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Winzeridylle mit Weitblicken

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung von Obertürkheim nach Uhlbach

23.10.2019

Schöner Blick auf den Obertürkheimer Ortskern mit Petruskirche und die Weinberge drumrum.

Wir beginnen diese besonders im goldenen Oktober wunderschöne Rundtour am S-Bahnhof Obertürkheim. Von dort gehen wir Richtung Obertürkheimer Ortszentrum und kommen über die Göppinger Straße zur Asangstraße. An der Kreuzung halten wir uns schräg rechts und folgen nach dem stattlichen Gebäude des ehemaligen Gasthof Ochsens aus dem 16./17. Jahrhundert der Rüderner Straße bergauf. Von ihr bekommen wir immer wieder herrliche Ausblicke auf den Obertürkheimer Ortskern mit der Petruskirche und den Weinbergen im Hintergrund. Die Kirche des 1251 erstmals erwähnten Weingärtnerdorfes entstand aus einer 1285 gebauten romanischen Wallfahrtskapelle und wurde 1484 zur gotischen Kirche erweitert.

Am Ende der Straße setzen wir unsere Tour über einen in gleicher Richtung weiterführenden Treppenweg fort, queren ein asphaltiertes Sträßchen und sehen schließlich linker Hand das Kriegerdenkmal des Turnvereins Obertürkheim und dem darüber liegenden Sportgelände.

Wer hier einen Abstecher zum Melac- oder Ailenbergturm machen möchte, hält sich nun scharf rechts und folgt dem anfangs asphaltierten Weg auf die kleine Ailenberg-Kuppe mit dem entzückenden Türmchen in herrlicher Aussichtslage. Dieser war 1574 als Lusthaus erbaut worden, vermutlich anstelle eines reichsstädtischen Wartturms, den die Esslinger zur Ausspähung der Württemberger erbauen ließen. Der Sage nach soll hier der Weingeist Schlurger hausen, der nachts durch die Weinberge der oberen Neckarvororte schlurft, schwäbisch „schlurgt“, um diese zu hüten. Dabei soll er besonders gerne Faulenzer erschrecken oder entführen und sein Erscheinen soll ein gutes Weinjahr ankündigen. Der Name des Turms erinnert auch an eine andere Geschichte. Angeblich hatte hier der französische General Ezéchiel de Mélac mit einem Esslinger Pfarrerstochter ein Rendezvous, die ihn töten wollte, um ihre Heimatstadt zu retten. Nachdem beim Gerangel er sie erdolchte, soll er große Reue empfunden und Esslingen von einer Zerstörung verschont haben.

Ansonsten gehen wir in gleicher Richtung weiter und halten uns an der nächsten Kreuzung schräg links. Dieser Weg führt uns hoch bis zu den westlichen Häusern des Esslinger Stadtteils Rüdern. Wir folgen nun der Uhlbacher Straße ortsauswärts und biegen nach rund 450 Metern, noch vor dem Uhlbacher Ortsschild, nach rechts in einen ebenfalls asphaltierten Weg ein und folgen ihm. Nun geht es für längere Zeit stetig leicht bergauf und wir bekommen immer wieder wunderschöne Blicke auf Uhlbach und Rotenberg mit den ausgedehnten Weinbergen und der Württemberg-Kapelle.

Wir folgen dem Hauptweg in ungefähr gleicher Richtung, steigen nicht bergab, und erreichen den Waldrand nach gut 1,2 Kilometer. Nun folgen wir dem anfangs gepflasterten und mit einem roten Kreuz gekennzeichneten Wanderweg bergab und erreichen bald die legendäre Waldschänke Siebenlinden. Ein guter Ort für eine gemütliche Einkehr. Danach wandern wir das Weinbergsträßchen links hinunter Richtung Uhlbach. Von dem beschilderten Weinlehrpfad haben wir weitere himmlische Ausblicke auf die umgebende Weinlandschaft. Oberhalb von Uhlbach schwenkt die Straße nach rechts und wir folgen dem alten gepflasterten Wengertweg hinunter in den alten Ortskern von Uhlbach

Nach kurzer Zeit kommen wir in die lauschige Herrengasse, wo wir uns links halten. Sie führt uns direkt hinunter zum Uhlbacher Platz mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten wunderschönen Fachwerk-Rathaus und der schön renovierten Kelter mit altem Kellergewölbe und dem Weinbaumuseum. Vor der evangelischen Andreaskirche steht der Urbanbrunnen von 1902 mit einem Uhlbacher Wengerter als Stellvertreter für den Heiligen. Die Inschrift „O heiliger Urban send uns Wein, wir wollen dafür dankbar sein“ ist fast ein Unikum in einem evangelischen Dorf.

Nun folgen wir der Uhlbacher Straße ortsauswärts und kommen an der 1924 erbauten Genossenschaftskelter, in der das Collegium Wirtemberg unter schmucken Kreuzgewölben den Wein der Weingärtnergenossenschaft Uhlbach verkauft. Sehr hübsch ist auch die ein paar Schritte weiter zu sehende Weinkellerei Konzelmann, die Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance gebaut wurde. Wie spazieren weiter und kommen an einigen schmucken Wengerterhäusern vorbei.

An der Kreuzung mit der Hegnachstraße bietet sich die Möglichkeit, über den Äckerlesweg zu einem Weinbergweg mit weiteren schönen Ausblicken bis zur Obertürkheimer Petruskirche zu wandern. Von dort kommt man über die Kirchsteige wieder hinunter in die Uhlbacher Straße. Ansonsten spazieren wir die schöne Uhlbacher Straße weiter, in der sich zunehmend alte und moderne Villen mischen. Dieser Teil Obertürkheims am Fuße der Weinberge war schon um 1900 ein beliebter Wohnort von Industriellen und höheren Beamten, und gehört auch heute noch zu den besseren Wohnlagen Stuttgarts.

Einige Villen entstanden im aufwändigen Schwarzwaldstil wie das 1902 nach Plänen von Albert Bauder entstandene Domizil Nr. 97. Schöne alte Zäune – mal mit, mal ohne Rost – mit gemauerten Pfosten umgeben noch immer die fast parkähnlichen Gärten. Schlossähnlich ist die Villa Kayser, die sich 1907 ein wohlhabender Holzhändler für sich und seine Familie gönnte. Eine Nachfahrin vom ihm war übrigens Anna Bosch, geborene Kayser, die erste Frau Robert Boschs. Schließlich erreichen wir das trotz einiger Bausünden noch recht idyllische Ortszentrum von Obertürkheim. Arndt Spieth

Tourenlänge 8 Kilometer

Höhenunterschied: 230 Meter

Gehzeit: 2,5 Stunden

Tourenstart und -ende:

S-Bahnhof Obertürkheim

ÖPNV: S1, Umstieg in Plochingen oder Esslingen auf die S-Bahn

Einkehrmöglichkeiten: Lokale und Cafés in Obertürkheim,

Waldschänke Siebenlinden,

Mittwoch ab 15 Uhr und Donnerstag geschlossen

Weinstube Café Löwen Uhlbach, Mittwoch geschlossen

Arndt Spieth ist Autor des „Stadtwanderführers Stuttgart von der City ins Grüne“ (Theiss)

Hübsche Villa in der Uhlbacher Straße in Obertürkheim.

Blick von Uhlbach auf die Weinberge. Bilder: Arndt Spieth

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Erstellt:
23. Oktober 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Oktober 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 01:00 Uhr

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