Für Menschen jeden Alters

Die Shinson-Hapkido-Schule Tübingen sucht Räumlichkeitenfür ein Himmel-Erde-Mensch-Haus

Die Shinson-Hapkido-Schule Tübingen sucht Räumlichkeiten
für ein Himmel-Erde-Mensch-Haus

Die versammelten Danträger/innen der Shinson-Hapkido-Schule Tübingen. Das Foto wurde natürlich vor der Corona-Pandemie aufgenommen.Bild: Dietrich Werminghausen

Tübingen wächst und es kommen immer mehr junge, hoch qualifizierte Menschen hierher, die nicht nur wohnen und arbeiten wollen. Eine Musikschule und ein SV03 werden irgendwann für die Freizeitgestaltung und persönliche Weiterentwicklung all dieser Menschen nicht mehr ausreichen.“

Severin Lempp von der Shinson-Hapkido-Schule in Tübingen hat gemeinsam mit Jochen Liebig und Barbara Rongen eine Vision: Einen Raum für Gesundheit, Begegnung und Kultur, in dem sich die Shinson-Hapkido-Community zum Training trifft, in dem aber auch viele andere Dinge möglich sein könnten. Zum Beispiel eine Senioren-WG oder ein Nachbarschaftstreff. Ein „Himmel-Erde-Mensch-Haus“, wie Jochen Liebig, der Leiter der Shinson Hapkido-Schule in Tübingen, es nennt, soll es sein: „Ein sonnendurchfluteter Raum der inneren Freiheit.“

Shinson Hapkido ist eine koreanische Kampfkunst und ganz ähnlich wie das japanische Aikido, beides wird sogar mit denselben chinesischen Schriftzeichen geschrieben. Ursprünglich war es eine reine Heilkunst, mittlerweile ist es ein Bewegungs- und Entwicklungstraining für Menschen jeden Alters, ein modernes Gesundheitstraining für das 21. Jahrhundert. „Das mit dem Kämpfen haben die Amerikaner erfunden. Wir sind nicht das archaische Bild einer Karateschule, in die sich keiner hinein traut“, erklärt Barbara Rongen.

Atmen, Meditieren und Techniken aus der koreanischen Kampfkunst fördern Kraft, Gleichgewicht und Koordination. Nicht Wettkämpfe sind wichtig, sondern Wachstum – das eigene und das der Gemeinschaft. Im Shinson Hapkido trainieren genauso viele Männer wie Frauen und es ist für jedes Alter geeignet. „Wir haben Familien, da sind fünf Leute angemeldet, da trainieren mittlerweile schon die Enkel“, freut sich Severin Lempp.

Jochen Liebig ist ein „traditioneller Odenwälder Handwerkersohn“, der in Darmstadt Klavier und Violine studiert hat. Er arbeitet noch heute als Klavierlehrer. Aber seine Karriere als Pianist hat er auf sein nächstes Leben verschoben, seit er begonnen hat, Shinson Hapkido zu unterrichten. Von 1995 bis 2015 hatte er eine eigene Schule im ehemaligen Gasthof „Ochsen“ in Derendingen. „Das war eine alte, romantische Tanzhalle“, schwärmt er, „ein Ort voller Gastfreundschaft, Klarheit und Wärme – wie in Korea.“ Wegen einer umfangreichen Mieterhöhung musste er den „Ochsen“ aufgeben. Seitdem unterrichten er und seine Kollegen im Boulderzentrum und im TRZ im Loretto. Seit zehn Jahren bieten sie während der Sommermonate auch Kurse im Alten Botanischen Garten an. Selbst jetzt, zu Corona-Zeiten, läuft die Schule mit Online-Kursen und Personal Training weiter.

Dazu organisiert die Schule alle sechs Jahre ein internationales Sommerlager und ist auf jedem Stadtfest präsent.

Seitdem suchen sie auch nach einem Platz für ihr „Himmel-Erde-Mensch-Haus“ und schauen sich, wann immer möglich, Räumlichkeiten an. Aber am liebsten wäre es ihnen, sie könnten etwas kaufen, möglichst in der Stadt. Wenn neue Stadtquartiere erschlossen werden, bewerben sie sich – aber die Grundstücke sind jedes Mal heiß umkämpft. Zur Finanzierung haben sie eine Aktiengesellschaft gegründet, nach dem Vorbild des „Werkstadthauses“ im Französischen Viertel. Severin Lempp ist überzeugt, dass dieses Zentrum für Tübingen einen echten Mehrwert bieten kann. Gerade in den neuen Wohngebieten müsse es auch Einrichtungen für Sport, Weiterbildung und soziale Kontakte geben, nur Wohnen reiche nicht aus, um eine Stadt attraktiv zu machen.

Jochen Liebig geht noch weiter: „Den Raum gibt es schon in unserem Herzen. Den müssen wir nur noch materialisieren.“ Andrea Bachmann


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13.01.2021, 01:00 Uhr