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Kalktuffe und Enziane

Hinaus ins Grüne: von Gönningen über das obere Wiesaztal zum Rossberg

29.05.2019

Von Arndt Spieth

Auf dieser Wanderung gibt es jede Menge Wasserfälle zu sehen.

Diese herrliche Rundwanderung führt über das zauberhafte Tuffsteintal der oberen Wiesaz hoch zum Rossberg. Mit seinen Wasserfällen, der Kalktufflandschaft und schönen Aussichtspunkten zählt sie zu meinen Lieblingstouren und sie ist mit den vielen Buchenwäldern im Frühling besonders schön. Da der Aufstieg bisher noch nicht als Wander- oder Premiumweg markiert ist, kann man hier die Natur noch in aller Ruhe genießen.

Start- und Zielpunkt ist das Gönninger Rathaus. Wir wandern erst durch die Torstraße und dann die Straße „Im Ländle“ durch das idyllische Wohnviertel „Ländle“ mit alten Häuschen und kleinen Gärten der früheren Gönninger Samenhändler. Ab dem Ortsrand hier folgen wir dem mit einem blauen „T“ gekennzeichneten Tuffstein-Lehrpfad Richtung Gönninger Seen und Wiesazquelle. 10 Schautafeln informieren über die Entstehung und die Bedeutung des Gönninger Tuffsteins und seinen Abbau beziehungsweise die Nutzung als wertvollen Baustein weit über die Grenzen des Wiesaztales hinaus. Bei der Abzweigung zum Tulpencafé passieren wir den ersten Wasserfall auf unserer Wanderung, den „Gönninger Wasserfall“. Austretende kalkhaltige Quellwässer bildeten hier entlang der oberen Wiesaz überall die am und im Wasser sichtbaren Kalktuffe.

Noch vor den malerischen Gönninger Seen schwenkt unser Weg nach rechts und folgt weiter der oberen Wiesaz, die hier immer wieder kleine Wasserfälle und Stromschnellen bildet. Nach den Seen öffnet sich links eine kleine Wiese. Wir erreichen den Waldrand, wo uns Stufen rechts hinunter führen und wir dem Lauf der munteren Wiesaz weiter folgen können. Nach einigen Schritten gelangen wir zu einem Wasserfall mit einem begleitenden Pfad, dem wir bald nach links oben folgen. Zuvor kann man sich hier unten noch etwas umschauen. Kleinere Wege führen an glasklaren Weihern vorbei, die hier nach der Aufgabe der Steinbrüche entstanden sind. Wir gehen nun am Wasserfall hoch und folgen dem Lehrpfad weiter in einem Bogen nach rechts.

Nach einigen Schritten erreichen wir eine Wegkreuzung mit einem Schild, das nach links Richtung Wiesazquelle weist. Hier gehen wir geradeaus weiter und umrunden das alte Steinbruchgelände in einem Rechtsbogen auf dem Biegelweg. Nun geht es ein Stück durch den Wald, und wir kommen bald zu einem Seitentälchen. Hier folgen wir erst dem Biegelweg nach links und dann dem ansteigenden Klingenwaldweg (später als Bernlochweg bezeichnet) für längere Zeit bergauf entlang des im Sommer ausgetrockneten Ahornbaches.

An einer kleinen Wegekreuzung wandern wir in gleicher Richtung weiter, allerdings verläuft der Weg nun links der Waldklinge. Etwas weiter oben müssen wir ein paar im letzten Winter umgestürzte Bäume umrunden beziehungsweise über sie steigen. Dann schwenkt der Bernlochweg rechts hoch und mündet in einen anderen Weg ein. Wir folgen diesem in gleicher Wanderrichtung und erreichen oben auf der Albhochfläche ein Sträßchen. Hier gehen wir ein paar Schritte nach links, queren die Straße und spazieren den mit einem roten Dreieck markierten Wanderweg Richtung Wanderheim Rossberg. Wir streifen dabei durch die blumenreichen Rossbergwiesen auf dem Rossfeld mit herrlichen Ausblicken auf den Albtrauf und den Rossberg mit seinem markanten Aussichtsturm.

