Bergeshöhen und Teufelsloch

Hinaus ins Grüne: Von Öschingen über den Filsenberg zum Bolberg

16.01.2019

Beim Teufelsloch: herrlicher Blick über Talheim zum Farrenberg. Bilder: Arndt Spieth

Herrliche Ausblicke erwarten uns auf unserer Wanderung von Öschingen zum Filsen- und Bolberg. Dabei kommen wir durch eine wunderschöne Berglandschaft, die zu den schneesichersten im Kreis Tübingen gehört.

Man hat also gute Chancen, hier einen schönen Wintertag zu erleben und bei klarer Fernsicht einen Blick auf den Schwarzwald und die schneebedeckten Gipfel der Schweizer und Allgäuer Alpen zu erhaschen. Anschließend wandern wir am Filsenberg über das Teufelsloch am Albtrauf oberhalb von Talheim vorbei nach Öschingen. Es gibt bei dieser Tour eine kurze Variante ohne den Aufstieg zum Bolberg, denn die Ausblicke beim Teufelsloch sind fast ebenso schön. Gutes Schuhwerk und Trittsicherheit sind vor allem bei Schnee und Glätte beim Abstieg am Hohenbarn sehr zu empfehlen. Ansonsten besser denselben Weg zurückwandern, auf dem man gekommen ist.

Wir beginnen diese Tour im Ortszentrum von Öschingen an der Bushaltestelle „Lamm“. Von dort geht es durch die Bolbergstraße bergauf und wir streifen durch den vielleicht schönsten Winkel von Öschingen mit alten Fachwerkhäusern und der evangelischen Martinskirche. Sie wurde 1813 erbaut und ist eine der besterhaltenen klassizistischen Kirchenbauten in der Region. Von der gotischen Vorgängerkirche steht nur noch der Turm. Sollte die Martinskirche unter der Woche verschlossen sein, kann man den Schlüssel im Pfarramt, Bolbergstraße 60, für eine Besichtigung holen. Nach dem Verlassen des bereits erstmals um 1100 erwähnten Ortes führt uns die Bolbergstraße weiter bergauf und wir wandern bald durch Streuobstwiesen.

An der nächsten Möglichkeit halten wir uns links und folgen dem mit dem Wanderzeichen Blaue Gabel gekennzeichneten Weg durch einen urwaldähnlichen Buchenwald auf die 805 Meter hohe Hochfläche des Naturschutzgebietes Filsenberg. Die karge Ebene wird aus Weißjura-Beta-Gesteinen gebildet. Ab März blühen hier auf den mageren Wiesen Küchenschellen und im Sommer unterschiedlichste Knabenkräuter, Enziane und andere seltene und bedrohte Pflanzenarten. Im Winter kann man hier bei blauem Himmel die Sonne und vielleicht auch den glitzernden Schnee oder Raureif genießen. An der beschilderten Wegkreuzung gibt es die Möglichkeit, den Bolberg-Aufstieg auszulassen und direkt zum Teufelsloch mit seinem Panoramablick (siehe unten) zu wandern. Ansonsten gehen wir geradeaus weiter und folgen ab dem Parkplatz dem Wiesenweg bis zum Waldrand. Hier führt uns der immer noch mit der Blauen Gabel gekennzeichnete Wanderweg mit gemächlicher, aber steter Steigung links hoch bis zum Rücken des Bolbergs. Diese Hochebene ist bewaldet und besteht geologisch aus Weißjura-Deltaschichten. Oben folgen wir kurz dem Weg mit dem roten Dreieck nach links und sind am 880,8 Meter hohen Bolberggipfel mit der Bolberghütte, wo uns an klaren Tagen eine wunderbare Aussicht den Aufstieg belohnt. In der Ferne sehen wir die Schwarzwaldhöhen mit der markanten Hornisgrinde. Rechts vorne erkennen wir die Hochhäuser der Tübinger Morgenstelle und das Schloss Hohentübingen.

