Erfolgsgeschichten am Höhenzug

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung vom Sudhaus auf die Härten

Diese wunderschöne und kurzweilige Rundwander-ung führt vom Sudhaus an den waldigen Hängen des Steinlachtales auf die Härten mit schönen Ausblicken auf die Schwäbische Alb.

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung vom Sudhaus auf die Härten

Das Sudhaus wird als Kultur- und Gewerbezentrum für Künstler und Veranstaltungen genutzt.

Start- und Zielpunkt der Wanderung ist der Parkplatz am Sudhaus. Eine Bitte: Beachten Sie die Vorschriften zur Eindämmung der Corona Pandemie und halten Sie bitte die vorgeschriebenen Abstände zu anderen Wanderern ein.

Wir folgen kurz dem asphaltierten Sträßchen links vom Sudhaus bergauf und biegen dann nach den Gebäuden in den bis zur Schranke asphaltierten Aspenhauweg schräg rechts ein (nicht den Weg Richtung „Wüste Welle“ wählen. Der anfangs asphaltierte Weg führt geradeaus hoch und verläuft entlang dem Kaiserbrücklesgraben. Nach rund 800 Metern durch den Wald biegen wir nach rechts in den Hohen Lehenweg ein, der uns erst auf relativ gleicher Höhe durch ein idyllisches Waldgebiet führt.

Nach einiger Zeit erreichen wir den Fechtplatz, an dem sich mehrere Wege kreuzen. Auf diesem versteckt im Wald gelegenen ehemaligen Paukplatz der schlagenden Verbindungen sollen verbotene Duelle ausgefochten worden sein. Wir folgen dem Hauptweg nach links weiter. Der Weg fällt erst leicht ab und steigt dann bald nach links hoch. Nach einiger Zeit geht es wieder etwas bergab und an der Stelle, wo der Weg hinunter Richtung Tal beim Schloss Bläsiberg führt, biegen wir links in einem unbefestigten Waldweg ein. Die Stelle ist nicht zu verfehlen – auf den Baum an der linken Kreuzungsecke wurden mit blauer Farbe die Zeichen „HB 2015“ sowie ein blauer Punkt aufgemalt. Wir verlassen bald den Wald und streifen durch ein lauschiges Streuobstgebiet mit alten Obstbäumen.

Unterhalb sehen wir das Bio-Obstgut Bläsiberg, einer der größten Demeter-Höfe in Tübingen. Es entstand, als der Agrarökonom und Professor für Forst- und Landwirtschaft Heinrich von Weber um 1860 das Gut für praktische Unterweisungen der Studenten pachtete. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kam das Anwesen 1951 an die Stadt Tübingen. Ende der 1950er-Jahre wurde dort das städtische Obstgut Bläsiberg eingerichtet und bis Anfang der 1990er-Jahre betrieben. Seit 1994 bewirtschaften die Familien Schell und Grüter das Gut als Obstgut Bläsiberg GbR. Sie stellten den Betrieb auf biologisch-dynamischen Landbau um. Der Name Bläsiberg kommt von dem noch erhaltenen Hofgut, dessen frühere Kapelle, dem Heiligen Blasius geweiht war.

Weiter geht es auf dem lauschigen Bärenweg wieder hinein in den Wald und nach einigen Schritten erreichen wir die Hochebene der Härten und den Waldrand. Die Härten bilden eine Hochebene zwischen Steinlach-, Neckar-, und Echaztal und. Der kleine Höhenzug ist eigentlich die östliche Fortsetzung des Rammerts und gehört naturräumlich zum Schwäbischen Keuper-Lias-Land. Die oberste geologische Schicht bildet der Schwarze Jura (Lias), der größtenteils von fruchtbaren Lösssedimenten bedeckt ist. Typisch für die Härten sind die intensiv genutzten Ackerflächen, sowie Streuobstwiesen.

Hier biegen wir nach links und folgen nun für einige Zeit dem mit einem roten Balken gekennzeichneten Hauptwanderweg (HW) 5. Zuerst passieren einem abgesperrten Sportplatz mit Hütte. Hier gäbe es auch die Möglichkeit links der Hütte einem Erdweg durch den Wald zu folgen, bis man nach einiger Zeit wieder auf den HW5 kommt. Nach einigen Schritten macht der Hauptwanderweg einen Schlenker nach rechts über die Felder. Wir bekommen schöne Ausblicke auf die blaue Wand des Traufs der Schwäbischen Alb mit dem markanten Roßberg, durch seinen Aussichtsturm eine gut erkennbare Landmarke.

Schließlich kehrt der mit dem roten Balken markierte Wanderweg wieder zum Waldrand zurück und wir kommen an ein Wanderschild mit Wegzeichen Richtung Lustnau und Immenhausen. Wir wählen keine der beiden Richtungen und wandern geradeaus auf dem Waldweg den Berg hinunter. Etwas weiter unten erreichen wir wieder den mit einem roten Punkt markierten Aspenhauweg. Hier spazieren wir nach links und gelangen so schließlich wieder zum Ausgangspunkt, dem Sudhaus zurück. Arndt Spieth

Info Waldhörnle und Sudhaus

Wo derzeit ein kleines Parkhaus für das Sudhaus entsteht, befand sich 200 Jahre lang eines der beliebtesten Tübinger Ausflugslokale: das Waldhörnle. Ab 1807 ließ hier der Derendinger Ochsenwirt Johann Jakob Röhm zwischen Weinbergen und der nach Schaffhausen führenden Schweizer Chaussee eine alte Kelter abreisen, um Platz für einen Gasthof zu schaffen. Zum Waldhörnle gesellte sich bald eine Brauerei und das Plätzchen wurde eine willkommene Raststation für Reisende, Fuhrleute und Tübinger Studenten. Später wechselten Brauerei und Gasthof immer wieder den Besitzer, bis sie unter der Familie Bachner ab 1852 zu einer Erfolgsstory wurden. Das Bachner’sche Bier gehörte zu den besten der Stadt und die Studenten pilgerten täglich in Scharen die Hechinger Straße hinaus. Im ersten Stock befand sich ein Fechtboden der Corpsstudenten, das „Pauksälchen“ und gleich nebenan war der „Flickraum“, in dem die blutenden Schmisse wieder zusammennäht wurden. Posten hielten am Eingang Wache, weil das Mensurfechten damals verboten war: Erschien die Polizei, was selten vorkam, täuschten die so rechtzeitig Gewarnten einen harmlosen Umtrunk vor. In den Sommermonaten brummte der Biergarten, in dem man bei Regen gemütlich unter originellen japanischen Pagoden sitzen konnte. In den 1920er Jahren wurden die Brauereigebäude zur Beck’schen Möbelfabrik. Das Waldhörnle selbst verkam ab den 1970er Jahren immer mehr zum „Schandfleck“ und wurde schließlich abgerissen. Das Sudhaus ist seit 1988 ein soziokulturelles Zentrum und wird von einer bunten Schar von Künstlern genutzt. Derzeit finden größere Erweiterungsbauten statt.

Start- und Zielpunkt: Parkplatz Sudhaus, Tübingen-Derendingen, Hechinger Straße 203 (B27)

Länge: 5,7 Kilometer

Höhenunterschiede: 169 Meter

Dauer: circa 2 Stunden

PKW: Parkplätze am Sudhaus

ÖPNV: Haltestelle „Fuchsstraße“, Linien 3 + 5


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


20.05.2020, 01:00 Uhr