Bachidyll und Weitblick

Hinaus ins Grüne: von Gomaringen zum Aussichtsparadies Plattach

Diese Wandertour abseits der gut frequentierten Premiumwanderwege bietet eine große Vielfalt an schönen Natureindrücken und herrlichen Ausblicken. Die gut ausgeschilderten Wege sind auch bei feuchter Witterung gut begehbar, gutes Schuhwerk ist aber trotzdem zu empfehlen.

25.11.2020

Nicht besonders viel Wasser, aber mit richtiger Schleife: der Gomaringer Erdmannsbach.

Wir beginnen diese auch im Spätherbst wunderbare Rundwanderung bei Gomaringen am Parkplatz der Freizeitanlage Buchbach. Den Wanderparkplatz erreicht man, wenn man in Gomaringen der Öschinger Straße ortsauswärts nach Osten folgt. In der Albert-Schweizerstraße macht die Öschinger Straße einen Versatz – es geht hier kurz nach links und dann nach rechts Richtung Kleintierzüchterverein, wo der Weg zum Parkplatz links dran vorbei führt. Vom Startpunkt „Parkplatz“ wandern wir die Zufahrtsstraße ein paar Schritte zurück und folgen dem Wanderschild nach links über die Wiesen Richtung Parkplatz Kohlgrube. An einem Waldkindergarten kommen wir in den Wald und gehen auf einem idyllischen Pfad entlang des Erdmannsbachs, der sich in der lauschigen Waldaue hin und her schlängelt.

Wir folgen hier den Wanderzeichen blaues Dreieck und dem gelben Kreis bis zum Parkplatz Kohlgrube. Dort halten wir uns links und spazieren den mit einem Fahrradzeichen gekennzeichneten, geschotterten Salachweg geradeaus in den Wald hinein. Der Flurname Kohlgrube erinnert noch daran, dass hier früher Köhler in einer Grube das Holz der umliegenden Wälder einem Grubenmeiler mit tagelangem Schwelbrande zu Holzkohle verarbeitet haben. Nach einigen Schritten queren wir die kleine Salach und unser Wanderweg führt durch einen moosigen Fichtenhain hoch zum Öschinger Rain. Ein paar rote Fliegenpilze blitzen wie kleine Signalampeln aus dem grünen Moosteppich.

Oben angekommen biegen wir vor der Fahrstraße nach links und folgen dem asphaltierten Begleitweg bis zum nächsten Wanderparkplatz. Ab hier folgen wir dem Wanderzeichen mit dem liegenden blauen Ypsilon durch die als Ackerland genutzten Hochflächen Stockach und Plattach. Von hier haben wir bald herrliche Ausblicke auf den Albtrauf und die Albvorberge wie dem 593 Meter hohen Käpfle beim Hofgut Alteburg, das gut an seinem Aussichtsturm erkennbar ist. Rechts daneben lugt bald die Reutlinger Achalm hervor. Am bewaldeten Hundsrücken schwenkt unser Wanderweg nach rechts und wir bekommen einen schönen Blick auf Gönningen mit dem 736 Meter hohen Stöffelberg im Hintergrund. Ganz rechts erhebt sich der markante, 869 Meter hohe Roßberg. Mit seinem Aussichtsturm ist er eine weithin sichtbare Landmarke. Wir folgen weiter dem asphaltierten Wanderweg. An einem blickdicht eingefriedeten Gartengrundstück gabelt sich der Feldweg und wir wählen den linken Weg. Nach kurzer Zeit erreichen wir eine Schutzhütte und folgen ab hier dem mit einer blauen Raute gekennzeichneten Wanderweg nach links. Er führt direkt durch den Plattach, eine fruchtbare, zur Gemarkung Gönningen und Bronnweiler gehörende landwirtschaftlich genutzte Fläche. Diese große Verebnung am Albtrauf entsteht durch die Kalksandsteine des Blaukalks der Wedelsandstein-Formation (früher wurden sie als Braunjura gamma klassifiziert) und die sie überlagernde Lösslehme auf dem 533 Meter ü. NN liegenden Plattach sorgen für ein gutes Nährstoffvorkommen.

