Spektakel mit Seele

Das Zirkusprojekt „hyrrä paratiisi“ gastiert beim Reutlinger Echaz-Hafen

14.09.2022

Der Fokus beim Zirkusprojekt „hyrrä paratiisi“ liegt auf Ästhetik. Bild: Jürgen Spieß

Der Fokus beim Zirkusprojekt „hyrrä paratiisi“ liegt auf Ästhetik. Bild: Jürgen Spieß

Kultur, die nicht mit der Zeit geht, ist langweilig. Kultur muss sich aber auch den Ansprüchen und Erwartungen des Publikums anpassen, und nicht zuletzt den finanziellen Herausforderungen stellen. Heutzutage ist nicht nur gefragt, wer souverän diverse Stile zu bewältigen weiß, auch die Verknüpfung von unterschiedlichen Kunstgattungen ist gefragt.

Genau in diese Lücke möchte das ungewöhnliche Zirkusprojekt „hyrrä paratiisi“ – eine Wortschöpfung aus dem Finnischen, die „ins Paradies gehen“ bedeutet – stoßen. Mehrere Kulturhäuser im Land haben es auf den Weg gebracht, darunter auch das Reutlinger Kulturzentrum franz.K. In Anlehnung an die Vorgänger-Produktion „hyrrätytö“ hat sich ein achtköpfiges Künstlerensemble gebildet und unter der Regie von Stefan Schönfeld vom Momentlabor Freiburg einen anspruchsvollen „Cirque-Niveau“-Abend einstudiert, der dem Publikum ausdrücklich und ganz bewusst keine der üblichen Zirkusnummern präsentieren will, so der Regisseur und für die Umsetzung zuständige Ideengeber des genreübergreifenden Projekts.

Es gehe darum, Sicht- und Denkweisen zu verändern, Perspektiven zu entwickeln und sinnlich darzustellen, so die Intention des Freiburger Regisseurs. Nicht spektakuläre Artistik solle in den Vordergrund gerückt, keine reine Nummernshow geboten werden. Der Fokus liege auf Ästhetik, auf der Verbindung von unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen wie Tanz, Lichtdesign, Objektmanipulation, Akrobatik und verschiedene Arten von Livemusik.

Nach dem Vorbild der französischen Kunstform „Cirque Nouveau“ stelle das „Zirkus-Spektakel mit Seele“ persönliche Erfahrungen der Akteure, die komisch sein können, aber auch emotionale Grenzbereiche berühren, artistisch in den Mittelpunkt.

Zu dem international zusammengesetzten Ensemble aus den vier Nationen Deutschland, Belgien, Niederlande und Griechenland gehören: Zinzi Oegema (Akrobatik), Michael Strobel (Gitarre), Antonio Terrones y Hernandez (Akrobatik), Chris Nehmet (Keyboards), Evertjan Mercier (Akrobatik), Stefan Werni (Bass), Kritonas Anastasopoulos (Akrobatik) und Schroeder (Schlagzeug, musikalische Leitung). Für das Bühnenbild zeichnet Karoline Hahn, für die Lichtinszenierung Oli Lorenz verantwortlich. Neben Lyrik und Akrobatik wird auch viel Livemusik geboten, vom hypnotisch-rauen Rocksound bis zum eigenen Soundtrack mit Gedanken zum Paradies.

Schließlich findet der dritte Abend in einem besonderen Rahmen statt – nämlich dem einer „relaxed performance“. Das bedeutet, dass die barrierearme Veranstaltung auch für Menschen ausgerichtet ist, die sich im herkömmlichen, oft mit vielen ungeschriebenen Verhaltensregeln belegten Veranstaltungs-Setup nicht wohl fühlen: Verschiedene Sitzmöglichkeiten sind vorhanden, es gibt einen Ruheraum, falls man sich während der Veranstaltung zurückziehen möchte und Geräusche sowie Aufstehen sind auch während der Aufführung erlaubt.

Einen Betrag im fünfstelligen Bereich hat die Verwirklichung des Projekts gekostet und wird vom Fonds Darstellende Künste und vom Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg (Laft) aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg finanziell unterstützt. Co-Produzenten sind das Tollhaus Karlsruhe und das E-Werk Freiburg.

Die Zusammenarbeit mit den beteiligten kulturellen Zentren möchte franz.K-Vorstand Andreas Roth auf jeden Fall fortführen, denn es gehe bei diesen Co-Produktionen darum, „grenzüberschreitende Projekte zu unterstützen und neue, künstlerische Akzente zu setzen.“ Jürgen Spieß

Für die Aufführungen am

16. und 17. September, 20 Uhr, und am 18. September, 19 Uhr, im Reutlinger Echaz-Hafen

gibt es Karten beim franz.K und an der Abendkasse.

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Erstellt:
14.09.2022, 01:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 14.09.2022, 01:00 Uhr

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