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Burgen, Felsen, Grenzstationen

Hinaus ins Grüne: Herrliche Rundwanderung im Großen Lautertal

24.01.2018

Von Arndt Spieth

Der Albflecken Bichishausen mit seiner Galluskirche samt wuchtigem Zwiebelturm. Bilder: Spieth

Diese herrliche Rundwanderung gehört zu meinen Lieblingstouren. Das bezaubernde Tal der Großen Lauter auf der Schwäbischen Alb zählt zu den burgenreichsten Regionen Südwestdeutschlands und die karge Landschaft mit den malerischen Burgruinen und Bauernnestern bilden den Stoff, aus dem unsere Märchen gewoben sind. Mit diesen Burgen und Ruinen, den imposanten Felsformationen und artenreichen Wachholderheiden zwischen lauschigen Wäldern und Wiesenauen ist es das Glanzstück im Biosphärengebiet und Geopark Schwäbische Alb.

Startpunkt ist der reizvolle Albflecken Bichishausen – mit seiner barocken St. Galluskirche samt wuchtigem Zwiebelturm unterhalb der imposanten Burgruine ein richtiger Hingucker. Die einstige Grenze zwischen dem evangelischen Württemberg und dem katholischen Fürstenberg lag genau am oberen Ortsrand und ist heute noch gut an den bunten Schildhäuschen der Grenzposten erkennbar. Bichishausen lag auf der katholischen Seite und Ferdinand Fürst zu Fürstenberg spendierte um 1735 das für den kleinen Weiler ziemlich großgeratene Gotteshaus, sicher auch um die protestantischen Nachbarn zu beeindrucken. Oben auf dem Berg thront noch die Ruine der einstigen Burg Bichishausen. Im 13. Jahrhundert erbaut, wechselte sie immer wieder ihre Besitzer. Mitte des 16. Jahrhunderts begann ihr Verfall.

Wir beginnen unsere Tour an der St. Gallus Kirche und wandern die Alte Steige Richtung Aussichtspunkt Bürzel bergauf. Dabei bekommen wir immer wieder schöne Ausblicke auf das idyllische Lautertal und den zauberhaften alten Burgflecken, in dem die Zeit still zu stehen scheint. . Wir erreichen die Höhe, lassen die Steighöfe mit Demeter-Bauernhof rechts liegen und folgen dem Wanderweg mit der gelben Raute. Dabei passieren wir ein Buchenwäldchen und erreichen bald den Bürzel, von dem wir einen herrlichen Blick auf Gundelfingen (siehe Bild links) und das hier besonders schöne Lautertal haben. Direkt unterhalb von uns sitzt die Burg Niedergundelfingen auf einem Hügel, ein malerisches Bild.

Die inselartige Lage auf dem von der Lauter umflossenen Berg zwischen Wäldern und Felsen ist einmalig. Um 1080 entstanden, wurde die Burg um 1250 von Ritter Swigger IX. de Novogundelfing ausgebaut und wechselte in der Folgezeit immer wieder ihre Eigentümer. Von dem alten Wohntrakt der Ritter und Edelfräuleins blieben nur mächtige Mauern übrig. Nur auf der Südseite hat sich noch ein Gebäudetrakt erhalten. Gut zu erkennen ist der alte Burggraben drumherum und natürlich die Burgkapelle St. Michael, die heute weiß getüncht ist. Durch die abgeschiedene Lage könnte man meinen, Burg und Tal hätten die Märchenbrüder Grimm zur Geschichte von „Dornröchen“ animiert. Den Talabschluss auf der anderen Seite bilden interessante Felsformationen, auf denen wir noch den Stumpf des Bergfrieds der einstigen Burg Hohengundelfingen erkennen können, ein weiteres Highlight, das wir uns im zweiten Teil unserer Tour genauer anschauen werden.

