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Burg und Märchenschluchten

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung im und ums Eyachtal

Dieses Mal erkunden wir ein interessantes Gebiet am südwestlichen Rand unseres Landkreises. Wir wandern vom alten Kurort Bad Imnau über das wildromantische Laibetal hoch zum alten Rittergutshof Dommelsberg. Über das verwunschene Schloss Hohenmühringen geht’s dann wieder zurück ins lauschige Eyachtal.

21.02.2018

Dem mittelalterlichen Schloss Hohenmühringen, das sich in Privatbesitz befindet, wurden im 19. Jahrhundert neugotische Zinnen aufgesetzt. Bilder: Spieth

Start- und Zielpunkt ist der Bad Imnauer Fürstenbau in der Badstraße direkt am Kurpark. Der für den kleinen Ort prachtvolle Bau entstand ab 1733. Das fürstliche Allianzwappen über dem barocken Portal stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Anlass für den Komplex war die Entdeckung eines Sauerbrunnens. Beim Trinken soll der Fürst Josef Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen gerufen haben: „Dies allein soll meine Quelle sein“ und seither heißt sie Fürstenquelle. Pferdefuhrwerke karrten das Wasser in Tonkrügen bis nach Augsburg und Zürich.

Der Enkel von Josef Friedrich, Fürst Anton Aloys, war noch innovativer und ließ ab 1792 die Wiesen um den Bau in eine weitläufige Kuranlage mit Alleen umgestalten. Später wurde der Fürstenbau aufgestockt und der prächtige Kursaal angebaut. 1908 kamen Ordensschwestern aus dem Bodenseekloster Hegne hierher und verhalfen dem Kurbetrieb und Imnau zu neuer Blüte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zum Lazarett zur Versorgung -zigtausender Kriegsverwundeter.

Später betrieben die Ordensschwestern hier im Stahlbad ein Sanatorium. Inzwischen sind die Schwestern verschwunden, der Fürstenhof ist Hotel und in den einstigen Nonnenzellen im Theresienbau bietet das kuschelige Café Theresia hausgebackene Kuchen an. Die anderen Gebäude dümpeln noch vor sich hin und harren auf einen Investor. Die Mineralquellen von Bad Imnau und Mühringen gehören heute der Imnauer Mineralquellen GmbH.

Südlich vom Fürstenbau, gleich hinter dem Café Theresia, steht die barocke Kirche St. Jakobus, eine wichtige Pilgerstation auf dem Jakobsweg. Sie ist auch im Inneren ein Schmuckstück, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wir folgen vor dem Fürstenbau dem ausgeschilderten Wanderweg durch den leicht verwilderten Kurpark Richtung Laibetal, das auch als Läubertäle bekannt ist. Nach Querung der Eyach geht es in gleicher Richtung weiter und wir folgen den Schildern zu Kneippanlage und dem Wandersymbol mit einem gelben Kreis.

Das malerische Tal des Laiberbachs präsentiert sich uns zu Beginn der Tour offen und weit. Auewiesen betten sich harmonisch zwischen den Saumwäldern und dahinter erheben sich Ausläufer des Schwarzwaldes. Nach der Kneippanlage und einem schön gestalteten Grillplatz wird das Tal zur Schlucht und führt uns geologisch durch den Oberen Muschelkalk. Die Böden sowie Steine und Sträucher sind vielfach mit Moosen überzogen und das Ganze ähnelt einem Zauberwald – fehlen nur noch Lebkuchenhaus und Hexe.

Nach einiger Zeit erreichen wir ein kleines Sträßchen, dem wir rechts hoch bis Wiesenstetten folgen. Gleich nach der Kurve können wir links auf einen Erdweg ausweichen, der parallel zur kaum befahrenen Straße verläuft. In Wiesenstetten queren wir die Hauptstraße und spazieren geradeaus weiter. Die Straße wird zum Fußweg und führt uns nach rechts in die Straße „Im Zeil“. Hier und weiter hinten, vor der Rechtskurve, halten wir uns jeweils links, überqueren die Durchgangsstraße und wandern den befestigten Feldweg geradeaus weiter.

