Der Kommentar

Kompetente Medienberater

15.07.2020

Von Angelika Brieschke

„Sie werden dieses Zentrum am Ende auch zuschließen“, prophezeite ihm sein Vorgänger bei der Amts- und Schlüsselübergabe vor gut zehn Jahren. Als Thomas Rudel Leiter des Kreismedienzentrums Tübingen wurde, sah die Zukunft für diese Institution überschaubar aus. Es wurde schon laut darüber nachgedacht, statt der vielen Kreismedienzentren in Stuttgart eine zentrale Stelle für die Medienausleihe der Baden-Württembergischen Lehrer/innen einzurichten.

Die realen Ausleihzahlen der Medienzentren, vor allem im Bereich Filme, waren immer weniger geworden. Da war die Überlegung nicht grundsätzlich falsch, das auch zentralisieren zu können. Aber es kam anders: Die Medienzentren, die Anfang des Jahrhunderts noch „Kreisbildstellen“ hießen, haben sich nicht nur einen neuen Namen gegeben, sondern auch ihren Aufgabenbereich „Medien in der Schule“ konsequent weiterentwickelt.

„Früher“, erzählt Rudel, „haben wir überwiegend Lehrkräfte geschult, wie sie einen 16mm-Projektor fachgerecht bedienen, heute beraten wir Schulträger bei der Medienentwicklungsplanung, beraten beim Aufbau von schulischen Netzen, stellen Onlineplattformen bereit und haben ein umfangreiches Beratungs- und Fortbildungsangebot für Vereine, Kindergärten, Schulen, Seminare und so weiter.“ Und: „Damit digitale Medien gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden können, müssen auch Lehrkräfte in diesem Bereich kontinuierlich geschult werden“ – dass hier in unseren Schulen ein enormes Nachholpotenzial schlummert, mussten Eltern und Schüler in den letzten Wochen und Monaten coronabedingt schmerzhaft erfahren.

Für all diese Aufgaben reichen „drei teilabgeordnete Lehrer bei weitem nicht“, sagt Rudel. Vor allem hätte er gerne einen Techniker mehr im Team. Eine personelle Aufstockung wäre jetzt dringend nötig, schließlich ist das Kreismedienzentrum Tübingen für die Umsetzung des Digitalpakts der Bundesregierung ein wichtiger Partner für die 24 Schulträger im Landkreis geworden. Die sahen sich im vergangenen Jahr plötzlich der Aufgabe gegenübergestellt, viel Geld auf viele Schulen in diversen Schulformen verteilen zu dürfen. Über 13,5 Millionen Euro stehen kreisweit bereit für eine von der Bundesregierung relativ unspezifisch benannte Aufgabe: „Digitalisierung in den allgemeinbildenden Schulen“.

An dieser Aufgabe knabbern noch viele Schulträger bundesweit, das belegen die Zahlen: Bis Anfang des Jahres waren aus dem insgesamt fünf Milliarden Euro schweren Paket erst 20 Millionen abgerufen worden, in Baden-Württemberg gerade mal 1,3 Millionen von 650 Millionen, die das Land verteilen darf. Das könnte auch daran liegen, dass den Schulträgern kompetente Beratungspartner fehlen. Angelika Brieschke

(siehe Seite 3: „Wir haben viel ...“)

Zum Artikel

Erstellt:
15. Juli 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juli 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2020, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.