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Aus der Luft und zu Fuß (25)

Felldorf

„Die schönste Partie des Ortes ist die Mitte desselben, wo sich die Kirche, das Pfarrhaus und das Schloss mit seinen namhaften Nebengebäuden in eine ansehnliche Gruppe zusammendrängen“, wusste die Oberamtsbeschreibung Horb zu Beginn des 19. Jahrhunderts über den „freundlichen, mittelgroßen Ort“ Felldorf zu berichten.

11.04.2018

Von Andrea Bachmann

Bilder: Erich Sommer

Die 1774 erbaute spätbarocke Kirche mit dem ungewöhnlichen Namen „Zur Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers“ wurde Mitte der 1960er-Jahre abgebrochen. Sie galt als zu klein und war nach dem Zweiten Weltkrieg in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sie den „Anforderungen zur Feier eines würdigen Gottesdienstes“ nicht mehr entsprach. Im Juli 1967 wurde der Grundstein für die neue Kirche „Johann Baptist“ gelegt, die mit ihrem frei stehenden Kirchturm auf dem Gelände des alten Pfarrgarten erstellt wurde – den brauchte man in den 60er-Jahren ebenso wenig wie Pfarrscheuer und Pfarrhaus.

Die „namhaften Nebengebäude“ auf dem Schlossareal sind jedoch immer noch vorhanden. 1952 hatten sich die Felldorfer sozusagen die Ortsherrschaft gesichert: Nachdem der Ort im Mittelalter zunächst einer niederadligen Familie namens Megenzer und dann den Herren von Ow-Wachendorf gehört hatte, kam er 1805 zum Königreich Württemberg. 1952 erwarben 75 Felldorfer Landwirte im Rahmen einer Bodenreform für insgesamt 200 000 Mark 86 Hektar Land. Die Gemeinde kaufte das Schlossareal mit den drei großen Scheunen und dem Forsthaus. Das Forsthaus wurde zum Rathaus umfunktioniert und die Scheuern wurden Feuerwehrmagazin, Kohlelager und Heuschuppen.

Die erste dieser drei Scheuern wurde Mitte der 1990er-Jahre saniert. Man sägte die mächtigen Balken, die die schweren Erntelasten getragen hatten, heraus, ersetzte Holzpfeiler durch moderne Stahlkonstruktionen und deckte das Dach neu ein. Architekt und Landschaftsplaner machten aus der Scheuer und dem dazugehörigen Schlosshof ein harmonisches Ensemble, das Altes und Neues miteinander verbindet. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die ehemalige fürstliche Hofscheuer zu einem Bürgerhaus eingeweiht werden, in dem gefeiert und Kultur genossen werden kann.

In einer anderen Scheuer war bis vor einigen Jahren ein privates Kutschenmuseum eingerichtet, in dem es über 50 Fahrzeuge zu bestaunen gab. Der Sammler hat jedoch mittlerweile alle Exponate verkauft, die Scheuer ist jetzt in Privatbesitz und harrt neuer Verwendungen.

Die angrenzende zweite Schlossscheuer träumt noch davon, auf ähnliche Weise aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt zu werden. Sie ist das Sorgenkind des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles. In den letzten Jahren überlegte und verwarf man verschiedene Nutzungs- und Sanierungskonzepte, unter anderen ein Mehrgenerationenhaus. Mittlerweile hat das Holzgerüst Probleme mit der Statik und in den Balkenköpfen hat es sich ein Schädling gemütlich gemacht. Die mit Mörtel verfüllten Doppelmauern haben sich gewölbt und auf einer Seite musste das Gebäude bereits stabilisiert werden. Abreißen möchte es keiner, denn dann würde der imposante Schlosshof viel von seiner Schönheit verlieren. Die Gemeinde hofft auf Menschen, die die Scheuer, die immer noch von Vereinen als Lagerraum genutzt wird, wach küssen könnten. „Wer eine gute Idee hat, darf sich gerne bei mir melden“, meint Bürgermeister Thomas Noé.

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Erstellt:
11. April 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 01:00 Uhr

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