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Unheimlich gut angenommen

Lange geplant und umstritten: die Rottenburger Stadtbibliothek

Im vergangenen Sommer öffnete die Rottenburger Stadtbibliothek ihre Türen – nach jahrelangen Diskussionen über Sinn und Bedarf, Standort und Planung. Der TAGBLATT ANZEIGER sprach mit Ruth Bolle, der Leiterin der Bibliothek.

16.05.2018
  • Angelika Brieschke

Rottenburg. Der Start war alles andere als einfach – allein schon die Ausgangslage war durchaus sportlich: Die neue Bibliothek in Rottenburg sollte nicht nur eine neue, große Bücherei werden mit 54000 Medien und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm wie Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Führungen. Nein, in die neue Bibliothek sollten zudem auch die Medien der kirchlichen Vorgängerbüchereien mit übernommen werden. Das hieß, 5- bis 6000 Medien aus der Dombücherei und rund 2000 aus der Morizbücherei in den neuen Katalog einarbeiten. Mit dieser Einarbeitung begann eine Mitarbeiterin bereits Anfang 2017, damit für die Eröffnung im Sommer genügend Bücher in den Regalen stehen würden.

Und dann kam es kurz vor der Eröffnung zu einer Riesenpanne: Es gab einen Datencrash. Die Übertragung der Daten der Medien aus den Vorgängerbüchereien funktionierte nicht und alles, was bis dahin schon für den neuen Bibliothekskatalog bearbeitet worden war, war verloren. Konkret bedeutete das, dass die Arbeit von einem halben Jahr umsonst gewesen und die Bibliothek mit viel weniger Medien starten musste als gedacht. Eben nur mit den Medien, die ganz neu angeschafft und direkt in den neuen Katalog eingearbeitet worden waren.

Mit dem Vorwurf, dass so wenig Bücher in der großen, neuen Bibliothek stehen würden, muss sich die Leiterin deswegen von Anfang an herumschlagen. Ruth Bolle sieht das inzwischen einigermaßen gelassen: „Wenn sich Kunden wundern, dass so wenig in den Regalen steht, dann sind wir da ehrlich. Im Moment haben wir 27000 Medien, unser Ziel war gewesen bis Ende 2018 bei den vorgesehenen 54000 zu sein. Das wird nun bis Ende 2019 dauern.“ Die dadurch an manchen Stellen noch etwas leer anmutenden Bücherregale schaden aber in keiner Weise dem Publikumsandrang. Die Nutzungsbilanz der Bibliothek kann sich durchaus sehen lassen. Schon nach diesem dreiviertel Jahr seit der Eröffnung im vergangenen August ist offensichtlich, dass die Rottenburger Bibliothek sehr gewünscht war und ist. „Das Haus wird unheimlich gut angenommen“, sagt die Leiterin und man merkt ihr die leichte Verwunderung darüber an – und den heimlichen Stolz darauf. Über 6000 Nutzer – beziehungsweise Kunden, wie Ruth Bolle sie lieber nennt – hat die Bibliothek schon. Am Anfang wurde die Bücherei fast überrannt: Die Mitarbeiterinnen mussten viel mehr Nutzerausweise ausgeben als gedacht. Schon zwei Monate nach der Eröffnung waren es doppelt so viele wie eingeplant (nämlich knapp 4500).

Gestemmt wird die Arbeit in der Rottenburger Bibliothek von neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit zusammengerechnet 7,5 ganzen Stellen. Im Einzelnen sind das: drei Bibliothekarinnen in Vollzeit, vier Fachangestellte für Mediendienste in Voll- und Teilzeit, eine halbe Stelle für Kirche/Soziale und eine halbe Stelle für den Hausmeister.

Für Leiterin Ruth Bolle spiegelt sich gute Bibliotheksarbeit aber nicht nur in reinen Kunden- und Ausleihzahlen wider. Für sie ist klar: „Beratung ist das A und O in der Bücherei“. Ruth Bolle macht selber auch Thekendienst, und zwar gerne: „Das ist Luxus für mich. Ich möchte meine Kunden kennenlernen, mit ihnen ins Gespräch kommen.“ Und so vielleicht auch Verbesserungsmöglichkeiten und Wünsche erfahren. Die Rottenburger Bibliothek möchte ja auch ein Ort für Begegnungen sein. Dabei hilft auch das Café in der Bücherei, das Café Stadtgespräch, das vom Verein „Freundeskreis Mensch“ betrieben wird. Dort kann man in Ruhe die ausgelegten Zeitungen lesen, Kaffee trinken und selbst gebackenen Kuchen essen und sogar kleinere Mahlzeiten werden dort angeboten.

Die vielfältigen Streitigkeiten um das Bibliotheksgebäude – die Größe, die Lage, die Farbe – kann Ruth Bolle im übrigen überhaupt nicht nachvollziehen: Ihr gefällt das markante Haus am Anfang der Königstraße. Sie kommt fast ins Schwärmen, wenn sie auf die großen Fenster zeigt, die das Gebäudeinnere sehr hell machen und von denen aus man schöne Ausblicke in die Stadt hat. „Ich finde das Gebäude schön, vom Eingang her, von der Konstruktion“, sagt sie, „und so, wie es hier steht, ist es wie der Eingang in die Altstadt.“ Angelika Brieschke

Stadtbibliothek Rottenburg,

Königstraße 2

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

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16.05.2018, 01:00 Uhr
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