Natur pur mit Geschichte(n)

Hinaus ins Grüne: Von Bebenhausen durch den südlichen Schönbuch

Diese herrliche Rundwanderung führt uns von Bebenhausen in einem großen Bogen am idyllischen Brühlbächle entlang bis zum Bannwald am Fohlenweidetraufweg.

14.07.2021

Gedenkkreuz für den auf dem Böblinger Sträßle verunglückten Forstwächter Konrad Hausch.

Unsere Wege führen hauptsächlich durch lichte Wälder, was das Wandern besonders während der Hochsommertage angenehm macht. Wir kommen durch eine sehr ursprüngliche Naturlandschaft, wodurch bei dieser Wanderung Naturinteressierte voll auf ihre Kosten kommen. Die Wege sind alle gut begehbar, aber Wanderschuhwerk und Trittsicherheit sind zu empfehlen.

Ein Highlight der Tour ist natürlich auch die Klosteranlage Bebenhausen. Das Kloster kann in eigener Regie besichtigt werden, die Besichtigung des Schlosses ist nur mit einer Führung möglich.

Startpunkt ist die Bushaltestelle „Bebenhausen Waldhorn“. Von hier wandern wir durch die Schönbuchstraße kurz hinein nach Bebenhausen und biegen an der nächsten Möglichkeit nach rechts zu dem öffentlichen Parkplatz. Dort angekommen sehen wir an der Ummauerung Treppenstufen, die uns erst in den inneren Mauerwall der einst gut befestigten Klosteranlage führen. Auf der anderen Seite öffnet sich ein Treppenaufgang, über den wir hoch ins Kloster steigen.

Oben angekommen halten wir uns wieder rechts und spazieren zwischen den ehemaligen Klausurgebäuden und dem Schloss, ursprünglich das Abtshaus, durch einen Durchgang mit gotischen Fenstern Richtung Norden. Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert für Prämonstratensermönche gegründet und bald darauf in eine Zisterzienserabtei umgewandelt. Später wurde ein Teil des Klosters vom württembergischen Hof in ein Jagdschloss umgewandelt. Schilder an den historischen Gebäuden geben Infos zu deren Geschichte.

Dann folgen wir in gleicher Richtung einem schmalen Weg zwischen Gärten und einem Forsthaus und verlassen die mauerumringte Klosteranlage über ein kleines Tor. Ab hier folgen wir der Böblinger Straße immer in nördliche Richtung. Wir kommen in den Wald hinunter zu einem kleinen Bächlein. Links davon sehen wir das Schwarzwildgehege, in dem die munteren, manchmal auch schlafenden „Schwarzkittel“ mit ihren Frischlingen oft aus nächste Nähe beobachtet werden können.

Wir folgen nun der Böblinger Straße weiter bergauf. Der Weg ist nun schmaler und wird jetzt als Sträßle bezeichnet. Dieser uralte Verbindungsweg vom Kloster Richtung Norden ist hier noch gepflastert und die Furchen auf den großen Sandsteinplatten haben sich durch die Gespanne im Laufe der Zeit tief eingegraben. Bei feuchter Witterung sind die Steine manchmal klitschig und so kam es, dass am 29.03.1883 der Forstwächter Konrad Hausch nach einer Wildschweinjagd hier ausrutschte. Dabei entlud sich sein umgehängtes Gewehr und traf in tödlich. Sein Gedenkkreuz steht noch immer am Wegrand.

Oben angekommen sehen wir links das Widenmann-Denkmal. Es erinnert an den Tübinger Forstwissenschaftler Wilhelm von Widenmann. Er war maßgeblich an der Wiederaufforstung der vollkommen übernutzten Schönbuch-Wälder beteiligt und gilt als ein bedeutender Forstpionier im deutschen Reich. Wir spazieren nun eine Weile auf dem Böblinger Sträßle kerzengerade durch den Wald bis links der Brühlklingenweg erscheint. Über ihn kommen wir, immer am murmelnden Brühlbächle entlang, durch ein herrliches Waldgebiet mit sumpfigen Wiesen und naturnahem Unterholzbewuchs.

