Das System an die Spieler anpassen

Der Basketballer Enosch Wolf über die Zukunft der Tübinger Tigers nach der Corona-Pause

Enosch Wolf will endlich wieder Basketball spielen. Wir sprachen mit dem 29-jährigen Center bei den Tübinger Tigers über die Perspektiven seines Teams nach der Corona-Pause.

Der Basketballer Enosch Wolf über die Zukunft der Tübinger Tigers nach der Corona-Pause

Enosch Wolf will die Playoffs erreichen. Bild: Dennis Duddek

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Wie denken Sie über den Saison-Abbruch?

Enosch Wolf: Es ist schade, dass wir nicht zu Ende spielen konnten, aber die Liga hatte keine andere Wahl. Die Gesundheit von uns allen geht natürlich vor.

Durch den plötzlichen Abbruch gab es keinen Abschied von den Fans. Fehlen Ihnen die Fans?

Kontakt mit den Fans ist immer schön. Auch nach dem letzten Spiel – obwohl man da ziemlich fertig und traurig war, weil wir uns nicht für die Playoffs qualifiziert hatten. Aber das wäre ja dieses Jahr auch sehr schwer geworden.

Außerdem bleibe ich ja weiterhin in Tübingen.

Was halten Sie von Geisterspielen ?

Ich schaue mir die Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga gerne an. Aber ich hätte keine Lust, bei so einem Spiel selbst mitzuspielen. Im Basketball sind die Atmosphäre und die Fans sehr wichtig.

Sind Sie nicht doch ein bisschen auf die Fußballer neidisch, die wieder spielen dürfen?

Nein, nicht wirklich. Im Basketball wäre das nicht wirtschaftlich. Die Zuschauereinnahmen sind dafür viel zu wichtig, auf die kann ein Verein nicht verzichten. Wir hätten noch vier Spiele gehabt und dafür lohnt es sich nicht, ein Risiko einzugehen. Aber ich würde mir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für den Basketball wünschen. Hierfür müssen sich die Vereine ansprechender im Social Web präsentieren. Aber trotz dieser Defizite ist der Basketball in Deutschland auf einem guten Weg.

Was kann man tun, um den Tigers zu helfen?

Wir hatten gerade eine Crowd-founding-Aktion, die unserer Jugend und den Profis sehr hilft. Ich finde es auch sehr stark, dass kaum ein Dauerkarten-Besitzer sein Geld zurück haben möchte. Vielen Dank dafür!

Wenn es mit den Spielen wieder los geht, brauchen wir viel Publikum in der Paul-Horn-Arena. Vorher kommt es darauf an, dass sich alle trotz Lockerungen diszipliniert verhalten. Dann stehen wir Corona so schnell wie möglich durch und können uns bald wieder am Basketball freuen.

Wie beurteilen Sie die Leistung Ihres Teams in dieser Saison?

Durchwachsen trifft es, glaube ich, am besten. Wir alle sind diese Saison nicht wirklich an unsere Leistung rangekommen. Die Spieler waren sehr gut, allerdings hätte man das Spielsystem auch an sie anpassen müssen. Zwar muss ein Verein auf die Kosten schauen und kann sich deshalb nicht immer sein Wunschteam leisten. Aber deswegen kann man nicht einfach die Spieler an das System angepasst kaufen, wie das in der vergangenen Saison bei den Tigers der Fall war.

Bleibt es für die nächste Saison bei dem Ziel, die Playoffs zu erreichen?

Mein Ziel ist es, immer so erfolgreich wie möglich Basketball zu spielen. Und das bedeutet für uns, die Playoffs zu erreichen.

Wie halten Sie sich in der langen Spielpause fit?

Im Moment mache ich vor allem Krafttraining. Außerdem habe ich mir ein Trainingsrad in meiner Wohnung aufgebaut. Damit mache ich meistens ein Intervalltraining, bei dem ich meinen Puls wiederholt hochjage.

Genießen Sie Ihre freie Zeit?

Nein, die ist mir eher lästig. Zumal ich weder meine Familie noch meine Freunde besuchen kann.

Sie haben diese Saison auch gegen Ihren eigenen Bruder gespielt. Würden Sie auch gerne mal mit ihm zusammen spielen?

Die Spiele gegen meinen Bruder waren für mich etwas ganz Besonderes. Mit ihm zusammen zu spielen, ist einer meiner großen Träume.

Fragen von Dennis Duddek


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20.05.2020, 01:00 Uhr