Zwischenbilanz eines Abbruchs

Ein Blick auf die Tabellen der hiesigen Fußball-Ligen nach dem abrupten Ende

Die Runde der fußballspielenden Amateure ist erstmal abgesagt. Für viele nicht nachvollziehbar, müssen Sportler und Vereine sich dennoch fügen. Hier ein kleiner Blick auf die Zwischenstände aus regionaler Sicht.

02.12.2020

Auf solche Bilder wird man lange warten müssen: SV03 – SSC Tübingen. Bild: Werner Bauknecht

Am 21. August begann die Saison für die Landesligisten de Gruppe 3 durchwachsen – zumindest für die hiesigen Vertreter. Konnte Nehren noch mit 2:1 gewinnen und der SV 03 in Seedorf ein Remis holen, so zeichnete sich für die beiden anderen Vertreter bereits der von einigen Kennern prophezeite Weg ab: Der SSC Tübingen verlor zu Hause gegen Bösingen mit 1:3, der FC Rottenburg auswärts in Wittendorf mit dem gleichen Ergebnis, Zur Erinnerung: Die beiden Teams wären bereits in der vergangenen Saison, wäre sie nicht abgebrochen worden, mit hoher Wahrscheinlichkeit abgestiegen.

Lokalderbys

Für den SSC folgten danach zwei Lokalderbys gegen den SV 03 und den SV Nehren, die beide verloren gingen. Nach einer Niederlagenserie konnten sie immerhin zwei Remis holen: Einmal gegen den FC Rottenburg, dann gegen Mühlheim. Der Rest der Spiele ging allesamt verloren. Nicht richtig viel besser ging es dem FC Rottenburg. Es dauerte bis zum sechsten Spieltag, ehe sie den ersten Punkt holten. Allerdings gelangen ihnen vor dem Lockdown auch zwei Siege, ihre Formkurve schien nach oben zu gehen. Schade, man hätte gerne gesehen, wie sich das junge Team weiterhin schlägt.

Schwarzgelb

Die Schwarzgelben vom SV 03 schlugen sich unter ihrem Trainer Steven Trevallion überzeugend. Nach einem Remis zum Auftakt, folgten sechs glatte Siege. Die erste knappe Niederlage kam dann gegen Böblingen. Die letzten beiden Spiele vor dem Abbruch gingen leider auch verloren, darunter das Derby gegen die Nehrener – das schmerzte. Allerdings hatte der SV 03 auch Verletzungspech. Es muss sich zeigen, wie das Team nach der Zwangspause zurückkommt.

Der SV Nehren startete mit einem Sieg, Bald kam die erste Heimniederlage gegen Seedorf, die Derbys gegen den SV 03 und den SSC gewannen sie. In die Zwangspause gingen sie mit einem überzeugenden 5:1 gegen Maichingen – Platz 5 in der Tabelle, punktgleich mit dem SV 03. Schade, dabei waren die Nehrener so gut drauf.

Die Bezirksligisten

In der Bezirksliga Alb führen zwei Teams aus der Reutlinger Gegend die Tabelle an: Der VfL Pfullingen U23 und die TuS Metzingen. Dann folgen aber gleich zwei Lokalmatadoren von hier: Auf Platz 3 der SV Pfrondorf, dahinter der TSV Ofterdingen. Vor allem letztere sorgten mit ihrer Tormaschine für Furore in der Liga. Dabei waren sie mit einem 2:3 gegen Urach in die Runde gestartet. Dann folgten fünf Siege, hohe Siege, in Folge. Zum Beispiel 9:1 gegen Riederich oder 8:2 gegen Derendingen. Der Dämpfer war ein hohes 1:5 gegen Metzingen. Und gerade als es gegen den Tabellenführer gehen sollte, kam das Rundenaus. Auch die Pfrondorfer spielten mit dem neuem Trainer Sven Schimmel eine Spitzensaison. Nach einem Startunentschieden folgten fünf Siege in Folge. Dann gewannen sie zwar auch noch gegen die Tormaschine Ofterdingen, aber die letzten beiden Matches gegen Hirrlingen und Sickenhausen gingen klar verloren. Auch hier gilt: Es wäre spannend gewesen, zu erleben, wo der Weg der Pfrondorfer hingegangen wäre.

Hirrlingen, Kirchentellinsfurt und Hirschau konnten einen Mittelfeldplatz belegen, die Leistungen waren einfach nicht konstant genug. Leider hängen die Derendinger und vor allem Dettingen/Rottenburg mächtig unten drin. Das ist der Preis, den ein Aufsteiger in der wirklich starken Bezirksliga bezahlen muss – jetzt gilt es Erfahrung zu sammeln, wenn die Saison irgendwann wieder weitergeht.

Kreisliga A3

Bei der Kreisliga A3 führt sensationell die SGM Talheim-Öschingen die Tabelle an. Sensationell deshalb, weil die SGM als Aufsteiger die Liga aufmischt. Dabei stiegen sie nur wegen des Torverhältnisses vor dem punktgleichen TV Belsen auf. Entschieden wurde das nach den Regularien, die wegen des coronabedingten Abbruchs der Saison zur Geltung kamen.