Wir erreichen den Waldrand und unser Wanderweg führt uns links hinunter durch einen Buchenmischwald. Etwas weiter unten kommen wir auf einen breiteren Waldweg, halten uns schräg links und folgen nach wenigen Schritten weiter dem Wanderweg mit der blauen Raute nach links Richtung Friedensbuche. Dieses imposante Naturdenkmal musste leider vor einigen Jahren gefällt werden, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Der mächtige Friedensmahner wurde aber inzwischen durch eine neue Rotbuche ersetzt. Vom lauschigen Plätzchen am Waldrand hat man einen schönen Ausblick auf Gomaringen mit der weithin sichtbaren evangelischen Kirche und dem aus dem Mittelalter stammenden Gomaringer Schloss.

Wir folgen weiter dem Wanderzeichen „Blaue Raute“ und erreichen am Ende wieder das Anwesen des Gomaringer Kleintierzüchtervereins. Zum Parkplatz geht es hier nach links und wer zurück nach Gomaringen möchte, hält sich hier rechts.

Info: Gomaringen:

Schloss und Kirche

und Gustav Schwab

Im Jahre 1191, nach dem Aussterben der Grafen von Achalm, sind erstmals Angehörige des sich nach Gomaringen nennenden Ortsadels urkundlich nachweisbar. Dies waren Friedericus und Hugo de Gomaringen, die im Dienst des Pfalzgrafen von Tübingen standen. Der zweiflügelige Hauptbau mit hohem Steinsockel mit romanischen und gotischen Elementen wurde im 13. Jahrhundert für die Herren von Gomaringen errichtet. Um 1590 wurde die Burganlage zum Renaissanceschloss umgebaut und der stattliche Bergfried wurde 1697 abgebrochen. Er war für ein Schloss nicht mehr zeitgemäß.

Bis 1807 war Gomaringen herzogliches Kammerschreibereigut, also direkt dem Fürsten unterstellt und wurde durch Vögte vom Schloss aus verwaltet. Nach 1807 wurde der stattliche Bau zum Pfarrhaus und ab 1994 fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt, die dem historischen Bau wieder einen würdigen Glanz verliehen. Heute befindet sich dort eine Dauerausstellung zu Gustav Schwab, einem der bedeutendsten Dichter des 19. Jahrhunderts. Der in der Stuttgarter Königstraße geborene Pfarrer und Schriftsteller lebte hier von 1837 bis 1841, als er in Gomaringen seine Pfarrstelle innehatte. Während seiner Gomaringer Zeit hat Schwab auch die großen Epen der Antike von 1838 bis 1840 aus Originaltexten zusammengetragen, ins Deutsche übersetzt und nacherzählt. Seine „Sagen des klassischen Altertums“ gelten bis heute als die maßgebliche Sammlung antiker Mythen in deutscher Sprache. Gomaringen selbst ging es im 19. Jahrhundert wirtschaftlich nicht besonders, weshalb damals über 800 Bewohner vor allem in die USA ausgewanderten. Die Oberamtsbeschreibung von 1824 bezeichnete das vom Pietismus geprägte Gomaringen als die „ärmste und kinderreichste Gemeinde“ im Bezirk.

Die jetzige evangelische Kirche wurde 1840 vom Reutlinger Stadtbaumeister Johann Georg Rupp klassizistisch im „Finanzkammer- oder Kameralamtsstil“ errichtet. Damals waren die Kameralämter im Königreich Württemberg für Bau und Unterhalt von Kirche und Pfarrhaus zuständig und ihre neu errichteten Gotteshäuser zeichneten sich besonders durch Sparsamkeit aus. Kein „unnötiger Schnickschnack“, sondern protestantische Einfachheit prägte diesen württembergischen Kirchenstil. Diese Kirchen sind im Aufbau alle ähnlich und greifen in ihrer Struktur reformatorische Ideen auf. Mit ihren umlaufende Holzemporen an drei Seiten mit direktem Blick auf Altartisch und Kanzel erinnern diese „Predigtkirchen“ an Betsäle der Herrnhuter Brüdergemeinde.

Arndt Spieth

Länge: 7,6 Kilometer

Gehzeit: 2,5 Stunden

Höhenunterschiede: 135 Meter

ÖPNV: Buslinien 111, 7612, 7625, N84, Bushaltestelle „Öschinger Straße“

GPS-Track: https://out.ac/wcEIt

Herbstlicher Ausblick auf Gomaringen. Bilder: Arndt Spieth

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Erstellt:
25. November 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2020, 01:00 Uhr

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