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Christine Kümmel spielt Theater in einem Koffer
Alles da im Köfferchen für „Irgendwie Anders“: Sessel, Vorhang, Ofen – und Christine Kümmel von oben. Bild: Philipp Schmidt
In Ruhe wahrnehmen

Christine Kümmel spielt Theater in einem Koffer

Christine Kümmel begeistert bereits seit vielen Jahren mit ihrem Ein-Frau-Theater die kleineren und größeren Kinder in der Region. Ihre feste Spielstätte befindet sich in der Volkshochschule Herrenberg. Bis zu acht Stücke hat sie in ihrem Programm. Das aktuelle heißt: „Irgendwie Anders“, nach dem Buch von Kathryn Cave.

28.02.2018

Die berührenden Stücke von Christine Kümmel haben eine Laufzeit von 45 Minuten – das ist eine gute Länge für Kinder. „Mein Zuhause ist überall da, wo ich es mir gemütlich mache“, sagt Irgendwie Anders, der Protagonist des aktuellen gleichnamigen Stücks. Das trifft auch auf die Künstlerin selbst zu, die der TAGBLATT ANZEIGER nach einer Vorstellung zum Gespräch traf.

Wie kam es zum „Theater im Köfferchen“?

Ich habe schon als Kind mit einer Freundin hinterm Kaspertheater gehockt und einfach gespielt. Geschichten zu spielen, das Leben nachzuspielen fand ich immer spannend. Später hat meine Mutter diese alte Leidenschaft bei mir wieder geweckt. Zu einem Familienfest, meine Kinder waren noch klein, hatte sie wunderschöne Figuren gemacht. Sie hatte eine Geschichte, wollte aber nicht spielen. Wir haben also beschlossen, sie liest den Text und ich spiele dazu. Danach habe ich im Kindergarten gespielt. So fing es wieder an, und ich fing Feuer.

Daraus wurde ein Selbstläufer. Es kamen immer mehr Anfragen, und ich habe acht Jahre lang im Amateurbereich gespielt. Irgendwann stagnierte es, ich brauchte neuen Input. Ich nahm Kontakt zu meiner Vorgängerin, der Märchengrotte in Herrenberg, auf. Eine Weile gab es eine Zusammenarbeit, bis ich mich von den Mitspielerinnen trennte. Vor genau sechzehn Jahren habe ich die Räume dann übernommen.

Kann man das Puppenspiel lernen?

Auf jeden Fall. Ich habe sehr gute Lehrer für Regie, Dramaturgie, Stimmausbildung und Puppenbauen gesucht und zum Glück gefunden. Ergänzend zur Ausbildung sollte man eine gewisse Präsenz mitbringen. Die war bei mir schon immer da, aber heute kann ich sie besser einsetzen.

Vor allem Ihre Stimme trägt die Stücke …

Das höre ich immer wieder. Meine Stimme ist wohl etwas, was die Menschen fasziniert. Vor kurzem hat mich eine Theaterpädagogin nach einer Aufführung angesprochen und gesagt, ihr hätte vor allem das Tempo gut gefallen. Das Tempo, mit dem ich arbeite, ist sicher nicht das, was man ansonsten im Theater, erst recht nicht im Fernsehen sieht. Da jagt ein Highlight das nächste. Das ist nicht meine Art. Ich möchte, dass die Kinder alles auf der Bühne in Ruhe wahrnehmen können.

Was inspiriert Sie zu den Geschichten?

Es kommt immer zuerst das Thema. Ich beobachte die Gesellschaft und die Kinder, die ins Theater kommen. Das Thema überfällt mich dann einfach. Bei dem aktuellen Stück „Irgendwie Anders“ habe ich das Buch zufällig entdeckt. Die Lektüre hat mich so sehr angesprochen, dass ich es unbedingt umsetzen wollte.

Bei dem Stück steht Ausgrenzung im Mittelpunkt.

Das ist richtig, es gibt aber auch viele heitere Momente. Die Erfahrung, ausgegrenzt zu werden, ist eine, die die meisten Kinder machen. Dadurch ist man nah an ihnen dran. Ein existenzielles Thema.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Menschen- und Figurentheater?

Das Figurentheater ist eine Bilderwelt. Ich bin zwar als Person anwesend und kommentiere, tröste und so weiter. Aber wenn nur die Figuren spielen, wirkt diese Bilderwelt auf einer anderen Ebene beim Zuschauer. Sie wirkt eher unbewusst. Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, wenn ihnen etwas zu nahe geht, etwas zu heftig wird, Distanz zu wahren. Darin sehe ich den großen Vorteil des Figurentheaters.

Im Stück gibt es eine nicht zu überhörende Künstlerkritik …

(lacht) Künstler sind nicht gleich bessere Menschen. In der Beziehung halte ich es mit Beuys. Alle Menschen können Künstler sein, indem sie das, was sie tun, mit ihrem ganzen Herzen, ihren ganzen Sinnen tun und dazu stehen. Diese Haltung, diese Sicht teile ich ganz und gar. Besonders schön ist es natürlich, wenn man dabei auch selbst Spaß hat.

Ist das bei Ihnen noch so?

Aber natürlich! Wenn das Publikum reinkommt, ist die Freude immer da.

Interview: Philipp Schmidt

Sämtliche Spieltermine unter: www.koefferchentheater.de

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28.02.2018, 01:00 Uhr
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