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Fachwerkhäuser und Rundblicke

Hinaus ins Grüne: von Herrenberg zum Schönbuchturm

11.07.2018

Wir beginnen diese vielseitige Wandertour am Bahnhof in Herrenberg und spazieren auf der Bahnhof- und Horber Straße stadteinwärts. Nach Querung des vielbefahrenen Reinhold-Schick-Platzes gehen wir die Bronngasse hoch bis zum Marktplatz von Herrenberg, dessen Altstadt mit seinen verwunschenen Staffelwegen an den Ausläufern des Schlossbergs zu den schönsten in Württemberg zählt.

Oberhalb vom Marktplatz geht’s weiter und wir steigen zwischen den liebevoll renovierten Fachwerkhäuschen den Schlossberg hinauf zur Stiftskirche. Der mächtige Kirchenbau entstand ab 1276 und war damals die erste große Hallenkirche Württembergs. Da der Berg infolge des Gipskeupers instabil ist und sich auch durch das Gewicht der Kirche Richtung Altstadt bewegt, brach man schon im 18. Jahrhundert die gotischen Doppeltürme ab und kürte das wuchtige Westwerk durch eine luftige Barockzwiebel, eine ungewöhnliche Kombination. Später waren weitere umfangreiche Sanierungs- und Stabilisierungsmaßnahmen am Bau und Berg notwendig, um Kirche und darunter liegende Wohnhäuser zu retten. Durch das eigenwillige Aussehen der Kirche wurde die „Glucke vom Gäu“ bald zum Wahrzeichen der ganzen Region. Eine Besichtigung lohnt sich – im Inneren gibt es viele Kostbarkeiten wie kunstvolle Ephitate reicher Herrenberger Familien oder das handgeschnitzte Chorgestühl aus der Gotik. Das einstige Highlight, der um 1519 von Jörg Ratgeb geschaffene Hochaltar, ist heute ein Glanzstück der Stuttgarter Staatsgalerie.

Wir wandern weiter bergauf und folgen den Wanderzeichen (Martinusweg und roter Punkt) zwischen den beiden Stadtmauern auf dem Jerg-Ratgeb-Skulpturenpfad hoch zum Schlossberg. 21 Kunstobjekte von 18 Künstlern zum Thema Ratgeb und Bauernkrieg säumen den Pfad. Auf der Hochfläche sehen wir noch einige Mauerreste des im 19. Jahrhundert abgerissenen Stadtschlosses und vom umgebauten Pulverturm haben wir eine herrliche Aussicht auf die Altstadt und das Gäu.

Auf der Ostseite, unterhalb der Mauer, liegt das Aussichtslokal Schlosskeller mit seinem schönen Biergarten. Eine erste Einkehrmöglichkeit hier oben. Unser Weg führt uns nun auf dem Rücken des Schlossbergs, vorbei an alten Schilfsandsteinbrüchen, zu einer mächtigen Eiche. Sie wurde hier im „Roten Meer“ vor 350 Jahren als Schattenspender für die einstige Vieh- und Schafweide gepflanzt. Hier beginnt ein Naturlehrpfad mit interessanten Infos zum Beispiel zur Schafbeweidung. Weiter oben begegnen wir mehr und mehr Spaziergängern und Gruppen mit Kindern. Der „Waldseilgarten“ ist ein erster starker Publikumsmagnet, vor allem an Wochenenden. Am Eingang gibt es einen Imbiss, eine weitere Einkehrmöglichkeit und eine dritte haben wir etwas weiter oben mit dem Naturfreundehaus.

Wir queren dort den großen Parkplatz und folgen dem Weg gegenüber mit Infotafeln bergauf zum brandneuen Highlight, dem Schönbuchturm auf dem 580,33 Meter hohen Stellberg. 348 Stufen winden sich spiralenförmig auf die 35 Meter hohe, obere Plattform. Faszinierend sind sowohl die Holzbalkenkonstruktion als auch die Ausblicke von den drei Plattformen und den für manche schwindelerregenden Auf- und Abgängen. Bei guter Sicht sehen wir im Süden die lange ‚blaue Mauer‘ der Schwäbischen Alb. Im Westen erheben sich die bewaldeten Höhen des Schwarzwaldes mit der Hornisgrinde, gut erkennbar an der markanten Form und dem hohen Sendemast in der Mitte. Richtung Norden scheint der Wald endlos zu sein und bis zu den Hochhausvierteln von Stuttgart zu reichen. Nach diesem schönen Rundum-Ausblick, gehen wir den Weg wieder Richtung Waldseilgarten.

Auf Höhe des Biergartens vom Naturfreundehaus können wir uns entscheiden, ob wir wieder zurück nach Herrenberg wandern, oder eine längere Tour machen möchten und dabei dem Hauptwanderwerg 5 (HW5) Richtung Schloss Hohenentringen bis nach Entringen folgen. Entscheiden wir uns für letzteres, wandern wir rechts am Waldfriedhof vorbei und halten uns immer an das HW5-Wanderzeichen mit dem roten Balken. Der HW5 verbindet die Landschaftsräume Schwarzwald, Schwäbische Alb und Allgäu miteinander und endet schließlich am Schwarzen Grat bei Isny. Am Mönchberger Sattel gibt es mit den Sportgaststätten weitere Einkehrmöglichkeiten. Einen schönen Aussichtspunkt erreichen wir am 550 Meter hohen Grafenberg. Von diesem als Naturschutzgebiet ausgewiesene Bergsporn, an dessen Hängen lange Wein angebaut wurde, haben wir herrliche Ausblicke auf die uns zu Füßen liegenden früheren Weinorte Mönchberg und Kayh.

Wir gehen weiter über den Kayher Sattel zur Burgruine Müneck. Von dem ehemaligen Burgstall der Herren von Müneck und Dienstmannen der Pfalzgrafen von Tübingen aus dem 11. und 12. Jahrhundert ist bis auf Wälle und Gräben kaum noch etwas zu sehen. Dafür bietet der Aussichtspunkt oberhalb des Naturschutzgebiets einen atemberaubenden Blick ins Tal und auf die gegenüberliegende Wurmlinger Kapelle. Wir gehen weiter und kommen zu einem Aussichtshang am 546 Meter hohen Schönbuchspitz. Der Weg verläuft hier oberhalb der Entringer Weinberge und bietet weitere Rundblicke von der Schwäbischen Alb über das Gäu bis zum Nordschwarzwald. Am Parkplatz Saurucken halten wir uns rechts und wandern hinunter nach Entringen. Vorbei an guten Einkehrmöglichkeiten, dem Café Restaurant Gärtle mit lauschigem Cafégarten und ganz unten dem Café Schmoll, erreichen wir den Entringer Bahnhof. Von hier können wir mit der Ammertalbahn wieder bequem unsere Heimfahrt antreten. Arndt Spieth

Länge: 9 Kilometer (Schönbuchturm und zurück), 20 km bis Bahnhof Entringen

Gehzeit: 3 Stunden, lange Tour 5,5 Stunden

Höhenunterschiede: 140 Meter, lange Tour 209 Meter

Einkehrmöglichkeiten: Altstadt Herrenberg, Lokale am Schlossberg, Naturfreundehaus, Sportgaststätten am Mönchberger Sattel und Saurucken, Gärtle und Café Schmoll in Entringen

ÖPNV: Ammertalbahn

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11.07.2018, 01:00 Uhr
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