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Unterhose mit Nebellöchern

Hinaus ins Grüne: ein Ausflug auf die Pfullinger Alb

Start- und Endpunkt dieser herrlichen Rundwanderung mit schönen Aussichtspunkten und der Nebelhöhle ist der Parkplatz Ruoffseck an der gleichnamigen Bushaltestelle: Das Ruoffseck liegt an der Straße „Stuhlsteige“ zwischen Genkingen und Pfullingen, 2 Kilometer ab Ortsausgang Genkingen.

18.03.2020

Die Onderhos’ – der eigenwillige Turm auf dem Schönberg – ist immer geöffnet und bietet eine tolle Rundsicht. Bilder: Arndt Spieth

Die Wege sind alle gut ausgeschildert. Es empfiehlt sich trotzdem eine Wanderkarte oder –app dabei zu haben. Besonders bei feuchter Witterung ist gutes und dichtes Schuhwerk wichtig, weil dann einige Wanderabschnitte matschig sein können.

Am Parkplatz Ruoffseck queren wir die Straße und wandern gleich links auf dem mit einem blauen Dreieck gekennzeichneten Waldweg. An der nächstgrößeren Kreuzung folgen wir dem mit einer roten Linie gekennzeichneten Hauptwanderweg 5 wiederum nach links. Nach einem schmalen Felsrücken gelangen wir auf die Wackersteinebene und bald führt uns ein ausgeschilderter Pfad nach links zum imposanten Felsmassiv des Wackersteins (825 Meter).

Von den Felsen aus haben wir einen herrlichen Blick auf den Trauf der Pfullinger Alb und, bei guter Sicht, die Höhenzüge des Nordschwarzwaldes mit der Hornisgrinde. Wir gehen zurück zum HW5 und wandern links hinunter zum „Hinteren Sättele“, einer zentralen Weggabelung mitten im Wald. Hier wählen wir den im blauen Dreieck gekennzeichneten mittleren Weg Richtung Norden. (Wer hier abkürzen mag, kann auch den rechten Weg direkt zum Schönbergturm wählen, muss aber auf demselben wieder zurückwandern). Das blaue Dreieck führt uns auf ungefähr gleicher Höhe am Hang des Schönbergs entlang. Nach circa 1,5 Kilometer kommen wir an eine Weggabelung und wir folgen den zum Schönbergturm ausgeschilderten Weg rechts hoch auf den 793 Meter hohen Schönberg mit seinem eigenwilligen Turm.

Der Doppelturm – im Volksmund „Pfullinger Onderhos“ genannt – wurde 1905 nach Plänen des an der TH Stuttgart tätigen Professor Theodor Fischer für den Schwäbischen Albverein erbaut. Er hat zwei Treppenhäuser, eines für den Auf-, das andere für den Abstieg, daher der Doppelturm. Der 26,4 Meter hohe Schönbergturm hat 108 Stufen, die zu einer 8,5 Meter breiten Galerie führen. Er ist immer geöffnet und die wunderschöne Rundsicht lohnt den Aufstieg unbedingt.

Bei schönem Wetter ist die Fahne an der Unterhose gehisst, und es gibt Getränke und Würste zum Grillen. Selbstverständlich kann man auch die große Feuerstelle nutzen und seine mitgebrachten Sachen verzehren. Tische und Bänke gibt es auf der Schönbergwiese genügend. Nun folgen wir dem ausgeschilderten Wanderweg Richtung „Hinteres Sättele“ und „Naturschutzgebiet Won“. Nach dem Hinteren Sättele geht‘s weiter auf dem mit dem blauen Dreieck gekennzeichneten Hangweg unterhalb kleiner Felsformationen, bis wir die welligen Wiesen des Wons erreichen. Der Won ist seit 1993 Naturschutzgebiet und die zwischen 770 und 820 Meter hoch gelegene Wiesen- und Weideflächen sind durch jahrhundertelange Weidewirtschaft entstanden. In der wärmeren Jahreszeit weiden hier für den Naturschutz Schafherden, damit das ökologisch wertvolle Gelände nicht zuwächst. Gleich am Waldrand folgen wir dem HW5 nach links Richtung Nebelhöhle und gehen über die Wonhochfläche. Nach den offenen Wiesen spazieren wir nun wieder in den Wald und unser Weg führt kurz am Trauf entlang. Tief unten sieht man das Reißenbachtal und den Ort Lichtenstein. Schließlich erreichen wir die Nebelhöhle und eine Einkehrmöglichkeit auf unserer Tour, den „Maultaschenwirt“. Höhle und Lokal sind im März an den Wochenenden und ab 1. April täglich geöffnet.

