Faszinierende Tiere

Fragen an einen Schmetterlingsexperten

Am kommenden Freitag spricht Alexander Beiter über die „Geheimnisse unserer Schmetterlinge“. Der Tübinger ist Biologe und Realschullehrer in Engstingen.

22.06.2022

Taubenschwänzchen bei der Nektaraufnahme.

Taubenschwänzchen bei der Nektaraufnahme.

Ihr Vortragstitel lautet: „Geheimnisse unserer Schmetterlinge“. Was kann man sich denn drunter vorstellen?

Alexander Beiter: Hinter dem Geheimnis versteckt sich die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Schmetterlinge und deren Anpassungen an ihre Umwelt. Also die Entwicklung vom Ei über die Raupe beziehungsweise Puppe bis zum geschlechtsreifen Schmetterling. In dieser Zeit lauern viele Gefahren und es haben sich sehr interessante und auch spektakuläre Anpassungen entwickelt.

Welche Schmetterlinge kann man zur Zeit beobachten? Und wo am besten)

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die höchste Falterdichte – beziehungsweise Diversität – herrscht im Juni auf Halbtrocken- oder Trockenrasen. Auffällig und schön sind dort momentan die Schachbrettfalter.

Gibt es bei uns bedrohte Schmetterlingsarten?

Leider haben die Insekten und darunter auch die Schmetterlinge in den letzten Jahren sehr an Bestand eingebüßt. Wenn man es genau nimmt, sind nur noch wenige Arten nicht mehr bedroht.

Unser schönster Tagfalter, der Schwalbenschwanz ist mittlerweile in den meisten Landstrichen eine Seltenheit geworden.

Was brauchen Schmetterlinge zum Leben bei uns?

Vor allem entsprechende Lebensräume für die Entwicklung der Raupen. Und an deren Rückgang haben alle Menschen ihren Anteil. Konkret der Bauer, welcher immer mehr Flächen intensiv bewirtschaftet und großflächige Monokultur anlegt. Der Gartenbesitzer, welcher einen englischen Rasen bevorzugt und nur wenig Toleranz für ‚Unkraut und Schädlinge‘ hat. Der Kunde im Supermarkt, welcher das ganze Jahr ein großes makelloses Sortiment an allen Obst- und Gemüsearten verlangt …

Was kann jemand mit einfachen Mittel tun, zum Beispiel auf seinem Balkon?

Man kann eine Auswahl an heimischen Blütenpflanzen als Futterquelle für die Falter anbieten. Dabei ist zu beachten, dass die Blüten auch tatsächlich Nektar liefern. Viele Pflanzen sind so gezüchtet, dass sie viele große bunte Blüten zeigen. Dabei sind die Nektarblätter zu Kronblätter geworden und es gibt keinen Nektar für die Insekten.

Haben Sie einen Lieblings- Schmetterling?

Eigentlich nicht. Aber als Kind sind mir die Taubenschwänzchen an den Geranien aufgefallen. Ich fand diese Tiere sehr faszinierend und es war mir lange verborgen, wie diese sonderbaren Tiere heißen und welche Flugleistung sie erbringen.

Fragen von Angelika Brieschke

Der Vortrag „Geheimnisse unserer Schmetterlinge“ von Diplom-Biologe Alexander Beiter findet am Freitag, 24. Juni, von 20–22 Uhr im Stephanuszentrum in der Friedrich-Dannenmann-Straße in Tübingen statt.