Ganz einfach lösen

Keine Fahrkarte nach Holzgerlingen am DB-Automaten

Thomas Junker hatte sich vorgenommen, in Zukunft statt mit dem Auto öfter mit dem ÖPNV zu seiner Arbeitsstelle in Holzgerlingen zu fahren. Dann scheiterte sein Vorhaben bereits am Fahrkarten-Automaten am Derendinger Bahnhof.

05.05.2021

Wissen Sie auf Anhieb, welche Fahrkarte mit welchem Automaten lösbar ist? Bild: A. Brieschke

Thomas Junker* ist eigentlich geübt im Fahrkarten kaufen am Derendinger Bahn-Automaten. Ab und an fährt er am Wochenende von dort aus mit der Hohenzollerischen Landesbahn auf die Alb. Von daher hatte er sich keine großen Gedanken darüber gemacht, ob er an diesem Bahnhof morgens eine Fahrkarte nach Holzgerlingen lösen kann. Einige Minuten hatte er dafür eingerechnet, nach einer Viertelstunde gab er auf. Bis dahin hatte er dem Fahrkarten-Automaten keine Karte entlocken können, auch nebenstehende Bahnreisende, die er um Hilfe bat, konnten ihm nicht weiterhelfen. Ohne gültigen Fahrschein aber wollte er in den Zug, der inzwischen am Bahnsteig stand, nicht einsteigen. An diesem Morgen fuhr er mit dem Auto zur Arbeit.

Abends versuchte er mit Unterstützung seiner Frau, das Problem am Automaten zu lösen – ohne Erfolg. Er konnte zwar die Verbindung Tübingen-Derendingen – Holzgerlingen eingeben, nach etlichen Klicks allerdings landete er immer an der Stelle mit dem Hinweis „Verbundtarif“. Ein totes Ende, denn von hier aus kann man weder eine Fahrkarte lösen noch erfahren, was man tun muss, um zu einem Verbundtarif zu gelangen. – Oder was für ein Verbund das überhaupt sein könnte. Denn Derendingen liegt im Naldo-Verkehrsverbund, das 20 Kilometer entfernte Holzgerlingen aber im Stuttgarter Verkehrsverbund VVS.

Im Internet, fand Junker heraus, ist hingegen auf der DB-Seite nicht nur die gewünschte Verbindung einfach zu finden, sondern auch eine Fahrkarte problemlos (Kosten: 3,80 Euro) zu kaufen – online. Was Thomas Junker eigentlich nicht wollte.

Deswegen wandte er sich an den „Kundendialog“ der Deutschen Bahn und erhielt folgende Antwort: „Sie können Ihren Fahrschein am DB-Automaten ganz einfach lösen, in dem Sie Ihren Start- und Zielbahnhof eingeben und anschließend die gewünschte Reiseverbindung am Automat auswählen.“

Wenig hilfreich.

Zwischenzeitlich hatte Thomas Junker aber herausgefunden, dass er an dem gelben Bwegt-Fahrkartenautomaten am Tübinger Hauptbahnhof, der direkt neben den roten DB-Automaten steht, eine Fahrkarte für seine gewünschte Verbindung lösen kann. Das alles fand Junker so kurios, dass er sich mit dieser Geschichte beim TAGBLATT ANZEIGER meldete.

Der ging dieser Geschichte nach. Es war zu vermuten, dass ein Nahverkehrs-Versprechen des Landesverkehrsministers doch noch nicht in Erfüllung gegangen sein könnte – nach über zwei Jahren: Im Dezember 2018 hatte Verkehrsminister Winfried Hermann eines seiner Lieblingsprojekte zum Laufen gebracht: Den „Bwegt-Tarif“, bei dem ein einziges Ticket genügt, um innerhalb von Baden-Württemberg von A nach B zu gelangen. Davor musste man unter Umständen mehrere Fahrkarten lösen, um zum Ziel zu kommen. So zum Beispiel auch für die Fahrt von Tübingen-Derendingen nach Holzgerlingen: eine Fahrkarte für den Tübinger Stadtverkehr, eine Fahrkarte für den Flughafenbus von Tübingen nach Dettenhausen und eine Fahrkarte für die Schönbuchbahn von Dettenhausen nach Holzgerlingen.

Das gehört nun seit Dezember 2018 der Vergangenheit an und die verbundübergreifende Bwegt-Fahrkarte sollte eigentlich an jedem Automaten „unserer Eisenbahnverkehrsunternehmen“ lösbar sein, wie auf der Bwegt-Homepage zu lesen ist.

Die TAGBLATT-ANZEIGER-Recherche bei mehreren Pressestellen (Naldo, DB, Bwegt, Verkehrsministerium) in der unübersichtlichen Nahverkehrsgemengelage Baden-Württembergs ergab letztendlich: „Das könnte ein Programmierungsfehler sein“, vermutet Elke Schmidt, Pressesprecherin bei Bwegt. Denn der Fahrkartenkauf beim DB-Automat hätte problemlos funktionieren müssen.

Die Pressesprecherin betont, dass der Einzelkarten-Kauf für alle Verbindungen innerhalb Baden-Württembergs an allen Automaten möglich sei. Schmidt hat Junkers Problem inzwischen intern an den zuständigen DB-Vertrieb gemeldet. Der wird jetzt prüfen, wie es sein kann, dass es unterschiedliche Auskünfte im Internet und an den Automaten zu ein und derselben Anfrage geben kann. „Ihr Leser hat einen Bug aufgedeckt“, sagt die Pressesprecherin zu diesem Fehler und meint: „Das ist ja auch gut“. Angelika Brieschke

www.bwegt.de

(* Name geändert)

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Erstellt:
5. Mai 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Mai 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Mai 2021, 01:00 Uhr

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