Alter von 40 Jahren den Grafen Eberhard im Barte auf den Reichstag zu Worms begleitete, wo dieser in den Herzogstand erhoben wurde. Nach dem Tod Eberhards arbeitete Dietrich von Speth für Herzog Ulrich und wurde 1510 dessen Erbtruchsess, also der Vorsteher der Hofhaltung.

Kurze Zeit später jedoch war es mit dem besonderen Vertrauensverhältnis vorbei: Nachdem Herzog Ulrich seinen Stallmeister Hans von Hutten im Böblinger Forst ermordet hatte, schloss sich von Speth der Opposition gegen den Herzog an. Vermutlich hatte er auch sehr persönliche Gründe dafür: Er soll mit Ulrichs Gemahlin Sabina von Bayern, die mit ihrem Mann einen reichlich katastrophale Ehe führte, eine Liebesbeziehung gehabt haben. Jedenfalls unterstützte er sie 1515 bei ihrer Flucht von Nürtingen nach München. Ulrich war nicht amüsiert und ließ 1517 die spethschen Besitzungen plündern. Danach beteiligte sich Dietrich von Speth aktiv an der Vertreibung Herzog Ulrichs, trat in habsburgische Dienste, machte dort Karriere und starb 1536 als Kaiserlicher Rat in der Schlacht um Marseille, nachdem er für Karl V. in den Frankreichfeldzug gezogen war.

Im Jahr 1688 verkauften die Herren von Speth das prächtige Fachwerkhaus an das Franziskanerinnenkloster Obere Klause und die Rottenburger nannten das Haus fortan nach seinen Eigentümerinnen „Nonnenhaus“. Nachdem 1782 das Kloster durch Joseph II. aufgehoben wurde und die 19 Klosterfrauen sich geschlossen entschieden, „in die Welt“ zu gehen, gelangten sämtliche Klostergebäude an Rottenburger Bürger. Der Name „Nonnenhaus“ blieb dem mehrstöckigen Fachwerkhaus jedoch erhalten. Andrea Bachmann

Auch der Innenhof des Nonnenhauses ist groß dimensioniert.

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Erstellt:
6. Oktober 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Oktober 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2021, 01:00 Uhr

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