Hybride Skulpturen und Openspace

Das Jahresprogramm im Reutlinger Kunstmuseum ist stark von Corona betroffen

Die Pandemie setzt auch dem Kunstmuseum Reutlingen schwer zu: Das hindert das zum Teil neu zusammengestellte Team um Leiterin Ina Dinter nicht daran, ihr neues Jahresprogramm vorzustellen, das einige spannende Ausstellungen und zahlreiche neue Angebote in der Kunstvermittlung beinhaltet.

07.04.2021

Seit September leitet Ina Dinter das Reutlinger Kunstmuseum. Archivbild: Werner Ströbele

Es ist erst drei Wochen her, da konnte das Kunstmuseum seinen Betrieb während der Lockerungen der Corona-Auflagen immerhin für zehn Tage wieder aufnehmen. Doch nachdem in Reutlingen der Inzidenzwert von 100 überschritten wurde, musste die Notbremse gezogen werden und das coronageplagte Kunstmuseum wurde wieder geschlossen. Nichtsdestotrotz versprechen das Spendhaus und die beiden anderen Standorte in den Wandel-Hallen für das Jahr 2021 interessante Ausstellungen, von den hybriden Skulpturen des Bildhauers Peter Buggenhout über Highlights der Gemäldesammlung bis zu neuen, ausgewählten Holzschnitten in der Ausstellung „Wanted: Woodcuts“.

Dabei gibt es einige Neuerungen zu vermelden: Neben Rainer Lawicki, der seit August 2020 die stellvertretende Leitung und Sammlungsleitung übernommen hat, und Johannes Krause-Schenk, seit März diesen Jahres Kurator, Öffentlichkeitsreferent und zweiter stellvertretender Leiter, ist Kerstin Rilling für die Kunstvermittlung zuständig. Zwar konnten 2020 weniger Schülergruppen und museumspädagogische Veranstaltungen stattfinden und auch die neu aufgelegte Kulturreihe „Kaffee und Kunst“ musste wegen Corona wieder eingestellt werden. Dafür kommen die neue Homepage mit ihren digitalen 360-Grad-Rundgängen, das über fünf Stockwerke installierte Kunstwerk „Elevation“ von Eckart Hahn und Kunst im öffentlichen Raum wie die Plakat-Installation „Public Poster Gallery“ am Tübinger Tor „bei den Besuchern hervorragend an“, so Kerstin Rilling.

Im Mai oder Juni eröffnet schließlich mit dem „Baumhaus – Lounge & Art Space“ ein ganz neuer Treffpunkt im Spendhaus. In dem Café- und Loungebereich im vierten Stockwerk werden Kunstfilme gezeigt, Partizipations- und Begegnungsmöglichkeiten geboten und Infos zu Grieshaber-Werken vermittelt. Herzstück ist das „Openspace“, in dem Besucher selbst künstlerisch kreativ werden können. Der Bereich ist zu den üblichen Öffnungszeiten ohne Eintritt zugänglich. Neu ist auch ein Kunstatelier im ersten Stockwerk des Kunstmuseums/konkret in den Wandel-Hallen, das ebenfalls, wenn es die Corona-Situation erlaubt, aber spätestens im Juni als Kunstvermittlungsraum genutzt werden soll.

Zu den Ausstellungen: Einige bestehende Ausstellungen wie „Urbane Landschaften“ im Spendhaus (bis 24. Mai), die Schau von Almut Hilf im Kunstmuseum/Galerie (bis 11. Juli) und die Ausstellung zu Jenny Michel im Spendhaus (bis 8. August) werden wegen der derzeitigen Schließung verlängert. Die erste Neueröffnung ist am 1. Mai die mehrmals verschobene Schau „Nicht geheuer“ mit Plastiken von Peter Buggenhout in den Wandel-Hallen (bis 12. September). Der Belgier arbeitet nicht nur mit Schrott und riesigen Materialcollagen, sondern auch mit Pferdehaaren, Rindermägen und Schweineblut. Holger Kube Ventura bezeichnet die Objekte als „wesenhafte Gebilde“.

Der Kurator des Kunstmuseums/konkret betreut auch die Ausstellung des in Sindelfingen aufgewachsenen Italieners Gianni Caravaggio, die vom 1. Oktober bis 30. Januar 2022 im Kunstmuseum/konkret gezeigt wird. Seine Installationen haben alle einen Bezug zur Natur und „wollen Erinnerungen an eigene Naturerlebnisse hervorrufen“, so Ventura. Des Weiteren gibt die Ausstellung „Ins Licht“ von 20. Juni an Einblicke in die Gemäldesammlung des Kunstmuseums. Vertreten sind Maler des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, meist mit Bezug zur Achalmstadt. Ab August werden in der Ausstellung „Wanted: Woodcuts“ vorwiegend Holzschnitte von 21 Künstlern gezeigt, Jordan Madlon, der Gewinner des vom Kunstmuseums-Freundeskreis gestifteten Holzschnitt-Förderpreises, stellt seine raumgreifenden Installationen vom 11. September bis 14. November im Spendhaus vor und die Buchillustrationen von Frans Masereel sind ebenfalls auf drei Etagen im Spendhaus zu sehen. Im Gegensatz zu den Tübinger Museen wird man mit der Eröffnung des städtischen Kunstmuseums wohl noch eine Zeit lang warten müssen. Ina Dinter rechnet mit mindestens Mitte April. Jürgen Spieß

www.kunstmuseum-

reutlingen.de

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Erstellt:
7. April 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
7. April 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. April 2021, 01:00 Uhr

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