Doch scheint die Spielstärke des Teams zu bestätigen, dass sie zurecht da oben stehen. Immerhin: Von neun gespielten Partien haben sie nur eine verloren. Doch die Konkurrenz ist groß in der Liga. Wie meist in der Gruppe spielt wieder die TSG Tübingen II ganz oben mit. Überraschenderweise aber auch die Wurmlinger, die eine grottenschlechte Runde 2019/20 spielten. Dieses Jahr führten sie gar 3:0 zur Pause gegen die SGM – und verloren die Partie am Ende doch noch mit 3:4. Legendär.

Negative Überraschung

Die negative Überraschung in der A3 ist allerdings der TSV Gomaringen. Im letzten Jahr noch heiß um den Titel und damit um den Aufstieg mitkämpfend, stehen sie jetzt auf dem letzten Tabellenplatz. Zwar versuchten sie es mit einem Trainerwechsel – die vermeintliche Allzweckwaffe –, aber auch das brachte keinen Erfolg. Auch nach der Entlassung von Bernd Gaiser, die beiden letzten Jahre noch Erfolgstrainer, brachten in der Folgezeit keine Besserung. Die nackten Zahlen: Null Siege, zwei Remis, der Rest Niederlagen.

Aber auch der TSV Lustnau steht mal wieder in der oberen Tabellenhälfte. In den letzten Jahren waren sie ein wenig wie eine Wundertüte – man wusste nie so recht, wo sie standen. Diese Saison scheinen sie gefestigt zu sein. Mit im Grunde zwei vermeidbaren Niederlagen lauern sie hinter der Spitze.

Großvereine

Und was ist mir den „Großen“ im Kreis? Zunächst einmal hat die TSG Tübingen endlich mal einen rasanten Start in die neue Saison vorgelegt. In den vergangenen Jahren war das immer das Problem – vom ersten Spieltag an gab es Druck, weil man etwas zu tief hinten drin stand. Dieses Mal drehte sich das leider um: Nach fulminantem Start folgte eine Pleitenserie und aktuell stehen sie auf dem 12. Platz: Zwei Plätze und zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Nicht zu vergessen – dieses Mal steigen sechs Vereine direkt ab.

Der SSV

Der SSV Reutlingen war einst der Stolz der Region mit Aufenthalten sogar in der 2. Liga und namhaften Teams und Spielern. Früher jedenfalls. Nach reichlich Turbulenzen im Verein schien man so langsam in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Das war ein Trugschluss. Denn nach 12 von 40 Spielen in dieser Corona-Saison steht der SSV auf Rang 13 und damit nur zwei Plätze vor einem Abstiegsrang.

Die Hälfte der bisher gespielten Matches haben sie verloren. Auch ein Riesennachteil für den nicht gerade auf Rosen gebetteten Verein: Es gibt keinerlei Zuschauereinnahmen, das Geld wird dringend benötigt – der SSV ist da keine Ausnahme, bei der Oberliga spielt Geld eine Rolle.

TSG Balingen

Und der dritte Große der (erweiterten) Region ist die TSG Balingen. Die wäre in der letzten Saison ohne Abbruch wohl abgestiegen. Darüber herrschen auch in Balingen selbst keine zwei Meinungen. Und auch in diese Saison gingen die Kicker, die Fans und der Verein ohne große Hoffnungen. Doch siehe da: Nach 11 Spielen stehen sie auf Platz neun, haben nur drei Spiele verloren und spielen ansonsten engagierten und erfolgreichen Fußball. Und das ging los wie die Feuerwehr: Das erste Spiel gewannen sie gegen den VfL Aalen mit 4:1 – ein Paukenschlag. Das nächste Spiel in Mainz ging knapp verloren, doch gegen den Bahlinger SC kam der nächste Heimsieg. Gegen den FC Gießen gewannen sie, und dann sollte es gegen den großen VfB Stuttgart II gehen. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Dabei hat die TSG einen aufbaufähigen, jungen Spielerkader. Etliche Spieler sind auch aus der hiesigen Region, spielten zum Beispiel beim FC Rottenburg oder der TSG Tübingen. Lange war nicht einmal klar, ob die Regionalliga nun zu den Profis zählt oder nicht – also weiterspielen oder auch, wie die Amateure, Shutdown. Letztlich ließ man nur die ersten drei Ligen kicken, wenn auch ohne Zuschauer. Die Balinger gingen in die Pause.

Fortsetzung

So recht weiß zur Zeit niemand, wie und wann es weitergeht im Amateurfußball. Sicher ist nur: Dieses Jahr wird nicht mehr gekickt. Weder Aktive noch Jugendmannschaften können gegen den Ball treten. Was das mit dem Nachwuchs macht, wird sich noch zeigen.Werner Bauknecht

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Erstellt:
2. Dezember 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Dezember 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Dezember 2020, 01:00 Uhr

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