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Jugend 2019: Zwischen Sorgen und Nöten der Generation Z

11.04.2019

Die Generation Z unterscheidet sich in sehr vielen Bereichen von ihren Vorgängern – leider auch in Sachen Sorgen. Bild: Ant Rozetsky - Unsplash

Eigentlich müssten ältere Generationen, welche noch die „wilden alten Zeiten“ des Protests zwischen Vietnamkrieg, NATO-Nachrüstung und Wiederaufbereitungsanlage erlebt haben, frohlocken:

Es gab wohl seit dem Ende des Kalten Krieges keine deutsche Jugendgeneration mehr, die so politisch war – wann hat man dann vor 2019 das letzte Mal vernommen, dass sich selbst im beschaulichen Tübingen 1000 Schüler auf die Straße begaben? Dass an einem einzigen Freitag weit mehr als eine Viertelmillion Kids demonstrierten – nicht nur einmalig, sondern wöchentlich?

Tatsache ist, dass die vielgescholtene Generation Z, also jene, die nach 1995 geboren wurden, längst nicht nur aus lethargischen Smartphone-Zombies besteht, wie ihr so oft angedichtet wird.

Allerdings hat die Lebensrealität, in der diese, heute bestenfalls 25 Jahre jungen Menschen stecken, auch Schatten.

1. Schulden

Das wohl drängendste Problem ist dabei das, was der MDR mit „Leben im Minus“ treffend überschrieb. Keine Jugendgeneration brachte es auf einen so hohen Schuldenberg.

2015 gaben 31% aller 14- bis 24-jährigen an, schon mal Schulden gehabt zu haben – drei Jahre zuvor waren es noch 22%, mittlerweile gehen viele davon aus, dass es noch mehr sind.

Und schaut man sich die offizielle Statistik an, sind es immer wieder Versandhäuser und vor allem Telekommunikationsunternehmen, die als Gläubiger auftreten.

Dahinter steckt nichts anderes als ein Spiegel der heutigen Jugend-Lebensweise:

• Vergleichsweise später Eintritt in die Berufswelt

• Weniger Jugendliche in Ausbildungsberufen und somit Lohn

• Hoher „Digitaldruck“

Wenig Geld, dafür aber eine weit über Gruppenzwang hinausgehende Notwendigkeit, nicht nur „digital vorhanden“ zu sein, sondern auch zumindest halbwegs den schnelllebigen Modellwechseln der Branche zu folgen.

Nicht gerade förderlich ist es da nach Ansicht vieler Experten auch, dass immer mehr Zahlungsmethoden auf den Markt fluten, die es schwerer machen, den Überblick über seinen finanziellen Ist-Zustand zu behalten – die Schattenseiten von Mobile Payment und Konsorten.

Hinzu kommt, dass just diese digitalaffine Generation sich auffällig oft als schlecht darin erweist, jene vorhandenen Hilfsangebote und Beratungen im Netz zu finden und zu durchlesen.

Viele Warnungen verhallen somit ungehört und sorgen dafür, dass Jobsituation, schlechte finanzielle Vorbereitung im Elternhaus auf teure, schnellwechselnde digitale Versuchungen treffen und einen Schulden-Cocktail produzieren, der vielen beim Start ins Erwachsenenleben wie eine Eisenkugel am Bein hängt

2. Beruf

Das Turbo-Abi sollte eigentlich dafür sorgen, dass Jugendliche schneller in den Beruf kommen. Geführt hat es leider vor allem dazu, dass sie ein Jahr früher auf die Uni kommen.

Denn auch hier sind die Z’ler eine Generation der Rekorde: Zum Wintersemester 2018/2019 waren deutschlandweit unglaubliche 2.86 Millionen Studierende eingeschrieben. Zum Vergleich: Auszubildende gibt es zurzeit nur 1,3 Millionen.

Dieser Druck zum Studium hat nicht nur dazu geführt, dass die klassischen Ausbildungsberufe eklatant unterbesetzt sind. Nein, auch die universitären Abschlüsse sind ob der Masse kein Garant mehr für Jobs.

Die „Generation Praktikum“, von der so häufig die Rede ist, sie ist auch deshalb noch aktuell, wenngleich längst nicht mehr so stark wie einst.

