Musikalische Vielfalt

Das fünfwöchige Indi(e)stinction-Festival im franz.K präsentiert sechs Bands

Dieses Festival spielt gerne nach eigenen Regeln und bucht auch Bands, die ihr eigenes Ding machen: Die fünfte Auflage des vom franz.K organisierten Indi(e)stinction-Festivals hat vom 16. Februar bis 10. März sechs Konzerte zu bieten – von der texanischen Indierock-Legende And You Will Know Us By The Trail Of Dead über Sarah Lesch bis zu Florian Ostertag und der US-dänischen Band Hodja.

Das fünfwöchige Indi(e)stinction-Festival im franz.K präsentiert sechs Bands

Die beiden Organisatorinnen des Indi(e)stinction-Festivals im franz.K: Sarah Petrasch (links) und Mai Schäffer. Bild: Jürgen Spieß

Reutlingen. Ein Festival, das sich nicht am Massengeschmack orientiert und „kulturelle Vielfalt unterstützt“. Als solches könnte man das Indi(e)stinction-Festival im franz.K bezeichnen, das 2016 als alternativer Gegenentwurf zum Mainstream-Pop gegründet wurde. In dem gleichwohl mitschwingt, dass das Phänomen „Indierock“ von der Kreativität der Musiker und von der Liveperformance lebt. Sechs von großen Majorlabels unabhängige Bands in fünf Wochen präsentiert das Festival, das inzwischen als eine Art Markenzeichen des Hauses gilt.

Das Festival startet am 16. Februar mit einem pompösen Mix aus Härte, Schwermut und derben Breaks. Das texanische Quartett And You Will Know Us By The Trail Of Dead zelebriert seinen Hang zum Orchestralen, zum Prätentiösen in einer spektakulären Liveshow: „Im Indie-Bereich ist das mit das Beste, was derzeit auf dem Markt ist“, ist Sarah Petrasch vom franz.K überzeugt.

Auch Baretta Love, die am 22. Februar im franz.K aufspielen, eilt der Ruf voraus, eine exzellente Liveband zu sein, die den Klangraum mit assoziativer Wucht weitet und bei ihren Konzerten schon mal offene Münder hinterlässt. Die Band aus Magdeburg präsentiert sich mit ihrem explosiven Mix aus Punk, Indie und Rock als geschlossene Einheit mit starkem Songwriting und dem richtigen Händchen für große Melodien. Als Vorband spielt an diesem Abend die Reutlinger Gruppe Bad Liver auf, die die regionale Rockszene seit Jahren mit ihrem dreckigen, aber melodischen Punkrock aufmischt – und eine Aftershow-Party gibt es an diesem Samstag auch.

Etwas aus der Reihe fällt der Auftritt der in Tübingen aufgewachsenen Liedermacherin Sarah Lesch mit ihrer Vorliebe für Chansons und den Berliner Liedermacher Fanny van Dannen. Am 29. Februar wird sie mit ihrer Band ihr neues Album „Der Einsamkeit zum Trotze“ vorstellen. Als Vorgruppe sind die drei Frauen von Coucou am Start, die durch feinsinnige Kompositionen und Arrangements ein Soundgeflecht formen, bei dem Einflüsse aus Jazz und Folk zu einer sehr transparenten Popmusik verwoben werden.

Am 6. März geht es weiter mit der Band Liga der gewöhnlichen Gentlemen, die sich aus Mitgliedern der Hamburger-Schule-Band Superpunk zusammensetzt. Kaum mehr als drei, vier Minuten geben die Gentlemen um Sänger und Gitarrist Carsten Friedrichs und Bassist Tim Jürgens (stellvertretender Chefredakteur des Fußballmagazins 11 Freunde) ihren Songs und wie so viele Bands aus dem Dunstkreis der Hamburger Schule wissen sie, wie anspruchsvoller Gitarrenrock zu klingen hat: bunt, euphorisch, gut gelaunt, gewürzt mit mehr oder weniger absurden Geschichten. Vorgruppe ist hier das Tübinger Trio Cyco Sanchez Supergroup, das laut und unbarmherzig schnell gespielten Garagensound zu ihrem Markenzeichen gemacht hat.

Einen Tag später kommt der auf der Schwäbischen Alb aufgewachsene Gitarrist und Sänger Florian Ostertag mit seiner Band ins franz.K. Der Gitarrist von Philipp Poisel wird mit seinem eigenen Projekt jedoch andere Saiten aufziehen und einen eigenständigen Mix aus Indiefolk und kreativ verspielten Songs präsentieren. Dazu passt auch der Support, die aus Kirchentellinsfurt stammende Hanna Herrlich mit ihren gewitzten Songs über das Leben. Ein weiteres Highlight neben dem Auftaktkonzert verspricht der Auftritt der Band Hodja zu werden. Die Band aus New York, deren Mitglieder derzeit in Berlin leben, vereint Gospel, Soul, Voodoo und tiefschwarze amerikanische Musik zu einem Mix, der laut franz.K-Geschäftsführer Andreas Roth „extrem soulig“ daherkommt und an die US-Indie-Helden von Algiers erinnert.

Indierock-Fans können sich also auf ein Festival mit großer musikalischer Bandbreite freuen. Einem Festival, bei dem die Vielfalt und Kreativität der auftretenden Bands wichtiger ist als die Anzahl der verkauften Tickets. Jürgen Spieß


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12.02.2020, 01:00 Uhr