Durch die freie Lage auf den Feldern haben wir an klaren Tagen eine schöne Sicht auf das blaue Band der Schwäbischen Alb mit der imposanten Burg Hohenzollern und die Höhenzüge des mittleren Schwarzwaldes. Die schöne Höhe wird aber etwas durch den Lärm der A81 beeinträchtigt.

Am Waldrand geht’s nach rechts und wir passieren die Auchterthütte und einen weiteren Grillplatz. Nach einigen Schritten durch den Wald erreichen wir die Straße nach Dommelsberg und halten uns auf dem begleitenden Fußweg links. Die Straße verlässt den Wald und führt hinunter in den kleinen Weiler. Wir folgen nun einem befestigten Feldweg zuerst nach links und dann hinunter zum Dommelsberger Weiher.

Hinter dem Wasser erhebt sich ein stattliches Gehöft, die Keimzelle von Dommelsberg. Der Gutshof der ritterschaftlichen Freiherrn vom Schloss Hohenmühringen steht hier seit dem 16. Jahrhundert. Viele Jahrhunderte war der Hof durch seine Ziegelhütte bekannt und an vielen Gebäuden im weiten Umkreis stößt man noch auf Dommelsberger Ziegel.

Nach dem See folgen wir der Lindenstraße rechts hoch, queren die Durchgangsstraße und wandern die Straße „Am Berg“ in gleicher Richtung weiter. In der Schlossstraße halten wir uns rechts und folgen am Waldrand dem Wanderzeichen Richtung Mühringen. Der mit einem blauen Kreuz gekennzeichnete Wanderweg führt uns bald leicht bergab und biegt in der Talmulde nach rechts. Wir folgen ihm und erreichen nach einiger Zeit das Schloss Hohenmühringen. Dem mittelalterlichen Bergfried wurden im 19. Jahrhundert neugotische Zinnen aufgesetzt und auch die restlichen Burgtrakte wurden immer wieder umgebaut und durch neugotische An- und Aufbauten ergänzt. Hohenmühringen befindet sich im Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Wir folgen dem Wanderweg links hinunter, kommen an einem weiteren alten Schlossgebäude vorüber, an dem ein früherer Schlossbesitzer verschiedene Weisheitssprüche anbringen ließ. Ab hier haben wir einen herrlichen Blick auf das Eyachtal und Mühringen. Im Ort wandern wir die Graf-Gerold-Straße weiter talwärts. Das katholische Mühringen mit seiner sehenswerten Rokokokirche St. Gallus hatte lange eine große jüdische Gemeinde. Die meisten Mühringer Juden wanderten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert aus, so dass das Rabbinat nach Horb verlegt wurde. Wer blieb, dem drohte Schlimmstes und die verbliebenen Mühringer Juden wurden zwischen 1941 und 1943 deportiert.

Eine Besonderheit im Ort ist die 1908 aufgegebene, aber noch erhaltene Mikwe, ein uraltes jüdisches Ritualbad, das jetzt von Mühringer Familien wieder hergerichtet wurde. Das tief im Keller liegende Bad befindet sich unter dem Gebäude Graf-Gerold-Straße 18. Ebenfalls erhalten geblieben ist der jüdische Friedhof etwas außerhalb des Dorfes mit noch über 800 Grabsteinen. Er wurde Mitte des 16 Jahrhunderts angelegt und ist die älteste jüdische Begräbnisstätte in Württemberg-Hohenzollern. Wir queren nun wieder die Eyach und folgen dem mit einem blauen Balken markierten Wanderweg im Hang oberhalb des Flusses zurück zum Ausgangspunkt in Bad Imnau.Arndt Spieth

Gehzeit: 3,5 Stunden

Länge: 12 Kilometer

Höhenunterschied: 190 Meter

Lokale in Bad Imnau:

Café Theresia, Badstraße (Donnerstag, Freitag und Sonntag geöffnet) und Eyachperle, Sonnenhalde 2 (Montag Ruhetag).

Spieth ist Autor des Wanderführers „Kreuz und quer durch Tübingen“.

Der prachtvolle Fürstenbau in Imnau ist aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kirche St. Jakobus ist eine Pilgerstation auf dem Jakobsweg.

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Erstellt:
21. Februar 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 01:00 Uhr

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