Handwerk mit viel Fantasie

Die Konditorei von Thomas Röcker gibt es seit dem Jahr 1892

Thomas Röcker leitet die Konditorei Röcker in der Tübinger Neckargasse. Seit sieben Jahren ist der Familienbetrieb, dessen Geschichte bis in das Jahr 1892 zurückreicht, auch in der Unistadt präsent. Anfang des Jahres hatte er großen Erfolg mit seinen Torten, die wie Klopapier-Rollen aussehen.

21.10.2020

Thomas Röcker treibt die Klobalisierung der Konditorei voran. Bild: Dennis Duddek

TAGBLATT ANZEIGER: Wie lange leiten Sie bereits die Konditorei?

Thomas Röcker: Ich leite den Röcker in Tübingen seit 2013.

Was ist die Geschichte hinter der Konditorei?

Ich bin die vierte Generation im Familienbetrieb. Das Ganze hat mit meinem Uropa in Hechingen begonnen. Dieser hat 1892 eine Konditorei übernommen. Er hat damals begonnen, ein Café aufzubauen und war damit sehr erfolgreich. Nach vielen Jahren wurde das Geschäft dann an meinen Opa übergeben. Dieser hat den ganzen Laden komplett neu gestaltet und nach Abschluss meinem Vater übergeben. Ich war, bevor ich die Konditorei übernommen habe, sehr lange im Ausland und hatte eigentlich nicht vorgehabt, das Geschäft weiter zu führen, sondern hatte mir unter anderem überlegt, ob ich ein Geschäft in der Schweiz aufmache. Schlussendlich habe ich mich dann aber für Tübingen entschieden und habe diese Entscheidung seit dem Start im Jahr 2013 nie bereut.

Meine Eltern hatten mir seit meiner frühen Kindheit aber freie Wahl gelassen, ob ich den Familienbetrieb fortführen will oder nicht. Dies hatte ich anfangs nicht vor, denn mein eigentlicher Wunsch war es, Elektriker zu werden. Meine Firma, bei der ich meine Ausbildung gemacht habe, ist allerdings recht schnell pleite gegangen, sodass ich etwas Neues brauchte. Da ich von Anfang an etwas Handwerkliches machen wollte, habe ich dann nach einer Ausbildung und einem Studium der Betriebswirtschaft begonnen, als Konditor zu arbeiten.

Ist es nicht manchmal langweilig, den ganzen Tag in der Backstube zu stehen?

Ich arbeite sehr gerne mit meinen Händen. Außerdem liebe ich es, mit Backwaren sowie mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten. Ich finde es toll, wenn ich am Ende des Tages einfach sehen kann, was ich den ganzen Tag gemacht habe. Wenn ich etwas besonders gut mache, dann fällt das auf mich zurück und die Leute sind glücklich. Natürlich geht auch mal etwas schief und dann muss ich eben dazu stehen. Dass ich die Leitung in Tübingen übernommen habe, kam dann daher, dass ich mehr Verantwortung wollte. Daher stehe ich heute nicht mehr so lange in der Backstube, da ich noch viele andere Dinge zu tun habe.

Was sind jetzt Ihre Aufgaben in Tübingen?

Da wir ein relativ kleiner Familienbetrieb sind, ist es nicht nur Papierkram, den ich machen muss. Natürlich muss ich die Finanzen und die Buchhaltung machen und alles managen. Ich stehe aber auch täglich noch in der Produktion und packe mit an, damit alles pünktlich fertig wird. Ein typischer Arbeitstag von mir beginnt daher immer morgens um 4 Uhr in der Produktion. Irgendwann im Laufe des Tages gehe ich dann ins Büro oder in den Verkauf und packe dort mit an. Das ist vor allem im Moment sehr stressig. Weshalb ich nicht vor 20 Uhr Feierabend habe. Und natürlich haben wir eine Sieben-Tage-Woche.

Produzieren Sie alle Ihre Waren selber?

Ja! Unsere Hauptproduktion ist in Hechingen, dort sind immer sechs Konditoren, die Backwaren anfertigen. In Hechingen werden auch unsere Lehrlinge ausgebildet. In Tübingen arbeitet außer mir noch ein weiterer Konditor. Hier produzieren wir nur die frischen Sachen, wie Obstkuchen, damit die Qualität nicht unter einem Transport leidet. Alle Waren, die wir anbieten, werden noch wie früher von Hand gemacht. Jeder, der bei uns arbeitet, muss von A bis Z alles können, da wir nur sehr wenige Maschinen besitzen. Da die Mitarbeiter alles von Anfang bis zum Ende erleben oder selbst machen, identifizieren sie sich auch sehr stark mit dem Betrieb.

Was produzieren Sie alles?

Wir produzieren alles, was mit Konditorei zu tun hat, beispielsweise ausgefallene Hochzeitstorten oder handgemachte Pralinen. Wir machen sehr viele Kuchen und Torten, aber auch sehr viel Verschiedenes mit Schokolade. Wir haben auch drei Sorten Brot, aber da machen wir sehr wenig. Unsere Torte, die wie eine Rolle Klopapier aussieht, war zu Beginn der Coronazeit ein Verkaufsschlager.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Bis jetzt mussten wir uns erstmal in Tübingen einfinden. Die Tübinger mussten sehen, was wir können und was wir alles anbieten. Andersrum mussten wir aber auch schauen, was die Tübinger wirklich mögen und wie groß die Nachfrage ist. Inzwischen haben wir viele Stammkunden, die uns schätzen und die wissen, was wir können. Für die Zukunft wollen wir natürlich erfolgreich bleiben und weiterhin unsere Qualität aufrechterhalten.

In Ihrem Laden sieht man sehr viele Pralinen. Wieviele produzieren Sie am Tag?

Bei den Pralinen ist die Produktion sehr saisonabhängig. Unsere Hochzeiten sind rund um Weihnachten, Ostern und während der Zeit der Chocolart in Tübingen. Da produzieren wir deutlich mehr Pralinen als sonst üblich. Ende August, zum Ende der Sommerferien, fahren wir unsere Produktion immer sehr hoch, um zu Weihnachten genügend Pralinen anbieten zu können. Im Sommer produzieren wir immer nur sehr kleine Mengen, denn wir produzieren lieber öfters und dafür frisch.

Erinnern sich sich an eine bestimmte Hochzeitstorte?

Wir produzieren vor allem im Sommer sehr viele Hochzeitstorten. Das sind immer etwa zwei bis drei Stück an jedem Wochenende. Bei diesen Torten gibt es eigentlich keine Grenzen für die Fantasie. Wir produzieren ganz individuell für jeden Kunden. Dafür setze ich mich mit jedem Kunden lange zusammen und es gibt immer ein tolles Ergebnis, mit dem alle glücklich sind. Sehr individuelle Torten sind natürlich auch sehr teuer. Nach oben gibt es da preislich keine Grenzen.

Was war bis jetzt Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer Karriere?

Es gibt nicht wirklich das eine, tolle Erlebnis. Wir freuen uns immer sehr über jeden Kunden, der wieder kommt, weil ihm unsere Produkte schmecken und er uns schätzt. Natürlich freuen wir uns auch sehr darüber, wenn uns jemand lobt, denn die meisten Schwaben tendieren schneller zu Kritik, als zu einem Lob.

Fragen von Dennis Duddek

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Erstellt:
21. Oktober 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2020, 01:00 Uhr

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