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Grüne Gründerinnen wollen mit ihrem Kaufhaus auch junge Kunden gewinnen
Barbara Rongen, Raphaëlle Hückstädt und Susanne Stöffel (von links nach rechts), Gesellschaft-erinnen und Geschäftsführerinnen von „Style Affaire“ in der Tübinger Hafengasse. Bild: Bachmann
Ökologie und Fairness mit Stil

Grüne Gründerinnen wollen mit ihrem Kaufhaus auch junge Kunden gewinnen

13.09.2017

In den Regalen geht es noch ziemlich übersichtlich zu. Umso mehr Kartons stehen auf dem Boden und warten darauf, ausgepackt zu werden. Aber Barbara Rongen, Raphaëlle Hückstädt und Susanne Stöffel, Gesellschafterinnen und Geschäftsführerinnen von „Style Affaire“, dem neuen „grünen Kaufhaus“ in der Tübinger Hafengasse, kommen kaum dazu, Preisschilder an die Kleider zu heften, Blusen auf Bügel zu hängen oder Fläschchen mit Gesichtsöl ins Regal zu stellen. Ständig geht die Tür auf und jemand fragt begeistert: „Habt Ihr jetzt endlich auf?“

Vier Jahre lang führte Barbara Rongen eine kleine Boutique in der Marktgasse, in der sie ausschließlich fair und öko produzierte Mode verkaufte. „Dann wollte ich das nicht mehr ganz alleine machen und außerdem wurde der Laden zu klein“, erzählt sie. Über Umwege erfuhr sie, dass das Ehepaar Pröll sein Geschäft Ecke Hafengasse-Pfleghofstraße aufgeben wollte. Das Geschäft war groß genug für ihr Herzensprojekt, ein „grünes Kaufhaus“, in dem es nicht nur Kleider und Accessoires, sondern auch Kosmetik, Schmuck, Haushaltswaren, Bücher, Babysachen und vieles andere geben könnte. Raphaëlle Hückstädt, die ab und an in der Marktgasse ausgeholfen hatte, hatte „richtig Lust, etwas richtig Großes zu machen“. Als Dritte im Bunde kam noch Susanne Stöffel dazu. „Wir wollen in unserem Laden alles anbieten, was wir selber gerne hätten“, umreißt die Juristin die zukünftige Angebotspalette.

Alle drei sind Überzeugungstäterinnen in Sachen Nachhaltigkeit, Fairness und Ökologie. „Bei uns zu Hause wurde immer großer Wert auf Langlebigkeit gelegt und ich habe mit dem ersten Kind begonnen, konsequent im Bioladen einzukaufen“, verrät Susanne Stöffel. Und Raphaëlle Hückstädt bezeichnet sich selbst als „Plastikallergikerin“. Die Französin gibt aber zu, dass ihr manchmal im Ökobereich die Mode gefehlt hat: „Ich möchte zeigen, dass ökologisch und schick zusammen geht.“

Barbara Rongen war „schon immer grün orientiert“. Als Mitarbeiterin in der Agentur für Klimaschutz hat sie Workshops in Schulen geleitet, in denen sie über die Produktionsketten von Jeans oder Turnschuhen informierte. Das Interesse sei immer groß gewesen – aber die Alternativen zu konventioneller Mode hätten lange gefehlt. Fair und öko produzierte Kleidung war nur selten etwas für junge Leute. Da sei ihr die Idee mit dem Laden gekommen, um solche Labels auch für junge Leute anbieten zu können.

Alle drei haben ausgesprochen bunte Berufsbiografien und gemeinsam bringen sie es auf acht Kinder. Sie haben Geschichte, Koreanisch und Rechtswissenschaft studiert, als Lektorin, Lehrerin oder Bankkauffrau gearbeitet, eine Restauratorinnenausbildung gemacht und Berufsbildungsprojekte geleitet. Genauso vielseitig stellen sie sich auch ihre Zielgruppe vor. „Hier soll jeder etwas für sich finden. Es kann kein Zufall sein, dass unser Laden zwischen dem von Renate Bürkle und dem Schwarzen Schaf liegt.“

Auch die Pfleghofstraße passe gut zu ihrem Konzept. Hier kenne und unterstütze man sich gegenseitig. Persönliche Kontakte zu Kolleginnen und Kunden sind ihnen wichtig. „Händler und Herstellerinnen im Öko-Bereich sind eine andere Gemeinschaft als die in den konventionellen Branchen“, finden die drei Ladenbesitzerinnen. „Da wird viel auf Kommission gemacht und da herrscht eine ganz andere Vertrauensbasis.“ Und die Kundschaft soll sich in erster Linie wohl fühlen: „Wir wollen das Gefühl vermitteln, dass man sich hier aufhalten kann.“ Dazu gehören natürlich auch Kundenevents zum Thema Upcycling, bei denen zum Beispiel T-Shirts eine Frischzellenkur verpasst wird.

Der Laden wird zum Treffpunkt und zum Kommunikationszentrum. Liegt hier der Schlüssel zur Belebung der Innenstädte? Vorstellbar wäre es. „Vielleicht passen sich solche Konzepte wie das unsere einer Stadt besser an als irgendeine Kette, weil sie viel persönlicher und individueller sind“, vermutet Raphaëlle Hückstädt. Ihr Lieblingsprodukt im neuen Laden, dessen ungewöhnliche Inneneinrichtung komplett gefunden und ertrödelt und dann von einer Schreinerin und einer Zimmerfrau hergerichtet worden ist, ist eine Zunderschwammhautcreme aus dem bayerischen Wald. „Das ist ein Kosmetikprodukt, das es schon seit Tausenden von Jahren gibt“, schwärmt sie. Ihre Kollegin Susanne Stöffel liebt Trinkflaschen aus bruchfestem, leichten und dünnen Reagenzglasglas und Barbara Rongen lässt nur noch kunterbunte Mingasocken an ihre Füße. „Die machen einfach Spaß. Und helfen dabei, einen Beitrag zu leisten, dass die Menschen diese Erde nicht gänzlich zugrunde richten.“Andrea Bachmann

Von Freitag, 15. September bis Sonntag, 17. September, lädt „Style Affaire“ zu einem Eröffnungswochenende mit Snacks, Rabatten und Angeboten zum Mitmachen ein.

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13.09.2017, 01:00 Uhr
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