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Des Wassers Kraft

Die Unterjesinger Mühle klappert mit 3000 Watt

Andreas Baumüller schläft gut neben dem Mühlrad der Unteren Mühle in Unterjesingen: „Das Plätschern wirkt beruhigend.“ Und es liefert Strom.

05.09.2018

Andreas Baumüller mit seinem Mühlrad. Bild: Keicher

Seit 2001 wohnt der Ingenieur mit seiner Familie in dem traditionsreichen Anwesen, das schon vor langer Zeit um ein Kraftwerk am Mühlkanal herum entstanden ist. Der Mühlenbetrieb im Haupthaus ist 1986 eingestellt worden. Damit ging eine wohl jahrhundertealte Tradition zu Ende. Um 1840, weiß Baumüller aus alten Grundbüchern, sei in einem Querbau auch eine Hanfreibe betrieben worden.

Von der Mühle ist heute nicht mehr viel vorhanden. Die Silos sind abgebrochen worden. Ein Mühlstein liegt noch im Mühlkanal. Aber im hohen Erdgeschoss des Hauptbaus, (es wird von einem Klavierbauer genutzt), ist noch die Transmissionswelle zu sehen, die draußen vom Mühlrad angetrieben wird.

Im Vergleich zur alten Mühlentechnik geht der neue Wasserkraftgenerator in einen kleinen grauen Kasten draußen auf der Mauer des Mühlkanals. 2003 hat ihn Baumüller gebaut, Seit 15 Jahren leistet er seinen Beitrag zur Energieversorgung von vier Familien. Seine Leistung liegt etwa bei drei Kilowattstunden, damit deckt er zwei Drittel des Energiebedarfs der Familien.

Ein Drittel des Strom muss eingekauft werden. Aber auch ein Drittel des erzeugten Stroms kann ins Netz eingespeist werden. Interessant sei das nicht, sagte Baumüller. Die Einspeisevergütung für Strom aus Wasserkraft betrage nur 7,2 Cents.

Dass ein Drittel des Strombedarfs eingekauft werden muss, aber ein Drittel verkauft wird, liege daran, dass die Erzeugung kontinuierlich laufe, auch in der Nacht. Verbrauchsspitzen treten aber hauptsächlich am Morgen auf, wenn alle die Haare föhnen. Baumüller überlegt deshalb, Akkus zu installieren, die den Spitzenbedarf befriedigen können. Schon längst sei man aber dazu übergegangen, verbrauchsintensive Haushaltsgeräte wie Spül- und Waschmaschinen nachts laufen zu lassen.

Für einen Laien sieht der Mühlkanal der Unteren Mühle gut gefüllt aus. Für den Müller sieht das anders aus. „Es fehlen 10 Zentimeter am Wasserstand.“ Entsprechend geringer fällt die Stromernte aus. Das liege nicht unbedingt an den mangelnden Niederschlägen dieses Jahr. Schon letztes Jahr war ein schlechtes Jahr, das schlechteste bislang. 18 000 Kilowattstunden hat er erzeugt, mager im Vergleich zur Erzeugung der Vorjahre, die bei 28 000 Kilowattstunden lagen. Baumüller vermutet, dass sich an der Wasserverteilung zwischen Ammer und Mühlkanal an der rauen Rampe etwas verschoben hat. Diese Rampe wurde im Jahr 2000 anstelle des alten Stauwehrs gebaut. Sie ist durchlässig für Fische und erspart Baumüller jetzt den aufwändigen Bau einer Fischtreppe, die die Landesregierung zur Pflicht macht.

Ansonsten ist er stolzer Besitzer eines Mahlrechts, eines Staurechts und eines Wasserrechts, als Altrecht gilt es für alle Ewigkeit, sagt Baumüller schmunzelnd. Außer er nutzt es nicht dann ist es nach drei Jahren verfallen. Als Ingenieur für Energietechnik ist Baumüller Spezialist für Stirling-Motoren. „Nach meinen Erfahrungen mit Wasserkraft hat mich nie jemand gefragt.“ Fred Keicher

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Erstellt:
5. September 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. September 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. September 2018, 01:00 Uhr

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