Krummstab, Ritter, Baumgiganten

Hinaus ins Grüne: Vom Bogentor übers Arenbachtal nach Hohenentringen

27.12.2018

Von Arndt Spieth

Schloss Hohenentringen ist eine schöne Einkehrmöglichkeit auf der Wanderung. Bilder: Arndt Spieth

Start- und Endpunkt dieser schönen Rundwanderung durch den südwestlichen Schönbuch ist der Wanderparkplatz Bogentor am Waldrand oberhalb von Hagelloch. Die Tour ist nicht allzu lange und daher auch für den Winter mit seinen kurzen Tagen gut geeignet. Wer mit dem Stadtbus kommt, fährt mit der Linie 8 oder 18 nach Hagelloch bis zur Bushaltestelle „Dornäckerweg“. Von dort geht es die Entringer Straße kurz bergauf bis zum Bogentor. Am Waldrand folgen wir dem mit einem roten Punkt gekennzeichneten Wanderweg links der Straße hinein in den 156 Quadratkilometer großen Naturpark.

Auf unserem Weg entdecken wir rechts alte Grenzsteine mit eingemeißeltem Krummstab (kleines Bild). Er war als einstigen Insignie der Äbte Symbol für das Kloster Bebenhausen. Etwas rätselhafter sind darauf die Buchstaben P und R. Sie stehen für den Pfleghof Roseck, denn das Schloss Roseck kam 1410 mit Jesingen zum Kloster Bebenhausen und wurde als Pflege eingerichtet.

Wir gehen den Waldweg mit dem roten Punkt weiter leicht bergauf und kommen an eine große Lichtung mitten im Schönbuch, der sogenannte Schweinhag. Hier schwenkt der Weg rechts hoch und verläuft eine Weile am Waldrand. Oben biegt der Wanderweg nach links, wir aber halten uns rechts, queren die Straße und folgen dem Herrschaftsweg. Vorbei an einigen fast 200-jährigen Eichen gehen wir für einige Zeit in die gleiche Richtung weiter und biegen nicht nach rechts ab. Schließlich führt uns der jetzt als „Krummerweg“ bezeichnete Schotterweg durch ein großes Gatter ins Rotwildgebiet des Schönbuchs.

Der Weg schwenkt immer mehr nach links und wir kommen ins urige Brockentäle hinunter. Auf der anderen Talseite biegt unser Schotterweg nach rechts und wir folgen dem in seinem natürlichen Bett mäandrierenden Bach bis zum Arenbach. Im idyllischen Arenbachtal halten wir uns auf der anderen Bachseite links und folgen dem asphaltierten Waldweg eine Weile bergauf.

Im herzoglichen und später königlichen Jagdrevier Schönbuch wurden etliche Alleen aus Eichen gepflanzt, die hier am Arenbach in einigen Abschnitten noch schön erhalten sind. Die feuchten Waldwiesen entlang des Bachs scheinen bei Wildschweinen ein beliebter Tummelplatz zu sein, denn sie werden immer wieder von ihren Rüsseln gründlich umgepflügt. Wir erreichen eine erste größere Kreuzung und folgen dem geschotterten Weinsteiglesweg links hoch durch den Wald.

(Wer gerne noch die Wildgehege am Saurucken besichtigen möchte, spaziert das Sträßchen am Arenbach entlang weiter. Am Saurucken mit seinen Wildgehegen geht es dann links hoch bis zum Waldparkplatz, wo man sich nochmals links hält, und der Ausschilderung nach Hohenentringen folgt.)

Der mitten im Wald etwas ungewöhnliche Flurname Weinsteigle weist darauf hin, dass auch hier im Mittelalter Wein angebaut wurde. Der geschotterte Weg führt uns erst links und dann wieder rechts hoch und wir streifen erst durchs südliche Weinsteigle und dann durch den Taubenheimer Wald. Dieser Name erinnert noch an den Grafen und Oberst-Stallmeister Wilhelm von Taubenheim, der im 19. Jahrhundert Eigentümer des Rittergutes Hohenentringen war. Er war der Schwiegersohn des Herzogs und württembergischen Kriegsministers Wilhelm von Württemberg und später Ehrenpräsident des Brunnenvereins Bad Cannstatt, weshalb dort im Kursaal noch ein Denkmal an ihn erinnert.

