Andere Wege

Der Silberschmied Michael Uhlig hat seine eigene Mitmachwerkstatt in Tübingen

Silberschmied Michael Uhlig macht seit knapp 18 Jahren Silberschmiede-Kurse für Jung und Alt. Seit Februar hat er seine eigene Werkstatt in der Tübinger Haaggasse, dort macht er unter anderem auch Kurse für das Tübinger Sommerferienprogramm.

Der Silberschmied Michael Uhlig hat seine eigene Mitmachwerkstatt in Tübingen

Michael Uhlig in seiner Silber-Werkstatt.Bild: Dennis Duddek

Wie haben Sie die Corona-Zeit bisher überstanden?

Es geht uns zur Zeit immer besser. Wir haben erst im Februar dieses Jahres unsere eigene Werkstatt aufgemacht und mussten dann aufgrund von Corona leider direkt wieder schließen. Aber da ich seit mittlerweile 18 Jahren Kurse anbiete, haben wir den Lockdown sehr gut überstanden.

Ich habe selber schon sehr früh angefangen zu schmieden. Mit vier Jahren habe ich meinen ersten Goldschmiedetisch von meinen Eltern bekommen – sie waren selber auch Gold- und Silberschmiede. Zuerst habe ich mit Drahtklopfen begonnen, weil ich es toll fand, wie schön der Draht dann nachher glitzert. Mit acht Jahren habe ich dann meinen ersten Bunsenbrenner bekommen und bereits mit zwölf gelernt, wie man Edelsteine fasst und wie man geschlossene Ringe herstellt.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich habe als junger Mann andere Wege für mich als Gold-, und Silberschmied gesucht und wollte nicht das typische Geschäft aufmachen, denn daran scheitern leider auch sehr viele. Mit totem Kapital zu arbeiten, ist nicht leicht, weil man nie weiß, ob die Ringe, die man hergestellt hat, je verkauft werden und wann genau. So ein Verkauf dauert meist drei Jahre.

Deswegen würde ich sagen: Mein Erfolgsgeheimnis ist die Möglichkeit für meine Kunden, selber etwas zu schmieden. Wenn man heutzutage einen Ehering braucht, gehen viele Leute zu einem Goldschmied und lassen sich einen anfertigen. Das biete ich zwar auch an, aber die Besonderheit bei meiner Werkstatt ist, dass jedes Paar seine Ringe selber machen kann. Sich die Eheringe gegenseitig schmieden, ist noch einmal viel persönlicher und etwas ganz besonderes.

Aber natürlich können nicht nur Paare zu mir kommen.

Wer kann zu Ihnen kommen?

Jeder. Einfach jeder, der Lust hat, etwas zu schmieden. Egal ob man alleine kommt, mit seinem Partner, seinen Eltern oder seiner besten Freundin. Meine älteste Kundin war 92 Jahre alt und hatte sehr viel Spaß beim Schmieden. Ich würde gerne jedem die Möglichkeit geben, sich selbst oder auch seinen Liebsten ein tolles, selbstgerechtes und einzigartiges Geschenk zu schmieden.

Mein nächstes großes Ziel ist ein Angebot für Touristen in Tübingen. Dabei soll jeder, der hier zu Besuch ist, vorbei kommen können, ohne einen Termin machen zu müssen und in 60 bis 90 Minuten sein eigenes Silber-Schmuckstück schmieden können. Außerdem soll es eine Geling-Garantie geben. Das heißt, wenn man mit seinen Kindern da ist und Angst hat, dass sie das schöne Silber kaputt machen und man um sonst zahlt, dann ist das damit ausgeschlossen.

Wie steht es um den Nachwuchs in der Branche?

Die vielen Kinder, die zu mir kommen und Sachen schmieden, wollen immer auch gleich Silberschmied werden, da es ihnen so viel Spaß macht. Ich rate aber immer erst mal ab und sage, dass sie besser vorher studieren sollten, zum Beispiel Marketing. Denn, wenn man als Silberschmied anfängt, braucht man erstmal sehr viel Geld, bis ein Schaufenster gefüllt ist und es Kunden in den Laden lockt. Außerdem muss man sich in diesem Beruf selber gut vermarkten können. Ohne Aufmerksamkeit von Kunden scheitert man sofort in diesem Beruf. Natürlich sollte man auch sehr kreativ sein und sehr viel Geduld haben. Auch eine ruhige Hand ist ein Vorteil. Ich hatte den Vorteil, das meine Eltern die richtigen Kontakte hatten. Natürlich kann man als Schmied auch ans Fließband, aber dann fehlt ja das Kreative im Beruf wieder, was diesen schön macht.

Machen Sie Verluste durch den Onlinehandel?

Für mich selbst ist das gar keine Konkurrenz. Im Internet kann man nicht selbst etwas herstellen, so wie ich das mache. Man kann im Internet sehr viel kaufen, aber man weiß natürlich nie, ob es echt ist oder nur versilbert ist oder ob einfach ein falscher Silberstempel in den Ring gemacht wurde. Hier bei uns bekommt man noch reines, hochwertiges Silber. Ich würde Schmuck nie im Internet bestellen, da ist vieles einfach Betrug an unwissenden Kunden. Zudem werden die meisten Schmuckstücke im Internet in Bali in Kinderarbeit hergestellt und das will doch keiner unterstützen. Man muss sich bei solchen Käufen auch immer überlegen, warum das Ganze so günstig auf den Markt kommen kann.

Interview: Dennis Duddek


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16.09.2020, 01:00 Uhr