Allerdings sind die Z’ler deutlich desillusionierter als ihre Vorgänger, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert waren – das Phänomen ist ja kein neues.

Die Geschichten der Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf, auf der noch vor 15, 10 Jahren so viele hörten, verhallen heutzutage – ihr Credo lautet „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ und beides soll bitteschön getrennt sein.

Das führt, etwas paradoxerweise, dazu, dass gerade jene jungen, hippen Unternehmen heute immer häufiger junge, hippe Leute suchen müssen – die können mit der dort oft praktizierten liberalen Arbeitszeit-Auslegung wenig anfangen und wollen zurück zu „Nine to five“.

3. Digital & Freundschaft

Dass die Generation Z vollständig aus Digital Natives besteht, die mit sämtlichen Segnungen der Digitalisierung aufwuchsen, muss nicht gesondert erklärt werden.

Aber man kann dieses Thema tatsächlich nicht losgelöst vom Thema Zwischenmenschlichkeit betrachten. Denn genau daran mangelt es jenen jungen Menschen der heutigen Generation oft so sehr – just wegen der digitalen Welt.

Wohl jeder kennt das Klischee der Gruppe junger Menschen, die schweigend nebeneinandersitzt, jeder in sein Smartphone vertieft. Sicherlich häufig überzogen, ebenso häufig jedoch nicht. Genau dort liegt der Hase im Pfeffer: Jugendliche sind heute enorm einsam.

Das Problem liegt daran, dass der Blick ins Internet, auf Instagram, Snapchat und Konsorten den jungen Usern oft vorgaukelt: „Alle anderen haben Spaß, nur ich nicht“.

Grund sind die per Foto komprimiert-vorgesetzten schönen Momente der anderen. Sie lassen das Gefühl aufkommen, nicht am „richtigen Leben“ seiner Freunde teilzuhaben – mit ein Grund dafür, dass auch viele Psychologen immer jüngere Patienten sehen.

4. Digital & Freundschaft

Auch das Thema Liebe bleibt vom Digitalen nicht unberührt. Hier ist es etwas, das Fachleute etwas vulgär als „Oversexed and underfucked“ bezeichnen, höflich übersetzt „Übersexualisiert und untervögelt“, das der Jugend zu schaffen macht.

Durch das Netz, das, ist man ehrlich, von keiner Elternhand wirklich ausreichend zensiert werden kann, kommen Jugendliche frühzeitig im Übermaß mit Sexualität in Kontakt – der nächste Porno ist nur Daumenwischs entfernt.

Das führt zu mehrfachen Phänomenen:

• Sexuelle Abstumpfung durch die gegenüber dem normalen Leben immer extremeren medialen Handlungen

• Ein je nach Jugendlichem unterschiedlich stark ausgeprägtes Minderwertigkeitsgefühl

• Eine recht hohe Unfähigkeit, ohne Griff zu digitalen Medien auf klassische Weise anzubandeln

Letzteres wurde schon bei der Generation Y beobachtet und führte zu völlig neuen Geschäftsmodellen im Stil von „Flirten ohne Smartphone – so geht’s“. Die vielfach noch schulpflichtigen Z’ler indes bereiten mehrheitlich (noch) Lehrpersonen damit Kopfzerbrechen – die oft genug hier eine Ratgeberfunktion übernehmen müssen.

Aber es gibt auch Gutes in dieser Hinsicht zu berichten: Die Generation Z ist in Partnerschaften ausnehmend romantisch; sie setzt verstärkt Hoffnungen in „alte Werte“ wie gemeinsames Altwerden, Monogamie und dem Partner als echten Freund.

Fazit

Die Generation Z ist definitiv nicht die verantwortungslose, hedonistische Generation, als die sie vielfach verschrien wird. Sie ist gleichsam revolutionärer und konservativer als die meisten ihrer Vorgänger in den letzten 30 Jahren.

Aber sie zeigt, dass die Welt selbst für die ganz Jungen schon enorm schnelllebig geworden ist, das gilt nicht nur für die Älteren.

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Erstellt:
11. April 2019, 10:37 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2019, 10:37 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 10:37 Uhr

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