Stil und Eleganz

Die Markus Stockhausen Group kommt auf Einladung von Jazz im Prinz Karl ins Sudhaus

Markus Stockhausen legt Wert auf Stil und Eleganz. Ein netter Herr, der nebenher Yoga für Musiker lehrt und dessen freundliche, sanfte Stimme perfekt zu der Synthese aus melodiösem Jazz und europäischer Kunstmusik passt, die er mit seiner Formation präsentiert.

17.11.2021

Markus Stockhausen intoniert mit einer geradezu klinischen Perfektion. Bild: Jürgen Spieß

Man könnte ihn glatt für einen waschechten britischen Gentleman halten, wie er da lässig und aufgeräumt auf der Bühne steht und abwechselnd ins Flügelhorn und in seine blankgeputzte Trompete bläst. Seit 17 Jahren spielt der Sohn des bekannten Komponisten Karlheinz Stockhausen mit dem Pianisten Angelo Comisso und dem Schlagzeuger Christian Thomé zusammen. Ergänzt wird das Trio durch den Cellisten Jörg Brinkmann, der das Ganze um eine klassische Facette erweitert.

Stockhausens Musik ist geprägt von ruhigen Balladen, in denen sich Pärchen im Publikum sanft aneinander schmiegen und der Rest der Zuhörer lässig mitwippt. Trotzdem klingt das, was Stockhausen spielt, keineswegs blauäugig. Der in Köln beheimatete Musiker hat einen sehr klaren, geschmeidigen Ton und intoniert mit einer geradezu klinischen Perfektion. Butterweich ist sein Flügelhornspiel und dazu die barocken Figuren von Angelo Comisso auf den Tasten und Christian Thomés feinfühliges Schlagzeugspiel.

1957 in der Domstadt Köln geboren, begann Markus Stockhausen im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Ab 1975 studierte er an der Musikhochschule Köln Klavier und Trompete. Seine Lehrer waren Robert Platt (Klassik) und Manfred Schoof (Jazz). Weitere Lehrer waren Pierre Thibauld, Thomas Stevens und Carmine Caruso. Ein Jahr vor seinem Konzertexamen gewann er 1981 den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs. Seitdem konzertierte er regelmäßig als Solist – darunter bei zahlreichen Uraufführungen, wie bei dem für ihn im Jahre 2002 komponierten Trompetenkonzert „Jet Stream“ von Peter Eötvös mit dem BBC Symphony Orchestra in London. Auch ist er immer wieder zu Gast bei renommierten internationalen Musikfestivals.

Mit seinem Vater Karl-Heinz, der mehrere Stücke für ihn schrieb, arbeitete er mehr als 25 Jahre lang intensiv zusammen. So stand er als Solist in dessen großen musikdramatischen Werken wie „Licht“ auf den Bühnen der Mailänder Scala, der Londoner Oper Covent Garden und der Oper Leipzig. Mit seiner Frau, der holländischen Klarinettistin Tara Bouman, tritt er seit 2002 in dem Duo Moving Sounds auf. Weitere Projekte sind die Zweierformation Inside Out mit dem Jazzpianisten Florian Weber, die Band Landscapes mit dem Gitarristen Ferenc Snétberger, die Gruppe Eternal Voyage mit Tara Bouman, Hindol Deb (Sitar), Rabih Lahoud (Gesang), Alireza Mortazavi (Santur), Florian Weber (Piano) und Bodek Janke (Perkussion) sowie das weltmusikalische Projekt Hamdelaneh mit dem persischen Santurspieler Alireza Mortazav.

Auch mit seinem Bruder Simon Stockhausen realisierte er mehrere große Musikprojekte, schrieb Film- und Theatermusiken und produzierte mit ihm zuletzt die CD „nonDuality“. Markus Stockhausens Musikpalette reicht vom kammermusikalisch-ruhigen Jazz über Neue-Musik-Elemente bis hin zu experimentell-meditativen Klangverfärbungen unter Verwendung elektronischer Effekte. Und dennoch bleibt in seiner Musik zu jedem Zeitpunkt ein gelassenes Horchen nach dem Klang, das auch in Momenten eines Anschwellens des Volumens, auch wenn etwas härtere Beats ins Spiel kommen, eine stete Anmutung von Ruhe aufrecht erhält.

Und weil es da noch mehr gibt, beispielsweise indische Anklänge oder Reminiszenzen an die klassische Musik, ist die Markus Stockhausen Group eine Formation, deren Musik ein hohes Maß an Eigenständigkeit aufweist. Jürgen Spieß

Die Markus Stockhausen Group spielt am Donnerstag, 16. Dezember, um 20.30 Uhr, im Tübinger Sudhaus.

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Erstellt:
17. November 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. November 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. November 2021, 01:00 Uhr

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