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Der Kommentar

Eine Chance für die Kunst

10.01.2018

Von Stefan Zibulla

Welche Worte sollen einmal auf Ihrem Grabstein stehen? Schon diese Frage suggeriert, dass ein Grabmal selbstverständlich aus Granit, Quarzit oder Marmor gefertigt wird. Doch in einer pluralistischen Gesellschaft, in der die Menschen ihre individuellen Lebensentwürfe umsetzen, brauchen solche Traditionen nicht in Stein gemeißelt zu werden. Denn auch die Erinnerungs- und Trauerkultur ist individuell. Moderne Friedhöfe können Spiegelbilder dieser Vielfalt sein.

Eine kleine Stahlpalme weicht zwar von einer konventionellen Grabmalgestaltung ab, die eher selten auf Fantasie und Kreativität verweist. Deshalb stört sie aber weder das Gesamtbild des Stockacher Friedhofs noch verletzt sie die Würde eines Ortes, an dem Menschen um ihre verstorbenen Angehörigen weinen. Und sie verstößt auch nicht gegen die Paragraphen der Gomaringer Friedhofsordnung. Denn die verbietet zwar eine Grabgestaltung mit schwarzem Kunststein, Gips, Glas oder Kunststoff. Grabmale aus Stahl werden dort aber nicht ausdrücklich ausgeschlossen.

Eine Stahlskulptur würde den Stockacher Friedhof ästhetisch aufwerten. Zumal sie aus der Werkstatt eines renommierten Künstlers stammt. Die Arbeiten von Wilfried Rexze schmücken beispielsweise den Hechinger Märchenpfad oder marschieren als Gänse über den Pfäffinger Rathausplatz. Und sein kapitaler Vierzehnender blickt vom Spitzberg auf Hirschau herab.

Jetzt liegt es am Tübinger Landratsamt, eine mutige Entscheidung für die Kunst auf dem Friedhof zu treffen. Getreu dem Wahlspruch von Graf Eberhard im Bart: „Ich wag‘s!“ Der Gründer der Tübinger Universität machte übrigens die Palme zu seinem Hoheitszeichen.

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Erstellt:
10. Januar 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Januar 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 01:00 Uhr

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