Weinende Erinnerung

Keine Masken, keine Musik, keine Fasnet – nichts

Die Fasnet ist abgesagt. Ansammlungen dieser Größe lässt die Corona-Regelung nicht zu. Die „Närrischen“ trösten sich mit den Aussichten auf die Fasnet 2022.

Keine Masken, keine Musik, keine Fasnet – nichts

Die Wurmlinger Bajas müssen dieses Jahr pausieren. Alle hoffen auf 2022. Bild: Werner Bauknecht

Am kommenden Samstag wäre in Wurmlingen der traditionelle Fasnetsumzug. Zwischen 40 und 50 Gruppen kommen da regelmäßig in den Flecken unterhalb der Kapelle. Los geht’s in der Unterjesinger Straße, dann durch die Bricciusstraße bis zum Gasthaus Rössle. Das ist der Endpunkt. Der Rest des Narrentages gehört dann der kultigen Straßenfasnet, und abends geht es in die Uhlandhalle zur großen Narrenparty mit Stimmungskapelle. So ungefähr wäre es auch dieses Mal abgelaufen. Kann es aber nicht, denn statt der Narren regiert Corona. Und da verbieten sich solche Veranstaltungen.

Frank Foitzik (52), Zunftmeister der Wurmlinger Knöpfle, die den Umzug organisieren, sitzt in seiner privaten kleinen Zunftstube, die er sich selbst eingerichtet hat. „Hier feiern wie manchmal privat ein wenig, aber jetzt war schon monatelang niemand mehr hier“, bedauert er. An den Wänden hängen Masken, Fotos, Häser und andere Erinnerungsstücke. Er ist in stetem Kontakt auch mit den anderen Mitgliedern des Närrischen Freundschaftsrings Neckar-Gäu, der aus 26 Zünften besteht. „Wir kommunizieren vor allem über WhatsApp“, erklärt der Zunftmeister. Da werde viel hin- und hergeschickt. Kleine Filmchen mit alten Fasnetsaufnahmen, zum Beispiel. „Da sieht man, wie intensiv die Menschen mit der fünften Jahreszeit verbunden sind.“ Auch im Gespräch mit seinen eigenen Mitgliedern merke er, dass sie unbedingt was machen möchten – gerade jetzt, wenn sie sich dem Höhepunkt der Fasnet nähern.

Im Gegensatz zum rheinischen Karneval, der klassisch am 11. 11. beginnt, geht es bei der schwäbisch alemannischen am 6. Januar mit dem sogenannten Maskenabstauben los. „Das war das erste, das flach fiel“, erinnert sich Foitzik. In Wurmlingen ist da immer eine große Party vor dem Rössle mit loderndem Feuer und Narrentänzen. Dieses mal tote Hose, kein Mensch auf dem leeren Platz neben der Dorfmitte.

Manche der Zünfte stellten, „aus weinender Erinnerung“ (Foitzik) einen kleinen Film vom vergangenen Jahr ins Internet. Nach dem Motto: Besser als nix. Maskenabstauben aus der Retorte. Auch das Aufstellen des Narrenbaums, bei dem sonst immer die Feuerwehr mithilft, musste ausfallen. „Wenn keine Fasnet ist, braucht man auch keinen Narrenbaum“, meint der Zunftmeister ganz pragmatisch. Trotzdem haben sie die Bricciusstraße, der Hauptweg des Umzugs und die Wurmlinger Durchgangsstraße, mit den närrischen bunten Fetzen geschmückt.

Die hängen jetzt über der Straße und bringen zumindest Erinnerung an die Fasnet unter die Menschen. Natürlich haben sie die Fasnet 2021 sicherheitshalber wie alle Fasneten zuvor geplant. „Es wusste ja Mitte 2020 niemand, wie es in einem halben Jahr aussieht mit Corona.“ Dabei kann der Zunftmeister sich auf seine Mitglieder und den Zunftrat voll verlassen: „Für die ist so eine Planung inzwischen Routine, die sind alle hoch professionell.“ Aber die Fasnet sei ja nicht bloß das Närrische und der Umzug, meint Foitzik. Da steckten auch viele Zulieferer und Unterstützer dahinter. „Ich denke dabei an unseren Getränkelieferanten aus Remmingsheim, der jetzt ausfällt“, zählt er auf, „an die Firma, die die Klohäuschen die Fasnet über aufstellt, an die Musiker, die uns begleiten oder an die Partybands, die bei den Hallenveranstaltungen nun nicht mehr gefragt sind.“

Jetzt sieht es jedenfalls so aus, als wäre nicht einmal die kleinste Veranstaltung über die Fasnetstage möglich. Nicht einmal das traditionelle „Wurstschnappen“ mit den Schulkindern findet statt, geschweige denn die Schülerbefreiung. „Es gibt ja keine, die in der Schule sind.“ Sie hatten sich überlegt, wenigstens mit ein paar Wagen durch den Flecken zu fahren mit Musik und Süßigkeiten, alles coronakonform. Das aber scheitere daran, dass womöglich Menschen am Straßenrand stehen und zuschauen – „und schon haben wir ein nicht genehmigtes Zusammenstehen.“

Für viele ist die Fasnet ein Mittelpunkt ihres Lebens, weiß der Zunftmeister, „und das bricht jetzt weg.“ Sogar ihr Treffen mit dem Zunftrat würde nur virtuell stattfinden. „Aber“, und da leuchtet Foitziks Gesicht auf, „wir hoffen auf 2022 – und dann wird richtig gefeiert.“ Werner Bauknecht


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10.02.2021, 01:00 Uhr