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Sportpause wegen Corona

Die Zukunft liegt noch völlig im Ungewissen

Sport in Zeiten von Corona – gar nicht so einfach. Die Sportstätten drinnen wie draußen sind fast alle geschlossen und selbst mancher Eigeninitiative wurde ein Riegel vorgeschoben.

25.03.2020

Zukunftsmusik? Der Tübinger Mey Generalbau Triathlon soll auch 2020 stattfinden. Bild: Ulmer

Die vier Jungs stehen am Rand des grünen Rasens bei den Sportplätzen am Hohenberg. Sie haben einen Fußball dabei. Kicken können sie trotzdem nicht, denn der Platz wurde vom Ordnungsamt gesperrt. Corona. „Und wo sollen wir jetzt kicken?“, fragt der 14-jährige Sven Klage aus Rottenburg. Da schütteln seine drei Kumpels ratlos den Kopf.

Martin Haug, Jugendleiter beim FC Rottenburg, kennt das Problem. „Für alle unsere Mannschaften ist jetzt Schluss mit Training. Nicht mal wenn sie sich privat treffen, können sie gemeinsam ein paar Bälle schlagen – hier sind alle Plätze dicht, seit Montag“, sagt er am Telefon. Der Spielbetrieb ist ja ohnehin eingestellt, das Ende der Maßnahmen bleibt offen.

„Laut dem Württembergischen Fußballverband (WFV) bis 19. April 2020, aber so recht glaubt daran niemand.“ Er selbst kann sich ohnehin nicht vorstellen, wie es weitergehen soll. Sie befinden sich mitten in der Saison, weder Meister noch Absteiger stehen fest. Sie würden die Saison schon noch gerne zu Ende spielen – „Aber wie soll das gehen?“ Dass die Maßnahmen gerechtfertigt sind, steht für den Jugendleiter außer Frage. Dennoch, meint er, hätte man mit dieser Härte vor einer Woche noch nicht gerechnet.

Nur ein paar Meter entfernt vom FC-Büro steht Norbert Vollmer, Geschäftsführer des Sportpark 1861 des TV Rottenburg (TVR), am Montagnachmittag vor der Eingangstür. Er hat soeben erfahren, dass er den Sportpark schließen muss. Ab Dienstag ist Schluss mit Training, mit Spinning, mit den Gewichten. Nein, meint Vollmer, er hätte damit nicht gerechnet. Zumal sie ja bereits im Vorfeld hygienisch alles unternommen hätten, um jegliche Verbreitung des Virus zu verhindern. Zusätzlich zu den schon vorhandenen Desinfektionsstellen seien weitere angebracht worden.

Jetzt gelte es zunächst, die Mitglieder zu informieren. Immerhin: Um die 2000 Mitglieder treiben dort regelmäßig Sport. „Wir haben eine Pressemitteilung herausgeben“, so Vollmer, „und außerdem per Mail alle informiert, deren Adressen uns vorliegen.“ Der Sportbetrieb in den Abteilungen wurde bereits am Freitag eingestellt.

Es gab eine Krisensitzung des Gesamtvereins. Ein zentrales Thema: Die wirtschaftlichen Folgen der Schließung, die die Landesregierung veranlasste. In dem Schreiben appellierte der TVR an seine Mitglieder, nicht gleich mit Stilllegung von Verträgen, Aussetzung von Beiträgen oder Rückforderungen an den Verein heranzutreten. Der Appell richtet sich an die sportliche Solidarität. „Es ist bei weitem noch nicht geklärt“, so der Geschäftsführer, „welche Einrichtungen uns in dieser Situation helfen. Wir hoffen, dass es nicht so ist, dass die Sportvereine bei den Hilfen erst ganz am Schluss kommen.“

Ein Problem sei auch, dass sie viele Gremien hätten, die zu Sitzungen, gerade in dieser Lage, zusammenkommen müssten. „Wir wissen gar nicht, wie wir so eine Versammlung abhalten können.“ Dazu kommt noch, „und das tut uns in der Seele weh“, dass der Verein die Zusage hatte, Ende April die zweite Runde der Europameisterschaften im Volleyball in Rottenburg durchzuführen. Stand heute werde man das wohl absagen müssen. Und vor allem: „Hier arbeiten viele Menschen, was soll aus all denen werden? Wir müssen eine Lösung finden.“

Dabei kann Vollmer die Anweisungen der Regierung absolut verstehen. „In so einem Augenblick ist der Sport zweitrangig, da geht die Gesundheit vor, alles andere wäre verheerend.“ Zunächst rechnet er damit, dass die Schließung bis zum Ende der Osterferien andauert. „Dann wird man weitersehen.“ Die Finnenbahn jedenfalls hält der Verein offen, die kann man benutzen.

In einer ähnlichen Situation ist das Mapet, wie Alexander Volle, Mitglied der Geschäftsleitung, berichtet. „Wir hatten am Dienstag eine Krisensitzung“, erklärt er, „und da mussten wir klären, wie es weitergeht.“ Immerhin arbeiten im Mapet um die 100 Leute, die meisten freiberuflich. Das Thema war auch, Kurzarbeitergeld zu beantragen – aber wo? Vorrangiger Ansprechpartner sei der Bund, meine Volle, danach kämen die Gesundheitsämter vor Ort.