Durch die trockenen, mageren Böden und die regelmäßige Schafbeweidung hat sich hier eine besondere Flora mit vielen seltenen Pflanzenarten ausgebildet. Im Frühjahr entdecken wir hier beispielsweise die intensiv blauen Frühlings-Enziane (Gentiana verna), später auch die violetten Deutschen Enziane (Gentianella germanica) und den blauen Fransenenzian (Gentianopsis ciliata).

Nach dem Parkplatz erreichen wir den bewaldeten Fuß des 869 Meter hohen Rossbergs. Ab hier folgen wir dem mit einem blauen Dreieck ausgeschilderten Wanderpfad hoch bis zum Wanderheim Rossberg, eine nette Einkehrmöglichkeit auf unserer Tour. Besonders oben, vom 28 Meter hohen Turm aus, hat man einen herrlichen Rundblick über das weite Land. Bei klarer Sicht sehen wir im Süden die Schweizer und Allgäuer Alpen, die im Mai noch vielfach schneebedeckt sind. Nach einer eventuellen Rast und Einkehr folgen wir dem blauen Dreieck auf derselben Strecke den Hang des Rossbergs wieder hinunter bis zum Waldrand. Ab da führt er links über eine Wiesenmulde hinunter in den Wald wo er uns, weiter mit dem blauen Wanderzeichen ausgeschildert, wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Gönninger Rathaus führt.

Gönninger Kalktuff

Die Ablagerung von Kalk als Kalktuff entsteht vor allem hinter kalten Schichtquellen im Karstgebiet der Jurakalke. Im Wiesaztal kam und kommt es seit der Erwärmung nach der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren zu solchen Ablagerungen. Die Ausfällung von Kalk aus Karstwasser hängt im Wesentlichen von den klimatischen und geologischen Bedingungen ab, es spielen aber zahlreiche weitere Faktoren mit. Fließt Karstwasser zum Beispiel über Moos- oder Algenteppiche, kann eine größere Kalkmenge ausgefällt werden, wenn Organismen für ihre Photosynthese dem Karstwasser Kohlenstoffdioxid entziehen.

Die Tuff-Strukturen sind poröser und leichter, wenn Moose hier eine Rolle spielten und sie der Wasserströmung widerstehen konnten. Die günstigsten klimatischen Bedingungen zur Kalktuffbildung bestanden während der rund 2000 Jahre andauernden Phase des postglaziären Atlantikums (vor rund 8000 bis 6000 Jahren). Damals lagen die durchschnittlichen Temperaturen in Mitteleuropa circa 2 Grad höher als heute, und es war niederschlagsreicher. In dieser Zeit wuchs der Kalktuff schon nach wenigen Jahrhunderten zu mächtigen Gebilden, den so genannten „Kalktuffbarren“, wie man sie auch im Wiesaztal häufig vorfindet.

Der Gönninger Kalktuff ist widerstandsfähig und gut zu bearbeiten und war daher lange ein beliebter Werkstein. Zahlreiche Gebäude wie die Gönninger Kirche sowie die ehemaligen Steinbrüche im Oberlauf der Wiesaz zeugen davon. Auch die Gönninger Seen verdanken ihre Entstehung diesem Abbau. Die Steine wurden anfangs in mühsamer Handarbeit mit Keilen und Holzschlegeln aus dem Fels herausgehauen und danach im feuchten Zustand mit Sägen zu Mauersteinen verarbeitet. Ab 1912 verarbeitete man die Steine mit diesel- und strombetriebenen Maschinen, eine wesentlich rationellere und effektivere Methode und die Steine waren zudem noch gleichmäßiger geformt.

Arndt Spieth

Länge 10,5 Kilometer

Höhenunterschiede: 330 Meter

Gehzeit: 3,5 Stunden

Einkehrmöglichkeiten:

Wanderheim Rossberg

Tulpencafé im Gönninger Seniorenzentrum

Kulturgaststätte Schwan, Hauptstraße 12: ab 17 Uhr

ÖPNV: Bus 155 vom Bahnhof Mössingen oder Hauptbahnhof Reutlingen, Haltestelle „Gönningen Rathaus“

Arndt Spieth hat mehrere Wanderführer veröffentlicht, unter anderem im Silberburgverlag den Stadtwanderführer „Kreuz und quer durch Tübingen“ .

Selfie beim Wanderheim auf dem Rossberg. Bilder: Arndt Spieth

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Erstellt:
29. Mai 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Mai 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 01:00 Uhr

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