Tanz als Bildung

Festival für Kinder in Tübingen

Die Kulturwissenschaftlerin Núria Mesull, die Tänzerin Cinira Macedo und Anna Rosenfelder vom Figurentheater Papilio haben eine Vision: Kleinkindern in Tübingen darstellende Künste zugänglich zu machen. Dafür haben sie den Verein „Von klein AUF – Theater und Tanz für Kinder von 0 bis 6“ gegründet. Vom 22. bis zum 31. März veranstalten sie ein Festival im Französischen Viertel und in verschiedenen Kindertageseinrichtungen.

Festival für Kinder in Tübingen

TAGBLATT ANZEIGER: Wie ist die Idee zu diesem Verein entstanden?

Anna Rosenfelder: Vor drei Jahren haben wir einen Aktionstag veranstaltet, zu dem wir lokale Künstlerinnen und Künstler eingeladen haben. Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der sich Familien, Künstlerinnen und Pädagogen austauschen können und Strukturen entwickeln, um Tanz und Theater für kleine Kinder erfahrbar zu machen. Seit etwa 2000 erfährt die Arbeit mit kleinen Kindern eine große Aufwertung und wir setzen uns dafür ein, dass Tanz und Theater als ernsthafter Teil von Bildung begriffen werden. Deshalb wünschen wir uns zum Beispiel langfristige Kooperationen mit Kindergärten. Wir wollen die Kinder dort treffen, wo sie sich heimisch fühlen. Und Pädagogen profitieren oft sehr davon, wenn sie sehen, wie sich Künstler(innen) auf diese reine Spielebene begeben.

Núria Mesull: Wir sind auch sehr zufrieden damit, wie es uns in den letzten Jahren gelungen ist, eine intensive Kerngruppe von Künstlern um uns zu bilden. Wir bauen ein Netzwerk von lokalen Künstler(inne)n und regen zu neuen Herangehensweisen die kreative Arbeit für und mit Kindern von 0 bis 6 in Tübingen an.

Was ist das Besondere am Theater für kleine Kinder?

Núria Mesull: Es gibt empirische Studien, die belegen, dass die Art und Weise, in der Kinder sich ihre Welt aneignen, Ähnlichkeiten mit einem künstlerischen Prozess hat. Dementsprechend ist unser Theater für Kinder auch prozessorientiert. Es geht immer darum, alle Sinne anzusprechen. Wir wollen den Kindern eine sinnlich-ästhetische Erfahrung anbieten, die über das hinausgeht, was auf der Bühne passiert. Wir haben auf dem Festival eine Gruppe aus der Schweiz zu Gast, die in dem Stück „Flow“ die Geschichte des Mehls vom Korn bis zum Brot erzählen, da kommen die Kinder in ganz engen Kontakt mit dem Material.

Und das funktioniert für Kinder unter drei Jahren?

Cinira Macedo: Ja, sicher. So wie Babys schon ganz genau wissen, ob man mit ihnen spricht oder ob ihnen vorgelesen wird, merken sie auch, dass sie im Theater direkt angesprochen werden. Die Atmosphäre ermöglicht eine besondere Aufmerksamkeit. Die Künstlerin Janine Matthieu gestaltet einen performativen Raum für Kinder ab sechs Monaten, „Kunstkuschel“. Den können die Kinder erkunden und dann fangen die Tänzer und Musiker an zu spielen.

Was passiert noch auf dem Festival?

Anna Rosenfelder: Am Wochenende finden eine ganze Reihe Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Französischen Viertel statt. Da möchten wir etwas Festivalatmosphäre schaffen. Unter der Woche bespielen wir dann verschiedene Kindertageseinrichtungen. Wir bieten sieben Inszenierungen an, vier Workshops, diesen „Kunstkuschel“ für Kinder bis zwei Jahren und ein „Work in Progress“.

Was ist das?

Cinira Macedo: „Schuh-hu“ ist eine erste Bühnenskizze über das Gehen und sich Fortbewegen. Ich gehe in die Kindergärten und arbeite mit den Kindern über Schuhe - Bewegungsthemen, wir tanzen, forschen und spielen zusammen. Diese Erfahrungen verarbeite ich zu einer Skizze. Die Kinder sind Koproduzenten des zukünftigen Stücks. Wir sprechen Kinder also auf unterschiedlichen Ebenen an: als Zuschauer, als Produzenten und als Akteure, denn wir bieten auch im Festival Workshops an, in denen die Kinder selbst tanzen oder spielen.

Spielen Kinder nicht sowieso schon ständig?

Núria Mesull: Sicherlich. Aber Kunst ist noch einmal eine andere Erfahrung, eine andere Ausdrucksmöglichkeit und wichtig für die Selbstwahrnehmung in unserer technologischen Welt. Tanz und Theater sind wie eine andere Sprache und je reichhaltiger die Sprachen sind, die wir lernen, desto mehr Möglichkeiten bekommen wir für unser Leben mit.

Fragen von Andrea Bachmann

Kindergärten und Familienzentren, die mit dem Verein „Von klein AUF – Theater und Tanz für Kinder von 0 bis 6“ zusammenarbeiten wollen, dürfen sich gerne melden.

theaterpapilio.com/von-klein-auf

Das Festival finanziert sich durch den branchenüblichen Mix aus öffentlichen Förderungen, Sponsoren und Spenden über die Plattform www.gut-fuer-

neckaralb.de/projects/67820.


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13.03.2019, 01:00 Uhr