In der Bachaue blüht an vielen Stellen der Baldrian und am Wegrand stehen Tollkirschenstauden (Atropa belladonna) mit ihren schwarzen, giftigen Beeren. Wir folgen diesem Weg immer in die ungefähr gleiche Richtung bis wir auf den Kohlbauweg stoßen, den wir nach links weitergehen. Nach gut 500 Metern biegt dieser Weg in den (nicht ausgeschilderten) Bretterzaunweg. Hier biegen wir scharf rechts ein und wir kommen auf dem immer in die gleiche Richtung führenden Weg durch eine urige Waldlandschaft.

Links erscheint bald ein große mit Rosskastanien bestandener lichter Wald, der noch an die einstigen Weidewälder mit Schattenbäumen für das Vieh erinnert. An den Wegrändern sehen wir kleine Tümpel und mit Wasser gefüllte Gräben. Sie bilden wertvolle Refugien für Amphibien wie die Gelbbauchunken. Die heute gefährdeten Unkenarten sind streng geschützt und die Tiere dürfen nicht beunruhigt werden oder gar ihre Kaulquappen gefangen werden. Nach einiger Zeit erreichen wir den Fohlenweidetraufweg in den wir nach links einbiegen.

Der Weg verläuft direkt oberhalb des 72,4 Hektar großen Bannwalds „Steinriegelhang“. Tote Bäume werden nicht mehr gefällt und auch sonst ruht jegliche Nutzung in diesem „Totalreservat“, das sich langsam in einen Urwald zurückverwandelt. Die besondere Aufmerksamkeit der Forstverwaltung gilt dabei der natürlichen Wiederbewaldung auf den Sturmwurfflächen (nach dem Sturm Lothar) und die gewonnenen Erkenntnisse sollen wichtige Entscheidungshilfen für die naturnahe Pflege des Wirtschaftswaldes geben. Überall liegen große und kleine Brocken des Rhätsandsteins herum und an den Wegrändern blüht jetzt im Juli der Rote Fingerhut, auch als Digitalis bekannt und ebenfalls giftig.

An einigen Stellen haben wir wunderbare Ausblicke auf das bewaldete Goldersbachtal. An einer Ruhebank erinnert eine Tafel an den Absturz einer Lancaster-Maschine an dieser Stelle. Der Bomber wurde am 29. Juli 1944 auf dem Anflug nach Stuttgart von einem deutschen Nachtfluggeschwader abgeschossen, wobei die ganze Besatzung ums Leben kam.

Wir wandern weiter und kommen über den Hauffsweg allmählich wieder hinunter ins Goldersbachtal. Kurz vor dem Waldrand folgen wir dem Wanderzeichen Gelber Kreis nach links. Nach dem Waldrand wandern wir weiter nach Bebenhausen. Beim ersten, mit hohen Hecken umfriedeten Gartengrundstück, früher das Sommerhäuschen „Gerhardsruh“ des Politikers Kurt Georg Kiesinger, können wir uns entscheiden, ob wir oberhalb der Klosteranlage auf dem Sträßle Im Jordan mit schönen Ausblicken auf das Kloster weiter- und dann wieder durch das kleine Tor zurückgehen, oder wir wählen den Weg rechts runter durch den Klosterort. Beim Mühlbach können wir nach links in die Schönbuchstraße abbiegen. Dort halten wir uns rechts und kommen an zwei guten Einkehrmöglichkeiten vorbei: die Sonne und etwas weiter hinten, der Landgasthof Hirsch. Nach dem Hirsch schwenkt die Schönbuchstraße nach links und führt uns zurück zum Ausgangspunkt. Arndt Spieth

Länge: 7,3 Kilometer

Höhenunterschied: 157 Meter

Gehzeit: 2,5 Stunde

ÖPNV: Buslinien 826, 826A, 828, Bushaltestelle Bebenhausen Waldhorn

Einkehrmöglichkeiten: Sonne und Hirsch in Bebenhausen

GPS-Track: https://out.ac/IZjadt

wanderwerkstatt.com

Roter Fingerhut (Digitalis) gibt’s auf der Wanderung durch den Schönbuch auch zu sehen.

Alte Wagenfurchen auf dem Böblinger Sträßle. Bilder: Arndt Spieth

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Erstellt:
14. Juli 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Juli 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2021, 01:00 Uhr

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