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Der Kommentar

Herrgotts Heutage sind lang trocken

04.07.2018
  • Martina Fischer

Karl der Große bezeichnete den Juli als „Heumonat“ oder „Heuert“, weil dann der erste Grasschnitt getrocknet und eingefahren wurde. Das Wort Heu leitet sich vom althochdeutschen Verb „houwan“ ab und bedeutet „das Gehauene“, beziehungsweise „das zu Hauende“.

Der Volksglaube schrieb dem Heu magische Kräfte zu, weil es Teile der Erdkraft barg und wie das Gras als unverzichtbare Nährpflanze diente. Mythische Züge lagen zugrunde, wenn im Sinne der Animation, also der Beseelung, eine Mutter ihrem ungehorsamen Sohn nach ihrem Tod als schneeweiß leuchtender Haufen Heu erschien oder wenn die lang andauernden, trockenen Tage „des Herrgotts Heutage“ hießen. Im einstigen Zauberglauben hatte das Heu zunächst seherische Kräfte: Zu den Ziegeln herausschauendes Heu galt als Vorzeichen für kommenden Futtermangel. Der Abwehrzauber hat sich zum Wunscherfüllungszauber modifiziert, wenn das, was man sich beim Anblick eines Heuwagens wünscht, in Erfüllung geht.

Kranke Pferde erhielten als Heilzauber gestohlenes Heu, und Leichenzauber war es, wenn man Krankheiten durch Aussäen von Heusamen vor Sonnenaufgang auf einem Friedhof heilen wollte. Kühe sollten besonders gute Empfängnisfähigkeit erhalten, wenn der Bauer ihnen gestohlenes Heu fütterte, das er zuvor selbst am Leib getragen hatte. Als Opferzauber wurden zu Beginn der Heuernte einige Büschel Heu dem Wind zur Dämonenabwehr überlassen.

Der letzte Schnitter auf dem Feld hieß „Heumockel“, das letzte Bündel Heu „Heukatz“ oder „Heugeiß“. Im Volksmund heißt das Gemisch aus vertrockneten Blüten und Grassamen „Heublumen“. Die Heublumen wurden von den Menschen sehr gern zu Umschlägen und Bädern benutzt – für Heuschnupfengeplagte ist das aber nix!

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04.07.2018, 01:00 Uhr
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