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Der Kommentar

Mehr Geld von den Pflegekassen

12.09.2018
  • Stefan Zibulla

Dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) die vernichtende Kritik von Gabriele Lenz an seiner Arbeit zurückweisen würde, war zu erwarten. In der schriftlichen Stellungnahme, die der TAGBLATT ANZEIGER auf seine Anfrage von der MDK-Pressestelle erhalten hat, ist aber nicht nur von mindestens 90 Minuten die Rede, die eine Gutachtenerstellung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit „erfahrungsgemäß“ und „je nach den individuellen Gegebenheiten“ durchschnittlich dauern würde. Der Text räumt auch ein, dass mehr als die Hälfte aller Widersprüche gegen das Erstgutachten erfolgreich sind. Würden sich mehr als nur fünf Prozent gegen eine Einstufung durch den MDK wehren, hätten viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen mehr Geld von den Kassen zur Verfügung.

Gabriele Lenz berät Menschen, die beim MDK Widerspruch einlegen und vor dem Sozialgericht klagen. Dass die Rottenburger Pflegesachverständige mit ihrer Kritik am MDK eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt, ist kein Argument gegen die Seriosität ihrer Position. Zumal eine aktuelle Presseerklärung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) in eine ähnliche Kerbe schlägt. Dort wird auf „verwirrende Schreiben“ der Krankenkassen verwiesen, die Versicherte auffordern, einen Widerspruch zurückzunehmen oder behaupten, ein möglicher Widerspruch habe keine Aussicht auf Erfolg. „Durch dieses Vorgehen – das vom vorgegebenen Verwaltungsweg abweicht – wird häufig die Unwissenheit der Versicherten ausgenutzt“, betont die UPD. „Denn wer vorschnell einer Rücknahme des Widerspruchs zustimmt, verzichtet auf den vorgesehenen Rechtsweg.“

Für Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen lohnt es sich, für ihr Recht zu kämpfen und dafür bei Bedarf auch die Sozialgerichte in Anspruch zu nehmen. Zumindest, solange bei den Pflegekassen noch was zu holen ist. Denn langfristig muss die Finanzierung unserer Pflegesystems auf eine andere Basis gestellt werden.

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12.09.2018, 01:00 Uhr
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