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Sicherer als Geld

Martin Vitt über Gold als Wertanlage in der Krise

Martin Vitt ist freier Sachverständiger für Nachlass und Autor des Buches „Auro statt Euro“. Wir sprachen mit dem 55-jährigen Kiebinger über Gold als Wertanlage in Krisenzeiten.

13.05.2020

Als freier Sachverständiger für Nachlass schätzt Martin Vitt auch den Wert von Münzen und Schmuck. Archivbild: Stefan Zibulla

TAGBLATT ANZEIGER: Mit der Ausbreitung des Corona-Virus steigt auch der Goldpreis. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Martin Vitt: Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Gold als Wertanlage. Doch einen derartigen Anstieg der Preise und solche Engpässe bei der Lieferung des Edelmetalls wie seit der Corona-Pandemie habe ich noch nie erlebt. Mit dem Shutdown der Wirtschaft in den Industrieländern begannen auch beim Gold die Hamsterkäufe. Doch es macht keinen Sinn, Gold zu kaufen, wenn der Preis sehr hoch ist und die Angst umgeht. Denn Angst war noch nie ein guter Ratgeber.

Wie schätzen Sie Gold
als Wertanlage in
Krisenzeiten ein?

Hierbei sind drei Punkte zu beachten: Zum einen ist Gold immer noch eine gute Anlage, um in schwierigen Zeit sein Geld zu sichern. Denn Gold wird auf der gesamten Welt als Zahlungsmittel anerkannt und man bekommt dafür einen Gegenwert. So konnte man zu biblischen Zeiten für eine Unze 350 Brote kaufen. Heute ist eine Unze zwischen 1350 und 1550 Euro wert und ergibt mindestens soviel Brotlaibe wie damals, je nach Brotpreis. Zum anderen stehen wir vor der nächsten Inflation. Im Gegensatz zu Geld verliert das Gold dann nicht an Kaufkraft. Wir wissen nicht, wo der Euro hinsteuert, wie sich Europa nach der Krise verhält und wie die wirtschaftlich schwachen Staaten aufgefangen werden sollen. Und der dritte Punkt ist von zentraler Bedeutung: Die Förderung von Gold kann nicht beliebig gesteigert werden. Obwohl die Nachfrage ständig steigt, bewegt sich die jährliche Fördermenge konstant bei etwa 2600 Tonnen.

Welche Art von Gold empfehlen Sie?

Ich rate zum Kauf von Münzen mit Sicherheitsstufen.

Was sind Münzen mit Sicherheitsstufen?

Schauen Sie sich beispielsweise die 10 DM Münze von 1998 an, auf der Hildegard von Bingen abgebildet ist. Sie ist aus 925er Sterling-Silber und hat derzeit einen Silberwert von etwa 6,50 Euro. Die Nominale aber beträgt 10 DM, also 5,11 Euro. Die Sicherheitsstufen garantieren Mindestpreise beim Verkauf von Münzen. Bei unserem Beispiel sind dies: a) 5,11 Euro beim garantierten Umtausch bei der Bundesbank, b) der Silberpreis, oder c) ein guter Preis in einer Internetauktion für eine sehr gefragte Sammlermünze.

Was ist der größte Fehler beim Kauf von Gold?

Jetzt, wo alle große Mengen an Gold kaufen wollen, ist der Gang ins Internet verführerisch. Doch leider gibt es dort viele Fakeshops, die immer wieder ihren Namen wechseln. Wer auf ihre scheinbaren Sonderangebote reinfällt, ist sein Geld los, ohne Ware zu bekommen.

Wie kann Gold sicher ge- und verkauft werden?

Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf von Gold sollte man sich an einen ausgewiesenen Fachmann wenden. Und statt große Mengen auf einmal zu erwerben, sollte man sich an einem seriösen Goldsparplan orientieren. Dann kann man auf Kursschwankungen reagieren und das Edelmetall zu günstigen Preisen einkaufen. Es macht derzeit auch Sinn, in seinen Schubladen nach alten Kettchen und Anhängern aus Edelmetall zu suchen, um diese schätzen zu lassen. Dann können sie gegen Münzen oder Goldbarren eingetauscht werden, die mit ihrem Gewicht und Wert gekennzeichnet sind.

Wird der Goldpreis in Zukunft steigen oder fallen?

Wenn ich das wüsste! Viele Akteure bestimmen den Goldpreis. Da sind zum einen die fünf Großbanken der Welt, die den Preis täglich in einem Meeting am Vormittag festsetzen. Da sind die Großinvestoren, die Millionen in einen Gold-deal stecken, wenn sie auch nur ansatzweise einen Gewinn riechen. Und da sind die Staaten, die über große Mengen Goldreserven verfügen. Ich behalte diese Fakten immer im Hinterkopf und informiere meine Kunden zeitnah über Veränderungen. Das ist die beste Möglichkeit, in Gold zeitnah zu investieren. Es lohnt sich!Fragen von Stefan Zibulla

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Erstellt:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2020, 01:00 Uhr

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