Nach dem Verlassen des Rotwildgebietes kommen wir an der früheren Imker-Vereinshütte vorbei, in der der Verein viele Bienenkörbe aufgestellt hatte und wo es auf der Wiese im Sommer immer summte und brummte. Schließlich erreichen wir den Waldrand und folgen dem asphaltierten Weg rechts hoch nach Schloss Hohenentringen, wobei wir auf dem Schotter- und Grasstreifen rechts des Sträßchens mit zum Teil schönen Ausblicken auf den Schönbuch wandern. Schließlich erreichen wir das Schloss, einer schönen Einkehrmöglichkeit auf der Runde. Die wechselvolle Geschichte der einstigen Burg begann wohl 1075 mit einem Adalbert von Antringen. Später gehörte sie (unter anderen) den Herren von Entringen, den Grafen von Zollern und den Markgrafen von Baden, den Pfalzgrafen von Tübingen, den Grafen und Herzögen von Württemberg und ab 1877 den Freiherren von Ow. Im heutigen Restaurant, hängen noch die Wappen der zahlreichen Besitzerfamilien und ein Bild erzählt die Geschichte aus dem Jahr 1417. Damals lebten hier fünf Ritterfamilien mit zusammen rund 100 Kindern.

Wir verlassen nun Hohenentringen wieder auf demselben Weg und folgen an einem kleinen Pferdehof dem Hauptwanderweg 5 nach rechts erst über Wiesen und dann durch den Wald Richtung Tübingen-Nordstadt. Im Wald ist der Weg wieder mit dem roten Punkt gekennzeichnet. Schließlich erreichen wir wieder den Schweinhag mit seinen Feldern und halten uns links. Rechts vom Weg sehen wir die kleine Schweinhaghütte mit einem kleinen Grillplatz hinter mächtigen Mammutbäumen.

Wir folgen nun weiter dem Wanderzeichen mit dem roten Punkt und kommen wieder auf zurück zum Ausgangspunkt, dem Bogentor. Arndt Spieth

Giganten des Königs:

die Mammutbäume am Schweinhag

Riesenmammutbäume, auch als Wellingtonien oder Sequoien bekannt, waren seit der letzten Eiszeit bei uns ausgestorben und Mitte des 19. Jahrhunderts war die Entdeckung der Baumriesen in der nordamerikanischen Sierra Nevada eine Sensation. Der württembergische König Wilhelm I. war ein ausgesprochener Naturliebhaber und von diesen Waldriesen so fasziniert, dass er unbedingt auch welche hier anpflanzen lassen wollte. Daraufhin bestellte die königliche Forstdirektion ihre Samen 1864 direkt in Kalifornien und ließ sie nach Stuttgart schicken. Weil man dachte, dass riesige Bäume große Samen haben, ließen die Förster gleich mal ein Pfund davon anliefern. Allerdings haben Mammutbäume winzige Samen und so kamen wohl an die 200 000 Stück hier an. Die Samen wurden von den königlichen Förstern und ihren Mitarbeitern im Kalthaus der Wilhelma ausgesät und dann als Setzlinge in geschützte Saatgärten gebracht. In Kriegsjahr 1870 kamen sie schließlich als Bäumchen hierher auf den Schweinhag, wo sie seither größer und größer werden.

Länge: 7,2 Kilometer

Höhenunterschied: 140 Meter

Dauer: 2 Stunden

Einkehrmöglichkeit: Schloss Hohenentringen (Mo + Di Ruhetag)

Buslinien: 8 und 18 (Haltestelle Dornäckerweg, Hagelloch)

Ein Grenzstein mit
eingemeißeltem Krummstab.

Schweinhaghütte mit Grillplatz und mächtigem Mammutbaum.

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Erstellt:
27. Dezember 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Dezember 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2018, 01:00 Uhr

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