Wir folgen dem Pfad mit der gelben Raute Richtung Wittsteig und haben weitere schöne Ausblicke über das lauschige Tal. Schließlich führt uns der auch als Bürzelrundweg bezeichnete Wanderpfad nach einer Scheune links hinunter zu Lauteraue. Unten angekommen zieht uns das kleine Gundelfingen mit seinem kleinen Fachwerkensemble, der glasklaren Lauter und den bizzaren Felsen am Gegenhang in den Bann. Falls jemand direkt nach Bichishausen zurückwandern möchte, hält er/sie sich hier links, quert nach den Häusern die Lauter und erreicht so auf relativ ebenem Weg den Ausgangspunkt.

Ansonsten folgen wir dem Weg nach rechts bis zur Hauptstraße, wo wir uns links halten. Wir passieren dabei das Landhotel „Wittstaig“, eine gute Einkehrmöglichkeit auf unserer Tour. Nach einer eventuellen Stärkung gehen wir kurz in die gleiche Richtung weiter, queren noch beim Hotel die Straße, und folgen dem vom Schwarzwald ins Allgäu führenden HW5 hoch nach Hohengundelfingen. Ein paar Serpentinen zwischen bizarren Felsformationen und wir erreichen auf einem alten Treppenweg über ein Steintor die alte Vorburg mit dem Nadelfelsen. Wir gehen weiter und gelangen in die alte Kernburg von Hohengundelfingen.

Die nur noch als fragmentarische Ruine erhaltene einstige Stammburg des Freiadelsgeschlechtes der Gundelfinger wurde vermutlich von einem gewissen Swigger IV. von Gundelfingen (etwa 1160–1228) gegründet. Die Reste des Bergfrieds aus staufischen Buckelquadern stammen noch aus dieser Zeit. Auch diese Burg wechselte immer wieder ihre Besitzer und wurde bereits 1389 als Burgstall, das heißt als Ruine bezeichnet. Auch in der Folgezeit blieb die trotz Verfall vermutlich immer wieder bewohnte Burganlage weiter in Besitz von unterschiedlichen Adelsfamilien, bis sie 1939 von dem Neu-Ulmer Fabrikanten Hans Römer gekauft wurde. Er ließ die alten Mauern wieder ausgraben und führte jahrelang umfassende Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten durch. Wir verdanken ihm die heute begehbare Ruinenanlage, die sich jetzt im Besitz der Dorothea-Römer-Stiftung befindet.

Nachdem wir die herrliche Sicht vom Bergfried oder von anderen Aussichtspunkten genossen haben, wandern wir den breiten Waldweg bergauf Richtung Dürrenstetten und erreichen weiter oben einen auf dem freien Feld gelegenen Wanderparkplatz. Dort gehen wir in die gleiche Richtung weiter und stoßen auf eine Fahrstraße mit Wegekreuz. Hier halten wir uns scharf links und folgen bald dem wieder mit gelber Raute gekennzeichneten Wanderweg rechts hinunter durch den Wald bis nach Bichishausen. Am Ortseingang kommen wir am Gasthof Hirsch vorbei, eine weitere beliebte Einkehrmöglichkeit auf der Wanderstrecke (zur Kaffeezeit leider geschlossen). Unten queren wir die Hauptstraße und über eine Brücke geht’s wieder hinein den bezaubernden Flecken. Fast ein Kuriosum ist das winzige ehemalige Rathaus vor dem stattlichen Kirchenbau. Gut zu erkennen, wer hier früher im Ort das Sagen hatte. An der St. Gallus Kirche endet unsere Tour wieder. Arndt Spieth

Länge: circa 6,8 Kilometer

Höhenunterschied: 270 Meter

Dauer: 2,5 Stunden

Arndt Spieth ist der Autor von „Kreuz und quer durch Tübingen“, ein Wanderführer durch die Universitätsstadt.

Die Ruine Hohengundelfingen mit Blick ins Lautertal.

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Erstellt:
24. Januar 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Januar 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2018, 01:00 Uhr

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