Rechts unten sieht man den am 3. Juni 2013 entstandenen Bergrutsch, wodurch die darunter liegenden Wohnhäuser für mehrere Monate evakuiert werden mussten. Rechts oben davon thront der Aussichtsturm des 869 Meter hohen Rossbergs. Blicken wir wieder Richtung Westen, sehen wir die Türme der Burg Hohenzollern über dem Dreifürstenstein hervorlugen. Direkt dahinter erheben sich, jetzt meist schneebedeckt, der Feldberg (1493 Meter) und das Herzogenhorn (1415 Meter), die höchsten Berge Baden-Württembergs. Sie sieht man aber nur bei sehr guter Fernsicht.

Haben wir uns an den Ausblicken gründlich geweidet, wandern wir zurück. Wer hier oben einkehren möchte, könnte dies im gemütlichen Trent-Café Krone (rund 2 Kilometer entfernt) im Willmandinger Ortszentrum tun. Bei gutem Fernblick lohnt es sich beim Rückweg auf jeden Fall, einen kurzen Abstecher Richtung Willmandingen (der Ausschilderung erst links hoch und dann rechts folgen) zu machen. Direkt am Waldrand hat man an solchen Tagen einen fantastischen Blick auf die schneebedeckte Alpenkette. In den Wäldern am Bolberg findet man wie auch am Roßberg die „Alblinien“ (siehe Auschilderung zu den Schanzen). Diese Verteidungsschanzen wurden Anfang des 18. Jahrhunderts infolge des Spanischen Erbfolgekriegens ausgehoben, um das württembergische Kernland gegen ein wild zusammengewürfeltes Heer aus rund 55 000 französischen und bayrischen Soldaten zu verteidigen, das damals von Tuttlingen gen Osten zog. Zu Kämpfen kam es aber weder hier noch am Roßberg.

Anschließend wandern wir denselben Weg wieder hinunter zum Filsenberg und folgen dort am Meisenbühl der Ausschilderung nach links zum Teufelsloch. Von dem Aussichtsplatz mit den Ruhebänken haben wir einen herrlichen Blick über Talheim zum Farrenberg und die Schichtstufenlandschaft bis zu den Höhenzügen des Schwarzwaldes mit der Hornisgrinde.

Direkt unterhalb öffnet sich eine Schlucht, das Teufelsloch. Sie ist ein alb-typisches Höllenloch, wo durch Hangrutschungen ein tiefer Graben entstand. Unsere Vorfahren im Mittelalter vermuteten in solchen Vertiefungen und Höhlen Eingänge in die Hölle und mieden solche Orte. Daher auch die Namen. Nun wandern wir erst nach rechts, dann schwenkt der Weg am Trauf entlang nach links und schließlich wieder nach rechts und macht am Hohenbarn einen scharfen Linksschwenk. Der nun bergab führende Pfad ist mit einer blauen Raute markiert. Wir kommen im Zickzack mit weiteren schönen Ausblicken hinunter und folgen unten an einem Linksschwenk des markierten Wanderweges dem Schild Richtung Öschingen schräg nach rechts.

Nun geht es erst gerade und dann links hinunter zu einem breiteren Waldweg. An der T-Kreuzung halten wir uns kurz rechts und wandern dann nach wenigen Schritten links am Waldrand entlang hinab zum asphaltierten Sträßchen, wo wir uns rechts halten. Wir können nun entweder dem Sträßchen zurück bis zur Bolbergstraße folgen, oder an der nächsten Möglichkeit auf dem etwas kürzeren Grasweg links runter zwischen Streuobstwiesen zum Ausgangspunkt zurückwandern. Arndt Spieth

Länge: 9,1 Kilometer /

kurze Variante: 5,5 Kilometer

Höhenunterschied: 363 Meter / kurze Variante: 254 Meter

Gehzeit: 3 Stunden / 2 Stunden

ÖPNV: Buslinie 155 vom Mössinger Bahnhof, Haltestelle „Lamm“ in Öschingen

Parkplatz Pkw: am Friedhof, bei der Kreuzung Bolbergstraße, Meisenbühlring

Einkehrmöglichkeiten: Öschinger Krone, Trent-Café Krone (Willmandinger Ortszentrum: 3,8 Kilometer zusätzlich)

Spieth ist Autor des Wanderführers „Kreuz und quer durch Tübingen“.

Öschinger Bolbergstraße mit Fachwerkhäusern und Martinskirche.

Streuobstwiesen bei Öschingen.

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Erstellt:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 01:00 Uhr

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