Nach einem eventuellen Besuch der Nebelhöhle oder der Gaststätte wandern wir auf dem Hauptwanderweg 1 (rotes Dreieck) durch den Rössleshart hinunter zum Ausgangspunkt am Ruoffseck.

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Info Nebelhöhle

Die Nebelhöhle ist nicht nur eine der längsten und schönsten, sondern auch eine der ältesten Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb. Bei den Bewohnern in den umliegenden Orten war sie schon lange bekannt. 1596 berichtete der Tübinger Geschichtsschreiber Martin Crusius, dass „darein die Leuthe offt mit Lichtern gegangen und kein Ende haben finden können.“

Im Jahr 1486 wurde erstmals das sogenannte Nebelloch erwähnt, ein breites Felsportal in der Höhlenwand, durch das Tageslicht in die Höhle fiel. Der Name entstand, weil besonders im Winter Nebel aus diesem Loch aufstieg. Dieser Nebel entsteht, wenn die feuchte und relativ warme Höhlenluft beim Aufsteigen auf kältere Außentemperaturen trifft und kondensiert. Damals brachte man solche unbekannten Löcher mit der Hölle in Verbindung und das Nebelloch war deshalb vielen nicht geheuer. Doch die Popularität wuchs und 1715 wird eine erste ausführliche Beschreibung der Höhle herausgegeben, weil – so die Begründung – fast täglich einzelne Personen und kleinere Gruppen die Höhle besuchten.

1803 baute man das Nebelloch für den Besuch des späteren württembergischen König Friedrich I. zu einem bequem begehbaren Eingang aus und seither wird hier an Pfingstmontagen regelmäßig das Nebelhöhlenfest gefeiert. Den letzten Anstoß zum Massentourismus gab der 1826 erschienene Roman „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff, in dem Hauff den landflüchtigen Herzog Ulrich von Württemberg in der Nebelhöhle Unterschlupf finden lässt. An Pfingstmontagen sollen damals 30 000 und mehr die Höhle besucht haben. Der Höhlentourismus hat hier also eine lange Tradition. Tropfsteine waren damals leider ein beliebtes Mitbringsel und so verschwanden viele der schönen Tropfsteine und vermutlich auch Funde der Ur- und Frühgeschichte aus der Höhle. Noch 1961 sägte man dort einen über 4,5 Meter hohen Tropfstein ab und verwendete die Scheiben für den Wiederaufbau des Treppenhauses im Neuen Schloss in Stuttgart. Man hatte nämlich festgestellt, dass die großen Schmuckfelder über den Treppenaufgängen mit Tropfsteinschmuck aus den Höhlen der Schwäbischen Alb gefüllt waren. Heute hat man den Vorteil, dass man die Höhle ohne Führungen besichtigen darf. Sie ist 803 Meter lang und für die Besucher bis auf 430 Meter erschlossen.

Arndt Spieth

Gehzeit: knapp 4 Stunden

Länge: circa 9,2 Kilometer

Höhenunterschiede: 400 Meter

Einkehrmöglichkeit: Maultaschenwirt an der Nebelhöhle

ÖPNV: Mit der Bahn nach Reutlingen. Anschließende Weiterfahrt mit dem Bus Linie 7635 in Richtung Erpfingen. Der Bus hält nach 20 Minuten direkt am Ruoffseck.

PKW: Parkplatz Ruoffseck

So spektakulär ist der Wanderweg auf der Pfullinger Alb.

Weite Blicke auf die Alb vom Felsmassiv des Wackersteins.

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Erstellt:
18. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. März 2020, 01:00 Uhr

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