Pandemische Süchte

Computerspielsucht und Internetsucht: Wann sollten Eltern eingreifen?

Alkohol und Zigaretten können süchtig machen, doch auch das Internet oder Computerspiele. Im Gespräch mit der BARMER erklärt Psychologe Klaus Wölfling, Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Mainzer Universitätsklinik, wie eine solche Sucht entsteht, wann Eltern eingreifen sollten und wie sie das am besten tun.

04.11.2020

Auch mit Computerspielen ist der Einstieg in ein Suchtverhalten möglich, warnt ein Psychologe. Bild:© Light Impression/Fotolia

Nicht nur Alkohol und Zigaretten können süchtig machen, sondern auch das Internet oder Computerspiele. Im Gespräch erklärt Psychologe Klaus Wölfling, Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Mainzer Universitätsklinik, wie eine solche Sucht entsteht, wann Eltern eingreifen sollten – und wie sie das am besten tun.

Barmer: Herr Wölfing, mit den Einschränkungen während der Coronakrise waren die Menschen häufiger alleine zu Hause, die Mediennutzung ist gestiegen. Kann da nicht schneller eine Sucht entstehen?

Klaus Wölfing: Natürlich sehen wir, dass die Menschen, vor allem auch Kinder und Jugendliche, länger im Internet surfen oder Computer spielen. Aber das ist eine ganz logische Folge der Veränderungen, die wir hatten und haben. Wir sind mehr zu Hause und beschäftigen uns mehr mit digitalen Medien.

Was ist noch kritischer Konsum, was ist schon Sucht?

Wir haben da einen Kriterienkatalog mit verschiedenen Verhaltensweisen. Zum Beispiel, ob jemand trotz negativer Folgen immer weiterspielt oder deswegen schulische und soziale Pflichten vernachlässigt. Wenn fünf oder mehr dieser Kriterien über einen Zeitraum von zwölf Monaten feststellbar sind, dann sprechen wir von einer Sucht. Bei drei oder vier Kriterien sprechen wir von einem Problemfall. Da stehen die Betroffenen auf der Schwelle zu einer Sucht.

Wenn die Betroffenen die Schwelle überschreiten, wie läuft die typische Entwicklung einer Sucht ab?

Eine typische Sucht-Karriere? Dann sprechen wir erstmal von einem Jungen, denn die allermeisten Computerspielsüchtigen sind Jungs. Los geht es meistens mit sehr frühem, unreguliertem Spielen, dem von den Eltern keine Grenzen gesetzt werden. Typisch ist zum Beispiel, dass ein Kind einen Computer im eigenen Zimmer hat, es keine geregelten Spielzeiten gibt und das Kind den Eltern verheimlicht, wie viel es spielt.

TA

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Erstellt:
4. November 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. November 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. November 2020, 01:00 Uhr

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