Zwischen Neckar und Echaz

Bluesblaster Seven bieten einen gekonnten Querschnitt durch den Blues

Hier sprudelt Blues tief aus dem Neckar und der Echaz heraus: Das beweisen die Tübinger und Reutlinger Musiker der Band Bluesblaster Seven (BB7) mit ihrem erdigen Cover-Bluesrock.

Bluesblaster Seven bieten einen gekonnten Querschnitt durch den Blues

Hand drauf, sie kennen den Blues: die Männer von Bluesblaster Seven. Bild: Agentur

Die Gitarre ist beim Blues in Wirklichkeit nichts anderes als ein Körperteil. Das zeigt sich, wenn man dem Bluesblaster-Gitarristen Jürgen Lachmann zuhört, wenn er sich mit seinen sechs Mitmusikern irgendwo zwischen kraftvollen Bluesrhythmen und eigensinniger Schrulligkeit tummelt.

Doch beim zweiten Hinhören offenbart sich eine nahezu virtuose Besessenheit: Niemals scheinen die Musiker dieser Band den Blues bloß zu spielen. Stets erwecken vor allem der Tenorsaxofonist Christoph Kolz und Trompeter Hartmut Weber sowie Gitarrist Jürgen Lachmann den Eindruck, sie lebten die Musik, verlören sich in ihr und begriffen die Suche nach dem wahren Bluesgefühl als den eigentlichen Sinn ihres Daseins. Ganz gleich ob gezupft, geschlagen oder herausgekitzelt – der Tübinger Gitarrist trifft ihn immer wieder, diesen seligmachenden Ton. Seine ausladenden Soli haben viel von den Übungseinheiten eines Marathonläufers. Manchmal setzt auch er zum Sprint an, als müsse er augenblicklich das olympische 100-Meter-Finale gewinnen.

Gefunden haben sich die Mitglieder von Bluesblaster Seven vor rund 16 Jahren eher zufällig. Dass sie so gut harmonieren, das ist allerdings kein Zufall, denn mit dem Bassisten Rainer Ohlhausen und dem Schlagzeuger Klaus Wielinski hat Bandleader Christoph Kolz ein feinsinniges Rhythmus-Duo gefunden. Sie begleiten gekonnt und variabel, halten sich aber in den spielentscheidenden Momenten bescheiden zurück. Viel Platz also für ausgiebige Gitarrensoli, Keyboard-Einschübe von Jürgen Hesse und den Gesang von Roland Strelow. Eine kräftige, einprägsame Stimme hat er und beherrscht sein Repertoire von Gary Moore über Carlos Santana bis hin zu Luther Allison und Stevie Ray Vaughn aus dem Effeff.

Begrifflich lässt sich der „Blues“ weit fassen. Und entsprechend lotet die Band ihn aus, spielt die ganze Bandbreite und wird vor allem bei den schneidenden Bläsersätzen richtig funky. Dabei setzt die Band weniger auf den Mainstream, sondern vielmehr auf weniger Gehörtes. Anfangs klingen die Songs zuweilen noch nach verstaubtem Seventies-Rock, mittendrin aber strahlen sie plötzlich eine unglaubliche Coolness aus und steigern sich am Ende häufig zum kraftvollen Bluesrock.

Von Zeit zu Zeit driftet die Blues-Band aus der Region auch in andere musikalische Gefilde ab, spielt Latin-Inspiriertes oder stürzt sich in traditionelle Chicago-Blues-Rhythmen. Doch sind das meist nur kurze Intermezzi und beim nächsten Stück finden die sieben Musiker wieder zum erdigen Blues zurück. Kein Wunder, dass sich die Amateurmusiker, die alle nur nebenher Musik machen, um Auftrittsmöglichkeiten nicht mehr solche Sorgen machen müssen wie zu den Anfangszeiten ihrer Bandgeschichte: „Ohne den Coronavirus wären wir in den nächsten Wochen gut beschäftigt gewesen“, erzählt Bandleader Christoph Kolz, aber jetzt ist auf unbestimmte Zeit natürlich erst einmal Schluss mit öffentlichen Auftritten – die Gesundheit aller geht vor.

Bluesblaster Seven bietet einen repräsentativen Querschnitt durch die Bluesgeschichte, und obwohl die Band hauptsächlich Coversongs spielt, gerät sie doch nur selten in Gefahr, in nichtssagenden Mainstream abzudriften. Vielmehr feilen die sieben Schwaben regelmäßig an ihrer Technik und wenn sie einen guten Abend erwischen, scheinen sie sich geradezu selbst an die Wand zu spielen – mit englischsprachigem oder auch mal auf Schwäbisch gesungenen Blues.

Egal, welchen Seitenarm des Blues man bei dieser Gruppe befährt, man schwimmt immer auf dem Wasser. Denn der Blues wurzelt nicht nur im Mississippi, sondern auch ein wenig tief unten im Neckar und in der Echaz. Jürgen Spieß


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25.03.2020, 01:00 Uhr