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Hilfe für Kinder mit starken Traumata

Catherine Flaig betreute Opfer der schlimmen Naturkatastrophe auf Sulawesi

Catherine Flaig unterstützte vom 3. bis 11. Dezember den Einsatz eines Notfallpädagogik-Teams des Vereins der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners auf Sulawesi. Wir sprachen mit der 49-jährigen Lehrerin aus Dettenhausen über die traumatisierten Menschen auf einer indonesischen Insel, die vor drei Monaten von einer schweren Naturkatastrophe heimgesucht wurde.

02.01.2019

TAGBLATT ANZEIGER: Bei einem schweren Erdbeben und einem Tsunami sind Ende September auf Sulawesi mehr als 1300 Menschen ums Leben gekommen. In welchem Zustand haben Sie die indonesische Insel angetroffen?

Catherine Flaig: Ich habe dort eine Zerstörung von apokalyptischem Ausmaß gesehen. Die Stadt Palu ist vom Erdbeben und dem Tsunami am stärksten betroffen. Dort sind tausende von Häusern im Erdboden verschwunden. Im Stadtteil Balaroa sind große Wassermassen aus dem Erdreich an die Oberfläche gedrungen. Als Folge dieser Erdverflüssigung steht dort überhaupt nichts mehr. Die Obdachlosen leben in primitiven Camps aus Plastikdächern. Die Straßen sind zerstört, weshalb es sehr schwierig ist, die Menschen mit Lebensmitteln oder Medikamenten zu versorgen. Seit der Katastrophe hat sich für die Menschen, die davon betroffen sind, kaum etwas zum Positiven verändert. Die Menschen sind alle stark traumatisiert. Denn jeder, der dort lebt, hat Freunde oder Verwandte bei dieser Naturkatastrophe verloren. Die Kinder leiden am meisten unter dieser Situation.

Wie versucht die Notfallpädagogik, diesen Kindern zu helfen?

Nach einer solchen Katastrophe leidet der ganze Körper des Menschen, weil sein Rhythmus zerstört wurde. Deshalb funktioniert oft die Verdauung nicht mehr. Um diese Störung zu stabilisieren und nach Möglichkeit zu reduzieren, arbeitet die Notfallpädagogik mit rhythmischen Aktivitäten, die sich an die Methoden der Waldorfpädagogik anlehnen. Dazu gehören Eurythmie, Spiele, Singen und Kunsttherapie. Wenn Kinder beispielsweise einen Baum zeichnen oder ein Aquarell malen, können sie traumatische Erlebnisse ohne Worte ausdrücken. Und das hilft ihnen, Ordnung in das Chaos der Emotionen zu bringen.

Wie sah Ihr Einsatz auf Sulawesi konkret aus?

Unmittelbar nach der Katastrophe war bereits ein Team von Notfallpädagogen vor Ort, um Kindern und Jugendlichen zu helfen. Ich war mit einem neunköpfigen Team dort, das sich um die Nachsorge gekümmert hat. Das waren Ärzte, Pädagogen oder Kunsttherapeuten aus Brasilien, Deutschland und der Schweiz. Wir haben Lehrer und Sozialpädagogen betreut und geschult, die selber auch sehr stark traumatisiert sind. Auf einem Kongress, der von einem indonesischen Pädagogenverein organisiert wurde, haben wir Vorträge gehalten und Workshops geleitet.

Fragen von Stefan Zibulla

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners unterstützen seit 1976 weltweit Waldorfschulen, -kindergärten, heilpädagogische Einrichtungen und soziale Projekte.

www.freunde-waldorf.de

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Erstellt:
2. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2019, 01:00 Uhr

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