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Der Kommentar

Das schlechte Gewissen reist mit

08.01.2020

Von Monica Brana

Du sollst nicht reisen!“ Wird das ein Imperativ für das just angebrochene Jahrzehnt? Oder zumindest: „Du sollst nicht fliegen!“? Oder: „Kompensiere deine Treibhausgase durch den Kauf von Klimazertifikaten!“?

Im vergangenen Dezember veröffentlichten die UN-Weltorganisation für Tourismus und das Weltverkehrsforum eine Studie, die boomenden Tourismus und einen raketenmäßigen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2030 prognostiziert. Gab es 2016 weltweit 20 Milliarden touristische Reisen, sollen diese in den nächsten zehn Jahren auf 37 Milliarden ansteigen. Unvorstellbar?

Reisen machen ein knappes Viertel des überhaupt durch Transporte erzeugten CO2-Ausstoßes aus, sagen die Experten für dicke Luft. Und gereist werde vor allem dort, wo die entsprechende Infrastruktur besteht: Europa ist bei den Treibhausgasen ganz vorne dabei. Dabei soll das Flugzeug – ein absoluter Emissions-Dreckspatz – beim starken Anstieg von Inlandsreisen in sämtlichen der gelisteten Weltregionen immer dickere CO2-Eier legen.

Was also tun? „Am Boden bleiben“, rät das Umweltbundesamt auf seiner Webseite. Touristen sollten lieber Bus, Bahn oder Fahrrad wählen statt das Flugzeug zu nehmen oder auf einen Kreuzfahrt-Dampfer zu steigen. Wie mir ecopassenger.org ausrechnet, bräuchte ich von Tübingen nach Berlin per Flieger nur halb so lange wie mit Bahn oder dem Auto. Der reine CO2-Ausstoß läge mit 112 Kilogramm aber fast viermal bzw. doppelt so hoch. Dabei wäre eine Autofahrt mit 85 Kilogramm CO2 noch etwas sauberer als ein Trip mit dem Motorrad (94 Kilogramm), zeigt mir der „Mobilitätsrechner“ auf energie-umwelt.ch. Der Ausstoß von Feinstaub und Stickoxiden wäre auf zwei Rädern zudem zigfach höher, wie mir bunt entgegenschießende Balken zeigen. Wollte ich partout fahren, könnte ich für einen Emissions-Ausgleich sorgen. Auf moorfutures.de liebäugle ich schließlich mit einem 64 Euro teuren Renaturierungs-Zertifikat. Damit könnte ich das „Königsmoor“ in Schleswig Holstein unterstützen. Das klingt toll. Und wäre doch auch mal einen Besuch wert!

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Erstellt:
8. Januar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Januar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Januar 2020, 01:00 Uhr

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