Sie hätten außerdem die Mitglieder darum gebeten, nicht sofort ihre Verträge zu kündigen: „Wir wollen uns etwas einfallen lassen, um ihnen anderweitig nach der Krise entgegenzukommen.“ Nach dem vorliegenden Erlass der Landesregierung kann die Schließung bis zum 15. Juni andauern. Danach hätte das Mapet auch das Problem, ob die bisherigen Kursleiter/innen überhaupt noch zur Verfügung stehen.

Viele hätten dann möglicherweise andere Jobs, um Geld zu verdienen. Alleine in Tübingen werden 80 Kurse angeboten. Das Mapet plant jetzt, den sogenannten Online-Content zu optimieren. „Wir werden vermutlich Online einiges anbieten, dann können unsere Mitglieder von zu Hause aus die Kurse abrufen.“ Daran wird allerdings erst noch gearbeitet.

Ruft man die Website des TVR auf, erscheint sofort die Nachricht, dass keinerlei sportliche Aktivitäten angeboten werden. Das betrifft auch Annette Diemers Reha-Sport-Abteilung. Da gehören Koronarsport oder Sport nach Krebs dazu. Die Kurse haben fast 100 Teilnehmer/innen. „Wir haben die Leute persönlich angerufen, außerdem haben wir sie über eine Anzeige in der Zeitung über die neue Entwicklung verständigt.“

Dabei seien die Teilnehmer ohnehin sehr sportlich, gegenüber dem Coronavirus sogar ziemlich „tiefenentspannt.“ Diese Menschen hätten so viel erlebt, da könne Corona die meisten nicht erschrecken. Sie müssten nun eben zunächst individuell Sport treiben – Spaziergänge würden sich da anbieten.

Die meisten Rottenburger Vereine haben, wie zum Beispiel der SV Wurmlingen, Mails und Briefe an ihre Mitglieder verschickt. Darin erklären sie die Situation, verweisen auf die Anordnungen der Landesregierung und erklären so die Schließung der Sportstätten. Zunächst bis Ende März. Diesen Termin geben auch Vereine wie der SV Neustetten oder Wachendorf auf ihren Homepages an die Mitglieder weiter. Der Trainer der Landesliga-Mannschaft des FC Rottenburg, Frank Eberle, muss, wie die anderen Trainer auch, den Betrieb komplett ruhen lassen. „Ich kommuniziere mit den Spielern über eine Whatsapp-Gruppe“, so der Coach. Dabei hatten sie vergangenen Mittwoch noch ein Ligaspiel gegen Seedorf. Da könne es ja sein, dass sich Spieler gegenseitig angesteckt hätten, das müsse man abwarten. Dass man jetzt den Spielbetrieb und auch das Training einstellt, ist für Eberle klar: „Gesundheit geht vor.“ Wie es allerdings danach weitergehen soll, ist ihm nicht klar. „Da muss man halt abwarten, wie der Verband reagiert.“

Gut haben es dagegen die sportlichen Radfahrer vom Rad- und Wanderverein Märchensee aus Wendelsheim. Zwar mussten sie diverse Ausflüge der Wanderer wie „Wasser ist Leben“ oder eine Wanderung auf dem Sebastian-Blau-Weg absagen. Aber geradelt werden darf. „Wir halten dabei den gebührenden, vorgeschriebenen Sicherheitsabstand“, erklärt Florian Baur, der Fachwart Radfahren. Das sei vor allem beim Mountainbike kein Problem, da fahre man sowieso auf Abstand. Aber auch beim Straßenradeln gewöhne man sich zügig daran. Geplant war ein Trainingslager auf Gran Canaria. Das mussten sie jetzt absagen. „Aber ansonsten bereiten wir uns ganz normal auf die Rad-Saison vor.“

Lauftreffs, Trainingsgruppen oder Walker, die sich auf eine kleine Runde treffen: All das ist nun nicht mehr möglich. Auch Winne Laube hat seinen Lauftreff in Hirschau unter dem Motto „Laufen in Zeiten von Corona“ abgesagt. Ebenso Gerold Knisel vom Post SV, der seine Mitglieder per Rundmail über die Pause vom samstäglichen Lauf durch den Schönbuch unterrichtete. „Zum ersten Mal, seitdem es den Treff gibt, musste er abgesagt werden – das tut natürlich weh.“

Die Hallensportarten indes haben es besonders schwer, denn deren Saisons mussten fast durchgehend abgebrochen werden. Ob die Ligarunden der Handballer, Tischtennisspieler oder Basketballer in den unteren Ligen noch irgendwann zu Ende gespielt werden, steht in den Sternen. Tendenz: Eher nicht. Im Gegensatz zu den Läufern und Läuferinnen ist für diese Sportarten das Teamtraining wichtig. Natürlich müssen zum Beispiel auch Tischtennisspieler sich fit halten, und sei es durch Waldläufe. Aber das Training am Tisch ist kaum zu ersetzen. Werner Bauknecht

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Erstellt:
25. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
25. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 01:00 Uhr

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