Der Kommentar

Ungeschriebene Gesetze

Von Selina Maier

In Wurmlingen wohnst Du perfekt, Du bist in zehn Minuten in Rottenburg.“ Diesen Satz höre ich häufig. Ja, die Busverbindung ist vielleicht ganz in Ordnung, man kommt tatsächlich schnell wieder weg von Wurmlingen. Aber das ist ja nicht das einzige Kriterium, nach dem man seinen Wohnort beurteilt.

Ein Studentenwohnheim gibt es in Wurmlingen (noch) nicht. Was erstaunlich ist, denn in 15 Minuten ist man sogar mit dem Bus in Tübingen. Deshalb wäre Wurmlingen für Studierende auf Wohnungssuche eine attraktive Alternative für Tübingen.

Leider haben es Zugezogene in dem netten Dörfchen nicht ganz leicht. Obwohl sie von den Alteingesessenen sofort wahrgenommen werden, verschwinden sie rasch in der Bedeutungslosigkeit. Auch die ländliche Bevölkerung kann Anonymität.

Bedingung für eine erfolgreiche Integration in Wurmlingen ist ein Engagement im Musik- oder Sportverein. Am besten tritt man gleich beiden Vereinen bei. Aber auch dann wird man wohl nie so ganz zu den Einheimischen gehören. Wenn man allerdings dann auch noch am Pfingstritt teilnehmen darf, ist man zumindest schon ziemlich nah dran.

Für einen Ort mit rund 2600 Einwohnern hat Wurmlingen eine beachtliche kulinarische Vielfalt zu bieten: So gibt es neben dem Bäcker und einem Steakhouse sogar zwei Pizzerien.

Das absolute Highlight im Ort ist jene Kapelle, die schon Ludwig Uhland zu einem berühmten Gedicht inspiriert hat. Wer ungünstig wohnt, lebt zwar im großen Schatten des kleinen Kapellenberges. Dafür hat man jederzeit einen schönen Ausblick auf das Kapellenwegle mit seinen zahlreichen Kreuzen und anderen Symbolen.

Also, liebe Studentinnen und Studenten: Wurmlingen ist das neue Tübingen. Zumal die Mieten in dem Rottenburger Teilort fast schon das Niveau der benachbarten Unistadt erreicht haben.


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05.06.2019, 01:00 Uhr