Der Kommentar

Der Oktober ist Weinlesemonat

Von Martina Fischer

Der Name des Oktobers, „Weinmond“, deutet daraufhin, dass dieser Monat die Hauptlesezeit in den Weinbergen ist. Zwar werden frühe Rebsorten, vor allem Neuzüchtungen, schon ab Ende August gelesen, und in südlicheren Ländern ist die Weinernte sogar schon vorbei. Aber in hiesigen Breiten ist der Oktober der Weinlesemonat.

Die Winzer sehen es gern, wenn in den Morgenstunden Nebel herrscht, der dann einem strahlenden Sonnentag Platz macht. Berühmt ist die Schönwetterperiode um den Monatsbeginn, der Altweibersommer. Die dann durch die Luft schwebenden Spinnenweben wurden von den Germanen als Schicksalsfäden der Nornen gedeutet, die am Schicksal der Menschen spinnen. Im Christentum wurde daraus das Spinnen der Muttergottes, um das sich allerlei Legenden ranken. Vielleicht hängt die Verbindung auch damit zusammen, dass für die Bauern die Feldarbeit zu Ende geht und bei den nun langen Abenden das Spinnrad wieder in Aktion tritt.

Bei den Winzern jedoch ist es noch nicht soweit. Die Spinnfäden des Altweibersommers ermuntern sie, vor allem die spät reifenden Rebsorten noch hängen zu lassen. Möglicherweise ist ein Zusammenhang mit der spinnenden Maria und ihrem Schutz für die Trauben zu sehen, jedenfalls am Bodensee, wo gerade in den Uferlagen die Nachtfröste gefährlich werden können. So steht in den Reben von Nonnenhorn ein Bildstock, auf dem Maria als Spinnerin abgebildet ist.

Nach katholischer Lehre gilt Maria als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen. Maria ist die Schutzpatronin der Winzer und so wird sie auch um Gottes Gnade und Segen für Weinbauer und Weinberg gebeten. Maria dürfte auch die Heilige sein, der im deutschen Weinbau die meisten Lagen gewidmet wurden als Dank und Bitte zugleich, den Winzern ihre schützende Hand zu reichen. Maria wird in vielen Bibelstellen mit der Traube in Verbindung gebracht, und auch ihr Sohn steht in ganz besonderer Beziehung zum Weinstock („ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben“).


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09.10.2019, 01:00 Uhr