Der Kommentar

Immun gegen Impfwerbung

21.07.2021

Von Angelika Brieschke

Endlich ist genügend Corona-Impfstoff da. Jede und jeder Impfwillige kann nun problemlos einen Termin erhalten oder sogar ohne Termin im Impfzentrum vorbeischauen. Da sollte das Impftempo doch rasant anziehen. Aber weit gefehlt, ausgerechnet jetzt wollen sich immer weniger piksen lassen.

Um dieser Impfmüdigkeit zu begegnen, kramt die Politik mal wieder das Mittel raus, dessen Hauptmerkmal unklare Erfolgsquoten sind: eine Werbekampagne.

Ganz ehrlich: Ich habe in letzter Zeit eigentlich genügend nackte Oberarme mit hochgekrempeltem Ärmel gesehen. Eine solche Werbekampagne können wir uns schlankweg sparen und wir sollten dringend anfangen zu sparen. Schließlich haben wir in dieser Pandemie schon unglaublich viel unnützes Geld ausgegeben: für fehlerhafte Masken, für überteuerte Masken, für die Maskenvermittlung durch schamfreie Politiker, für betrügerische Schnelltester, für überteuerte Schnelltester, für die Corona-Warn-App und für etliche aufwändige Werbekampagnen.

Schon im Februar gab es eine Impf-Werbekampagne der Bundesregierung mit bekannten Persönlichkeiten, die einen Oberarm mit neckisch hochgezogenem Ärmel zeigten, Motto: „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“. Damals war der Corona-Impfstoff noch ein sehr rares Gut, was der ganzen Kampagne einen leicht zynischen Anstrich verpasste, schließlich verzweifelten zu dieser Zeit noch sehr viele hochgradig gefährdete Ältere an der Telefonhotline und der Terminvergabe-Internetseite.

So was brauchen wir jetzt nicht mehr. Wir haben inzwischen viele Monate Pandemieerfahrung hinter uns und wer in diesen langen, deprimierenden Lockdown-Monaten keine ausreichenden Argumente für eine Impfung gefunden hat, findet die ganz gewiss nicht in irgendeiner Werbekampagne.

Ganz klar: Jede und jeder Corona-Geimpfte hilft uns weiter in der Pandemie. Aber inzwischen ist es doch relativ einfach: Wer sich impfen lassen will, wird das tun. Es lohnt sich nicht, um die zu werben, die es nicht wollen.

Das sehen Sie anders? Stichwort „Herdenimmunität“? Geschenkt: Für eine Herdenimmunität bräuchten wir gut 70 Millionen Geimpfte in Deutschland (85 Prozent der Bevölkerung) und zudem ein Virus, das möglichst träge mutiert. Beides nicht sehr wahrscheinlich.

Viel sinnvoller wäre es, den Impfstoff an die zu geben, die ihn haben wollen. Verschenken wir doch unsere Überkapazitäten an Länder, die nicht so finanzstark sind wie wir. Denn es ist tatsächlich so: Jede und jeder Corona-Geimpfte hilft uns weiter in der Pandemie. Und zwar ganz egal, wo er oder sie lebt auf dieser Welt.

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Erstellt:
21. Juli 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2021, 01:00 Uhr

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