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Jetzt ist Zeit, um eine erfolgreiche Struktur aufzubauen

Der SSV Reutlingen probiert den Umbruch – ohne Mitgliederversammlung, aber vermutlich mit neuer Spit

Der ehemalige Vorzeige-Fußballverein der Region, Ex-Zweitligist und mehrfacher Amateurmeister, der SSV Reutlingen, versucht wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Ein Umbruch ist geplant.

18.03.2020

Darauf muss man jetzt erst mal lange Zeit verzichten: Fußball und Fans. Bild: Ulmer

Reutlingen. Dem Coronavirus ist es geschuldet, dass auch die Mitgliederversammlung des SSV Reutlingen am gestrigen Dienstag abgesagt werden musste. Dabei ist der Verein gerade dabei, sich eine runderneuerte Führungsstruktur zu geben. Theoretisch ist der SSV aktuell sogar führungslos, denn die beiden Führungspersonen, der 1. Vorsitzende Theo Faßnacht und Eberhard Spohn, geben ihre Ämter ab, die Fußballverantwortlichen haben sich ebenfalls bereits zurückgezogen, um ihren Nachfolgern Platz zu machen. Folglich müssten jetzt die beiden für den Vorstand kandidierenden Cem Korkmaz und Sinan Demiz den Verein quasi ohne Mandat führen. Dazu käme noch Jürgen Matteis, der Vorstand Finanzen, der erneut für dieses Amt kandidiert.

Auch wenn es nun keine Mitgliederversammlung gibt, haben sich zumindest die vermutlich neuen Führungspersonen am Dienstag getroffen. Im kleinen Kreis, sozusagen. Dabei natürlich auch Karsten Amann, der Präsident des Gesamtvereins. Dabei ist dieses Problem, den Verein neu zu strukturieren, für alle Parteien nichts Neues. Denn bereits seit sechs Monaten arbeitet eine Gruppe an einem neuen Konzept für den Traditionsverein. Tragisch: Der SSV kämpft mittlerweile sogar um den Klassenerhalt in der Oberliga.

Man erinnere sich daran, dass der SSV 1964/65 Zweiter in der Regionalliga Süd wurde – hinter Bayern München. Die Bayern stiegen auf, der SSV scheiterte an Borussia Mönchengladbach in den Aufstiegsspielen. Mit Erfolgstrainer Armin Veh gelang in der Saison 2000 sogar der Aufstieg in die 2. Bundesliga (das war schon einmal gelungen, in der Saison 1975/76, dem der direkte Abstieg als Tabellenletzter folgte), die sie auf einem tollen 7. Platz beendeten. Schade: Hätte der damalige Chef Dieter Winko nicht gegen die Lizenzauflagen verstoßen, hätten sie auch den Klassenerhalt in der folgenden Saison geschafft. Leider mussten sie wegen Punktabzügen absteigen. Das war es dann für den SSV, heute dümpelt er in der Oberliga.

Doch der Anspruch ist ein anderer. Und dem wollen die neuen Hoffnungsträger Rechnung tragen. Die neue Arbeitsgruppe, die sich bildete, verfügt über Fachwissen – und Ehrgeiz. Jochen Noack kennt sich aus in Markenkommunikation, Andreas Will im Sportmarketing und Sponsoring. Klar, dass gerade das Finden von Sponsoren und damit von Geldern für den notorisch klammen Verein wichtig ist. Zur Gruppe gehören auch noch Christian Grieser, Jugendleiter beim SSV, Benjamin Schirmer, der Unternehmensberater ist oder auch Wolfgang Schmid, der sich im wichtigen Bereich Digitale Infrastruktur auskennt. Joe Yebio schließlich ist aus der Jugendleiter-Organisation.

Gerade letzteres ist ein Feld, das der SSV nachhaltig beackern müsste. Die C-Junioren sind die einzigen im Jugendbereich, die in der Oberliga spielen. Da belegen sie einen hervorragenden 2. Tabellenplatz, Selbst der VfB Stuttgart 2 liegt weit hinter ihnen.

Auf der anderen Seite spielen die B-Junioren gerade mal in der Verbandsstaffel, ebenso die A-Junioren. Damit kann der SSV nicht zufrieden sein, vor allem dann, wenn es nötig ist, die späteren Spieler für die Aktiven aus dem Jugendbereich zu rekrutieren – denn teure Spieler kaufen ist nicht drin.

Die Gruppe führte in den vergangenen Wochen auch Gespräche mit potentiellen Vorstandskandidaten – und sie wurden fündig. Der eine, Cem Korkmaz, ist Unternehmensberater und spielte einst bei den Stuttgarter Kickers, bei denen er auch im Präsidium saß. Korkmaz ist als Sportlicher Leiter vorgesehen. Der andere ist Sinan Demez, der Zweiter Vorsitzender werden soll. Seine Söhne kicken beim SSV im Jugendbereich. Die zwei sollen schließlich einer Gruppe von Experten vorstehen. Das ist auch das Ziel, das der „neue“ SSV anstrebt: „Es wird beim SSV nicht über Personen geredet, sondern über die Strukturen dahinter“, so Amann. Hauptsächlich gehe es dem SSV darum, fuhr Amann fort, wieder Vertrauen zu gewinnen. Es ginge jetzt nicht mehr um einen Einmal-Effekt, wie manchmal in den zurückliegenden Jahren. Auch das Sponsoring solle breit angelegt werden.

Jetzt allerdings ist erst mal Spielpause, wegen Corona wird der Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt. Das hat zumindest einen Vorteil: Der SSV gewinnt Zeit, ohne Druck eine neue, erfolgreiche Struktur aufzubauen. Werner Bauknecht

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Erstellt:
18. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. März 2020, 01:00 Uhr

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