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Nicht einsam im Büro

Die Tübinger Cowork Group schafft Räume für moderne Bürogemeinschaften

Johannes Freyer ist seit 15 Jahren Tübinger. Er hat Betriebswirtschaft studiert und ist Geschäftsführer der Cowork Group.

03.07.2019

Johannes Freyer ist überzeugt von Coworking. Bild: Philipp Schmidt

Einfach ausgedrückt bedeutet Coworking, dass verschiedene Menschen an einem Arbeitsort zusammenkommen, die ansonsten im Homeoffice oder einsam im Büro arbeiten würden. Aber es bedeutet noch mehr, wie Johannes Freyer im Interview ausführt. Der nett eingerichtete Gründersaal in Derendingen, in dem der TAGBLATT ANZEIGER ihn zum Gespräch traf, steht den Mitgliedern je nach Vertrag in der Woche von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr oder auch rund um die Uhr zur Verfügung.

Wie kamen Sie mit dem Coworking in Berührung?

Kennengelernt habe ich das Konzept während eines zweijährigen Amerikaaufenthalts. Als ich 2015 zurückkam, wollte ich mit meiner Internetagentur in eine Coworking-Struktur, weil mir das sehr gut gefallen hat. Den Platz, den ich tatsächlich fand, teilte ich mir mit nur zwei anderen Coworkern, was sich für den Vermieter natürlich nicht lohnte. Unser Arbeitsplatz geriet in Gefahr, woraufhin wir beschlossen, den Raum zu übernehmen, nach unseren Zwecken umzugestalten und mit einer Webseite zu bewerben. Sechs Wochen später waren wir ausgebucht. Das Interesse ebbte nicht ab, und ich gründete mit André Goldflam und dem damaligen Vermieter Gunnar Laufer-Stark eine GmbH. Die Stadtwerke Tübingen stiegen als Investitionspartner ein, und so ging es recht rasant los und immer weiter.

Sie expandieren gerade …

Zuerst haben wir die Denkstube eröffnet, dann gleichzeitig Coworking-Nagold und im September 2018 den Gründersaal. Vor zwei Monaten haben wir am Hechinger Eck einen weiteren Space aufgemacht, der auf Coaches und soziale Organisationen ausgerichtet ist. Ganz aktuell bauen wir einen Co-Creation-Space im Französischen Viertel auf. Außerdem planen wir ein Innovationszentrum in Tübingen.

Es geht nicht nur um einen ansprechenden Arbeitsplatz?

Nein, inhaltlich haben wir früh ein Tübinger Coworking-Modell in Pyramidenform ausgearbeitet. Ganz unten steht der Arbeitsplatz mit Schreibtisch, einem Stuhl und basaler Infrastruktur, die funktioniert. Auf der zweiten Ebene fördern wir das Business unserer Kunden, die ja erfolgreich sein wollen. Dabei helfen Coachings, Workshops und gegenseitige Unterstützung. Wenn man ganz genau hinsieht, geht es jedoch um die Spitze der Pyramide, die Persönlichkeitsentwicklung. Erfolgreich sein geht mit einem lernenden Mindset einher. Wir schaffen also Strukturen, innerhalb derer sich jeder Nutzende, der möchte, das herausnehmen kann, was für ihn interessant und dienlich ist, um sich weiterzuentwickeln.

Es gibt verschiedene Angebote …

Genau, es gibt das FixDesk-Modell für 300 Euro im Monat, bei dem man all seine Sachen an seinem ausgewählten Platz lassen kann. Mit dem FlexDesk-System kommt man her, sucht sich einen freien Platz und spart damit 100 Euro. Für alle Mitglieder gibt es kostenlos verschiedene zusätzliche Angebote: interne Vorträge, den „Nugget of the week“, eine Vortragsreihe und auch Coaching-Angebote, bei denen wir in mehreren Sitzungen gemeinsam bestimmte Themen erarbeiten.

Da bildet sich bestimmt eine enge Gemeinschaft, oder?

Unbedingt. Jeder Coworking-Space ist allerdings eigen und auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. Hier im Gründersaal treffen sich vor allem Selbstständige und Firmen, deren Angestellte sich auch das Pendeln ersparen. Für die etwas Jüngeren und auch Studierende ist dann das Französische Viertel vorgesehen.

In so einer Atmosphäre gibt es in den Pausen bestimmt spannende Gespräche neben der Arbeit.

Das ist gewollt. Man begibt sich zur Kaffeemaschine, wenn man sprechen möchte. (lacht)

Auch bei spezifischen Problemen, weiß man, wen man ansprechen kann. Alle sind sehr hilfsbereit. „Open Innovation“ ist das Stichwort. Danach leben wir hier. Coworking ist gelebtes „New Work“.

Ist Tübingen ein besonders guter Standort?

Coworking reagiert auf einem gesellschaftlichen Strukturwandel. Zum einen auf der Digitalisierung, ohne die Coworking nicht sinnvoll denkbar wäre. Zum anderen herrscht eine viel größere Bereitschaft, Dinge gemeinsam zu nutzen. Diese beiden Elemente zusammen machen den Boom des Coworking aus. Weltweit liegt die Zuwachsrate bei circa 20 Prozent. In Tübingen ist die Dichte des Angebots und der Nutzung allerdings überdurchschnittlich hoch. Mich freut sehr, dass sich immer mehr Menschen in dieser modernen und kooperativen Struktur wohl fühlen. Beim Coworking bleibt es aber nicht stehen. (lächelt)

Sie werden sich wundern, was von uns noch alles kommt.

Interview: Philipp Schmidt

https://www.coworkgroup.de/

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Erstellt:
3. Juli 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2019, 01:00 Uhr

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