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Uraltes Weinberggebiet

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung von Hirschau zur Wurmlinger Kapelle

Diese Rundtour führt durch die sonnigen Weinberglagen oberhalb von Hirschau und Wurmlingen und ist besonders im April wunderschön, weil der Frühling hier durch die Südhanglagen schon einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Umland hat.

26.04.2017

„Droben stehet die Kapelle“ – da hatte Ludwig Uhland wirklich Recht! Bilder: Arndt Spieth

Wir beginnen die Wanderung in Hirschau in der Kingersheimer Straße an der Bushaltestelle „Volksbank“ beim Café-Bäcker Mayer. Nach wenigen Schritten ortsauswärts folgen wir der Straße „Weinbergweg“ links bergauf. Etwas weiter oben geht’s an einem Wegekreuz die Hirschhalde kurz nach rechts, gleich wieder links und dann rechts neben dem orangefarbigen Wohnhaus Nr. 13 den grasbewachsenen Weg hoch.

Oben angekommen erreichen wir eine Kreuzung von Weinbergwegen. Wir folgen hier dem oberen Schotterweg nach links und kommen oberhalb Hirschaus durch ein uraltes Weinberggebiet mit herrlichen Ausblicken. Der Weinbau blühte hier vom 13. bis 16. Jahrhundert und wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wegen der Ausbreitung der Reblaus und einer vorübergehenden Klimaverschlechterung weitgehend aufgegeben. Die meisten der einst in mühsamer Handarbeit mit Sandsteintrockenmauern terrassierten Flächen sind heute mit Obstbäumen bewachsen, teilweise wird auch wieder Wein angebaut.

Oberhalb des Weges erstreckt sich das Naturschutzgebiet „Hirschauer Berg“. Die Flächen sind streng geschützt und dürfen nicht betreten werden. Damit die Hänge nicht zuwachsen, unterliegt das Gebiet einem ausgeklügelten Pflegeprogramm, das auch den Erhalt der wichtigen Trockenmauern einschließt. Mehrere Schautafeln informieren über die besondere Flora und Fauna. Hier findet sich eine Fülle an seltenen Pflanzen- und Tierarten, die durch die steile Südhanglage und die Aufwärmung an den Steinmauern fast mediterrane Klimabedingungen haben. Einige Arten wie die Zottige Fahnenwicke oder die Ungarische Platterbse konnten hier die letzte Eiszeit überdauern. Sie sind sonst fast nur südlich oder östlich der Alpen zu finden.

Vom Weg aus haben wir an vielen Stellen fast atemberaubende Ausblicke auf die einmalige Kultur- und Naturlandschaft, die von Süden her durch das breite Neckartal und im Westen, als krönender Abschluss, von der Wurmlinger Kapelle eingerahmt wird. Direkt unterhalb sehen wir den alten Weinort Hirschau, der 1204 erstmals als „Hirzouue“ erwähnt wurde. Durch seine lange Zugehörigkeit zur Grafschaft Hoheberg und damit Österreich blieb das Dorf und auch die Kirche St. Ägidius in der Reformation katholisch. Von den ehemals sechs Keltern steht nur noch die Riedkelter, früher Eigentum des Klosters Kreuzlingen am Bodensee. Falls wir oberhalb von uns einen prächtigen Hirsch entdecken, so ist das vermutlich kein lebendiger, sondern das Hirschauer Wappentier aus Metall.

Entlang des nun auch Blumbergweg genannten Wegabschnitts sehen wir zwischen den Sandsteinen immer wieder eingemauerte mittelalterliche Ziegel, die man in dieser Form „Mönche und Nonnen“ heute hauptsächlich noch in Südfrankreich und Spanien findet. Einige blühende Blaukissen an den Mauern geben im Frühling bunte Farbtupfer in der Landschaft.

Kurz vor dem Kapellenberg, mit der Wachholderheide und der Kapelle ein hinreisender Anblick, mündet der Pfad in einen asphaltierten Weg. Wir halten uns rechts, kommen hoch zum Sattel zwischen Kapellen- und Spitzberg. Nun geht es nach links, vorbei an einer Grillstelle und einem „goldenen Rahmen“, durch den man die Kapelle wie ein Gemälde betrachten kann und wir folgen dem Fußweg links hoch zur Kapelle.

Haben wir uns an dem Ausblick gründlich genossen, wandern wir den asphaltierten Kreuzweg mit schönen Blicken aufs Ammertal und den Schönbuch hinunter Richtung Wurmlingen. Wir kommen an neueren Teilen des Wurmlinger Friedhofs und verschiedenen Kreuzwegstationen vorbei. Nach der Kreuzwegstation VIII (Die Frauen von Jerusalem) biegen wir nach links und folgen nach wenigen Schritten dem geschotterten Naturlehrpfad mit Infotafel wiederum nach links. Die Ausblicke über die alten Weinbergmäuerchen hoch zur Kapelle und das Neckartal mit der Schwäbischen Alb im Hintergrund sind einmalig. Infotafeln geben immer wieder interessante Einblicke in die Arbeit der Weingärtner – „Wengerter“ –, die man hier besonders an Samstagen beim „Schaffa“ sieht. Neben historischen Daten wird vor allem über den aktuellen Weinbau im Jahreszyklus, dem Pflanzenschutz und den heute angebauten Weinsorten informiert. Die Rebflächen werden größtenteils im Nebenerwerb betrieben und der Wein wird von den Wegerter selbst vermarktet.

Wir kommen an einem steinernen Mühlespieltisch und einer kleinen Imkerei mit Honigverkauf vorbei und gelangen an einem Wegekreuz auf das asphaltierte Anliegersträßchen „Im Reutele“. Nun geht es nach rechts und wir erreichen bald wieder die ersten Häuser von Hirschau. Der Weg führt eine Zeitlang oberhalb der Wohnbebauung lang und an der Kreuzung mit dem Weinbergweg folgen wir diesem in gleicher Richtung durch ein schönes Wohngebiet. Es geht wieder hinunter zur Kingersheimer Straße, wo es mit dem Café-Bäcker Maier (Samstagnachmittags geschlossen) oder dem dahinter liegenden Gasthaus Löwen gute Einkehrmöglichkeiten gibt. Arndt Spieth

Tourlänge unfähr 5 Kilometer

Höhenunterschied: 135 Meter

Dauer: 1,5 Stunden

Arndt Spieth hat im Silberburg-Verlag den Wanderführer „Kreuz und quer durch Tübingen“ veröffentlicht.

Farbtupfer an der Weinbergmauer: Üppig blühende Blaukissen.

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Erstellt:
26. April 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
26. April 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. April 2017, 01:00 Uhr

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