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Jeder kann Kunst

Jürgen Klugmann ist freischaffender Künstler

„Wenn jemand sagt, er ist ein Künstler, dann ist er das.“ – Jürgen Klugmann ist freischaffender Künstler und arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ein Gespräch über das „Kunst machen“.

21.09.2016

Von Sabine Besenfelder

Die Ausstellung „Schöne Bilder – Kunstprojekte von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung“ wird vom 23. September bis 30. Dezember in der Volkshochschule Tübingen (Katharinenstraße 18) gezeigt. Am Freitag um 19 Uhr ist Eröffnung. Hier: Farbholzschnitt von Aja Jaiteh.

Dein Beruf ist Künstler. Wie bist Du das geworden?

Das steht ja auf den Wunschlisten junger Leute nicht gerade ganz oben.

Das hat sich so entwickelt. Nach der Schule habe ich eine Buchhändlerausbildung gemacht, merkte aber bald, dass „Händler“ da größer geschrieben wird als „Buch“, meine Liebe zur Literatur sich dem kaufmännischen Aspekt beugen musste. Dann war ich in verschiedenen Jobs tätig, unter anderem auch bei den Ausgrabungen im Kornhaus in Tübingen Ende der 1980er Jahre.

Ich lebte damals in einer WG, die gemeinsam Kunst machte, Experimentalmusik, Stahlskulpturen, alles Mögliche. Später nahm mich jemand mit ins Tübinger Zeicheninstitut. Dort studierte ich dann, bei Martin Schmid und Dieter Löchle.

Kann man da einen Zeitpunkt festmachen, ab dem Du Künstler warst?

Anfang der 1990er Jahre, als ich meine erste große Werkreihe „Der Dame Jouanne Zyklus“ im Rahmen einer Ausstellung präsentierte.

Neben dem Kunstbetrieb mit Ausstellungen überall, Aufenthaltsstipendien und so weiter arbeitest Du auch in anderen Feldern?

Ja, klar. Ich unterrichte an einer Schule, am Leibniz-Kolleg, ich gebe Kunstkurse im eigenen Atelier sowie an Kunstakademien, und ich arbeite sehr gerne mit Kindern.

Beim Kunstunterricht an der Schule „müssen“ die Schüler ja teilnehmen. Wie gehst Du damit um?

Kunstunterricht steht an der Schule schon sehr im Hintergrund, das war für mich als Schüler auch so. Wenn ich aber in jeder Klasse ein oder zwei „packe“, ihnen zeigen kann, dass „Kunst machen“ Erfüllung sein kann, dann ist das doch gut. Und oft ist das gar nicht so schwierig: Ich denke, jeder kann Künstler sein – er muss nur ein passendes Feld finden. Wem akribisches Zeichnen nicht liegt, dem liegt vielleicht konzeptionelle Kunst.

Was ist die „Internationale Kunstwerkstatt“?

Die „Internationale Kunstwerkstatt“ findet meistens in meinem Atelier bei den Pferdeställen statt. Meine Frau Ulrike Stiens und ich organisieren sie gemeinsam. Die Gruppe trifft sich ein-, zweimal im Monat, meist halbe oder ganze Tage. Momentan sind es acht Teilnehmer, davon fünf mit Fluchterfahrung. Wir würden gerne wieder ein bisschen wachsen – das funktionierte bisher meist von selbst, indem jemand Bekannte mitbrachte.

Einige meiner Kursteilnehmer-innen aus dem Leibniz-Kolleg hatten über das Asylcafé erste Kontakte und wurden initiativ. Begonnen haben wir um Pfingsten 2015, zeitweise unterstützt von der Stadt – zur Zeit arbeiten wir ehrenamtlich. Also das Bereitstellen von Material, das Begleiten der künstlerischen Arbeit, aber auch viel Organisation – der Alltag der Flüchtlinge ändert sich ständig, Wohnorte wechseln, Sprachkurse oder Jobs ändern sich ... Und die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind noch lange nicht komplett überwunden, auch wenn wir uns inzwischen gut kennen.

Mit welchen Techniken arbeitet Ihr?

Vor allem mit Holzdruck und mit Kaltnadelradierungen. Meine Erfahrung ist, dass dieser stark handwerkliche Aspekt die Scheu nimmt vor dem Künstlerischen – und den Menschen einfach gut tun. Häufig sind Nervosität und Anspannung, mit denen die Teilnehmer ankommen, bis zum Ende unserer Treffen einer konzentrierten Ruhe gewichen.

Wie kam es zu der Ausstellung, die Ende der Woche in der VHS eröffnet wird?

Die anderen Künstler/innen, die Kunstprojekte mit Flüchtlingen gemacht haben, Hanna Smitmans, Ava Smitmans und Martin Alber, kamen auf uns zu. Gezeigt werden also Fotografien, Drucke, Zeichnungen und Malerei.

Diese Ausstellung trägt den Titel „Schöne Bilder“. Warum?

Wir wollten über den Titel bewusst die Ästhetik in den Vordergrund stellen, um das integrative, verbindende Moment des Kunstschaffens hervorzuheben. Mitunter werden Werke sonst zu einseitig nur als Spiegel des biographischen Leids ihrer Produzenten wahrgenommen.

Fragen von Sabine Besenfelder /

Bilder: Besenfelder

www.klugmann-kunst.com

Die Ausstellung „Schöne Bilder – Kunstprojekte von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung“ wird vom 23. September bis 30. Dezember in der Volkshochschule Tübingen (Katharinenstraße 18) gezeigt. Am Freitag um 19 Uhr ist Eröffnung. Hier: Farbholzschnitt von Aja Jaiteh.

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Erstellt:
21. September 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2016, 01:00 Uhr

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