Neue Töne aus der Quarantäne

Der Tübinger Club Voltaire bietet ein anspruchsvolles Herbstprogramm

Abseits der Populärkultur geht der Club Voltaire mit seinem Herbstprogramm in die Vollen: Neben zwei von Neustart Kultur geförderten Programmreihen präsentiert der kleine Club in der Haaggasse 26B zahlreiche Livemusikangebote, Vorträge, Tanzabende, Hofkonzerte und ein musikalisch-filmisches Projekt übers Sterben von Thomas Maos.

Der Tübinger Club Voltaire bietet ein anspruchsvolles Herbstprogramm

Die Club-Programmmacher: Thomas Maos, Ralf Wenzel und Joschi Lerchenmüller (von links).

Aller Klang ist Musik, sagen Verfechter experimenteller Sounds. Und alles Material wiederum lässt sich zum Klingen bringen und als Musik verstehen. Das ist nur eine Frage der Perspektive und vor allem des Kontextes. Man muss nur genau hinhören. Das genaue Hinhören lohnt sich auch bei der neuen Konzertreihe „Solo-Duo-Trio“, in der der Club Voltaire Künstler präsentiert, die in der Zeit der Corona-Lockdowns spezielle Solo-, Duo- und Trio-Programme entwickelt haben. Die von Ralf Wenzel und Thomas Maos zusammengestellte Reihe bietet bis 19. Februar 2022 elf Veranstaltungen – von experimenteller und Neuer Musik über Jazz, Singer/Songwriterpop und Weltmusik bis zur Literaturperformance.

Nach dem Auftakt mit dem Schweizer Trio Aspects of Nen untersucht das Trio Balik_Balik am 31. Oktober im Spannungsfeld von Performance und Herkunft die Möglichkeiten, Sprache in Klang, Bild und Ausdruck zu übersetzen. Das Kollektiv aus drei Künstlerinnen wendet sich dem Format des so genannten „Poetry-Films“ zu, indem es das Potenzial von Sprache durch die experimentelle Verbindung von Klang und Bild in neue Kontexte stellt. Dieses Trio und auch andere in der Reihe auftretende Musiker wie das Duo AAA_AAA (11. Dezember), das Duo Jazzstories mit Christoph Neuhaus und Axel Kühn (13. Januar), das Liedermacher-Duo Mackefisch (21. Januar) oder das Broken Window Syndrom (22. Januar) kennt Thomas Maos persönlich und weiß zu berichten: „Diese Musiker stehen wegen Corona zum Teil am Rande des finanziellen Ruins“.

Umso dringlicher ist es, diese und eine weitere neue Programmreihe mit dem Titel „In 12 Konzerten um die Welt“ (23. September bis 30. Dezember) durch Zuschüsse aus dem bundesweiten Neustart-Programm „Kunst trotz Abstand“ mit jeweils 20000 Euro zu unterstützen: „Das meiste davon wird an die Künstler ausgeschüttet“, so Programmmacher Ralf Wenzel, „denn die haben es nach dieser schwierigen Zeit am nötigsten“. Mit dieser Kulturreise wagt der Club Voltaire den Brückenschlag zwischen den Kulturen und begibt sich auf eine betont entspannte Entdeckungsreise durch die Musikwelt anderer Kulturen und Kontinente.

Die Reihe startet am 23. September mit der Band DieVagari, die chilenischen Swing und skandinavische Polka unterlegt von nordafrikanischen Rhythmen spielt. Auf die Auftritte von Katalin Horvath mit ihrem Klezmer-Gypsy-Trio (1. Oktober) und der kreolischen Sängerin Mfa Kera (22. Oktober) kann man ebenso gespannt sein wie auf die Konzerte der afrikanischen Band Kaira Percu (6. November), der multikulturellen Combo Kumbiale (13. November) und der Fityan Band (17. Dezember), die Oriental Jazz präsentiert. Rudie Blazer und seine Broadway Cowboys beschließen am 30. Dezember die Reihe mit Country and Western-Swing.

Schließlich präsentiert Thomas Maos sein neues Projekt mit dem Titel „frisch, fröhlich und gesund“. Zusammen mit der Stimmkünstlerin Silvia Pfändner und dem Konstanzer Musiker Hubl Greiner setzen sie sich mit den Themen Sterben und Tod auseinander. Zu hören gibt es nicht nur improvisierte Musik, per Video kommen auch Menschen verschiedener Generationen in Interviews zu Wort, die über ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod berichten. Sowohl die Proben als auch die vier Aufführungen vom 14. bis 17. Oktober finden im Club Voltaire statt, in dem Stand heute wegen der Abstandsregeln nur etwa 20 Besucher Platz finden. „Die Veranstaltungen werden aber auf jeden Fall durchgeführt“, verspricht Ralf Wenzel, „notfalls als Livestream, falls die Corona-Maßnahmen verschärft werden.“ Jürgen Spieß / Bild: Spieß

www.club-voltaire.net


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15.09.2021, 01:00 Uhr