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Fürs Kindeswohl

Kinderschutzbund ist der Anwalt des Kindes

Der Kinderschutzbund kümmert sich um die Sorgen und Nöte von Kindern, insbesondere aus sozial- und wirtschaftlich benachteiligten Familien. Der TAGBLATT ANZEIGER sprach mit dem Tübinger Ortsverband.

16.01.2019

TAGBLATT ANZEIGER: Viele reden von einem „Zeitalter des Kindes“. Warum braucht es da noch den Kinderschutzbund?

Regina Bamberg: Kinderschutz war, ist und wird auch immer ein Thema bleiben. Der Kinderschutzbund hat sich immer als „Anwalt des Kindes“ verstanden. Er ist 1953 vom Hamburger Kinderarzt Fritz Lejeune gegründet worden und seit 65 Jahren auch in Tübingen aktiv. Er unterhält unter anderem Kleiderkammern und engagiert sich in der Familienhilfe. Der Umgang mit den Bedürftigen hat sich stark geändert. Ziel ist die Hilfe für Kinder. Ohne das Umfeld des Kindes zu beurteilen, schützen, begleiten und unterstützen wir. Wir helfen in Not geratenen Familien.

Tanja Bisinger: Wir wollen in freundlicher Umgebung helfend begleiten, verstehen uns als niederschwelliges Angebot.

Karin Antoni: Etwa dürfen sich unsere Klienten in der Kleiderkammer, wie im Geschäft die Sachen selber aussuchen. Schwierigkeiten mit gebrauchten Kleidungsstücken haben kaum welche. Manche Eltern bevorzugen sogar bewusst, Stücke aus zweiter Hand. Schwierig wird es erst ab einem bestimmten Alter, wenn Jugendliche zum Beispiel bestimmte Marken bevorzugen.

Nimmt die Bedürftigkeit zu?

Bamberg: Ja. Das hängt mit der Migration zusammen. Wir betreuen im Jahr etwa 600 Familien mit mehreren Kindern. Dabei ist der Ausländeranteil in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

Bisinger: Wir geben finanzielle Unterstützung für Kinder, damit diese zum Beispiel an Freizeiten oder Sportangeboten teilnehmen können.

Antoni: Außerdem helfen wir Familien in finanziellen Krisensituationen, etwa durch Kostenübernahme für dringend benötigte Alltagsgegenstände oder wenn vor Feiertagen der Kühlschrank leer ist.

Wie finanzieren Sie sich?

Bamberg: Von der Stadt erhalten wir einen kleinen Zuschuss. Die Gerichte sprechen uns einen Anteil an den verhängten Bußgeldern zu und dann leben wir von Spenden, kleinen und großen. Wir haben im Jahr etwa 60 000 Euro fixe Kosten. Die ausgegebenen Hilfen kommen dazu.

Ein wichtiger Teil Ihrer Arbeit ist die Nachhilfe.

Antoni: Wir organisieren seit Jahren Einzelnachhilfen in Zusammenarbeit mit dem studentischen Verein „LeHrnen – Studierende engagieren sich für Kinder“ und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kinderschutzbundes. Für dieses Projekt suchen wir laufend Interessierte, wobei Unterstützungsbedarf in allen Fächern und für alle Altersstufen besteht.

Bamberg: Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung sieht ja einen Anspruch auf Nachhilfeunterricht vor. Aber nur wenn die Versetzung gefährdet ist. Bei uns sind die Anforderungen nicht so streng.

Antoni: Wir befinden uns in der komfortablen Situation, dass wir mehr Ermessensspielraum haben.

Bisinger: Wir hatten schon 86 Kinder in der Einzelnachhilfe. Im Schnitt sind es zwischen 50 und 60 Kinder pro Schuljahr mit mindestens einer Nachhilfestunde pro Woche. Der Anteil der Grundschüler nimmt zu. Das liegt auch an den mangelnden Deutschkenntnissen.

Wie suchen Sie die Nachhilfelehrer aus?

Bisinger: Am Anfang steht ein persönliches Gespräch. Ziel ist es, zu erfahren, für welche Fächer beziehungsweise Altersstufen ein Bewerber, zum Beispiel auf Grund fachlicher oder beruflicher Vorkenntnisse, geeignet ist. Darüber hinaus ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis Voraussetzung.

Bamberg: Bei den anderen Projekten des Kinderschutzbundes können die Ehrenamtlichen erst nach einer Ausbildung durch den Landesverband teilnehmen. Das sind die Projekte Familienhilfe und begleiteter Umgang.

Interview: Fred Keicher

Für Eltern von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter bietet der Kinderschutzbund einen Elternkurs an:

„Starke Eltern – starke Kinder“.

In dem Kurs soll das Selbstvertrauen der Eltern gestärkt werden. Ziel ist, den Familienalltag zu entlasten und das Miteinander zu verbessern. Der nächste Kurs beginnt am 5. Februar und umfasst sechs Termine. Kursort ist die Kinderschutzbund-Geschäftsstelle in der Keplerstraße 5 in Tübingen. Kosten 54 Euro für Einzelpersonen, 80 Euro für Paare. Anmeldung unter 0 70 71 / 6 13 34 oder per Mail info@kinderschutzbund-tuebingen.de

Mehr Infos unter www.Kinderschutzbund-tuebingen.de.

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Erstellt:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 01:00 Uhr

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